Wissenschaftler aus Schwellen- und Entwicklungsländern ausgezeichnet

Die Alexander von Humboldt-Stiftung hat ihre mit jeweils 60.000 Euro dotierten Georg Forster-Forschungspreise 2015 vergeben. Nominierungen für die nächste Ausschreibungsrunde sind noch bis 15. Januar 2015 möglich.

Zwei Wissenschaftlerinnen und sechs Wissenschaftler erhalten die diesjährigen Georg Forster-Forschungspreise der Alexander von Humboldt-Stiftung. Der Preis richtet sich an Forscherpersönlichkeiten aus Schwellen- und Entwicklungsländern, die durch ihre bisherige Forschung international sichtbar geworden sind und mit ihrer Arbeit helfen, entwicklungsrelevante Fragestellungen zu lösen. Die Preisträger werden nach Deutschland eingeladen, um Kooperationen mit Kolleginnen und Kollegen zu etablieren und auszubauen. Der mit je 60.000 Euro dotierte Forschungspreis wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit finanziert. Die acht Preisträger sowie ihre deutschen Gastinstitutionen im Überblick:

Jorge José Casal (55), Professor an der Fakultät für Agrarwissenschaft der Universidad de Buenos Aires in Argentinien, gilt als einer der weltweit führenden Forscher auf seinem Arbeitsgebiet: Er beschäftigt sich mit dem lichtgesteuerten Wachstum verschiedener Pflanzen. Seine ökophysiologischen Arbeiten haben einen praktischen Nutzen für die Erhöhung des Ernteertrags in der Landwirtschaft, wo Nutzpflanzen um die begrenzte Ressource Licht konkurrieren. Casal wird in Deutschland mit Kollegen der Fakultät für Biologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg kooperieren.

Der Psychologe Erhabor S. Idemudia (48) aus Nigeria beschäftigt sich mit klinisch-psychologischen Problemen sogenannter vulnerabler Personengruppen wie Flüchtlingen, Gefängnisinsassen, HIV-Infizierten oder psychisch Kranken. Mit seinem interdisziplinären, interkulturellen und anwendungsorientierten Ansatz leistet er wichtige Beiträge zu Themen wie Traumatherapie oder Aids-Prävention. Idemudia ist Professor an der North West University in Mahikeng, Südafrika. In Bremen wird er an der Jacobs University und der Bremen International Graduate School of Social Sciences (BIGSSS) unter anderem mit der Anneliese Maier-Preisträgerin Michele J. Gelfand zusammenarbeiten.

Igor Komarov (50) trägt mit seiner Forschung wesentlich zur Weiterentwicklung der organischen Synthesechemie bei. Derzeit forscht der Ukrainer an der Universität Kiew zur Synthese nicht-natürlicher Aminosäuren und photoschaltbarer Cyclopeptide. Durch Lichtbestrahlung lässt sich die biologische Wirkung dieser Peptide aus- und anschalten – eine Eigenschaft, die beispielsweise bei der Entwicklung neuer Krebsmedikamente nützlich sein kann. Mithilfe des Georg Forster-Forschungspreises wird Komarov seine Zusammenarbeit mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ausbauen.

Die Molekularbiologin Francine Ntoumi (53) von der Universität Ngouabi in Brazzaville, Kongo, gilt als Pionierin der Infektionsforschung in Afrika. Die Parasitologin hat maßgeblich zur Bekämpfung von Malaria beigetragen und eine eigenständige afrikanische Malariaforschung etabliert. Für ihre wissenschaftlichen Leistungen sowie ihren Einsatz für die Verbesserung der Forschungsstrukturen in Afrika erhielt sie 2012 den African Union Award als beste Wissenschaftlerin. Mit dem Georg Forster-Forschungspreis wird sie die Kooperation mit dem Institut für Tropenmedizin der Eberhard Karls Universität Tübingen vertiefen.

Oğuz Okay (58) aus der Türkei forscht auf dem Gebiet der Polymerchemie. Charakteristisch für seine Arbeiten ist die Verbindung von Grundlagenforschung mit materialwissenschaftlichen und technologischen Anwendungen. So hat er zum Beispiel makroporöse Organogele entwickelt, die helfen, Ölverschmutzungen im Meer zu beseitigen. Okay, Professor für physikalische Chemie an der Istanbul Technical University, wird mit Fachkollegen am Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie (HZB) kooperieren.

Die Historikerin Scarlett O’Phelan Godoy (62) aus Peru hat das Bild der peruanischen Kolonialzeit nachhaltig geprägt. Vor allem hat sie die Rolle der indigenen Bevölkerung bei Aufständen gegen die Kolonialherren im 18. Jahrhundert herausgearbeitet. Darüber hinaus lieferte sie maßgebliche Arbeiten zum Unabhängigkeitsprozess im Peru des 19. Jahrhunderts. O’Phelan Godoy ist Professorin an der Pontificia Universidad Católica del Perú in Lima und wird den Georg Forster-Forschungspreis zur Kooperation mit Kollegen am Historischen Seminar der Universität Hamburg nutzen.

Der Brasilianer Paolo De Mattos Pimenta (60) gilt als Pionier in der computergestützten Mechanik und arbeitet sehr praxisorientiert. So führte er in seiner Heimat bei zahlreichen ingenieursspezifischen Projekten, wie etwa dem Bau des Brasilia National Stadium für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014, numerische Analysen durch. De Mattos Pimenta, der in Brasilien eine Professur an der Universidade de São Paulo innehat, soll am Institut für Mechanik der Universität Duisburg-Essen die langfristige Kooperation stärken.

Jadambaa Temuujin (46) aus der Mongolei ist international anerkannt für seine Forschungsarbeiten zu anorganischen Werkstoffen. Sein besonderes Interesse gilt der Herstellung von Geopolymeren aus Rohstoffen und Recyclingmaterialien, die grundlegend für die Entwicklung neuer, umweltfreundlicher Materialien sind. Jadambaa Temuujin forscht an der Mongolian Academy of Sciences und wird in Deutschland mit Fachkollegen vom Institut für Mineralogie der Leibniz Universität Hannover kooperieren.

Für die neue Ausschreibungsrunde nimmt die Humboldt-Stiftung bis 15. Januar 2015 Nominierungen für den Georg Forster-Forschungspreis entgegen. Das Georg Forster-Programm ist nach dem Naturforscher, Reiseschriftsteller und Journalisten Georg Forster (1754-1794) benannt, einem Freund Alexander von Humboldts.

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