21. November 2018

„Wir brauchen verlässliche und vertrauenswürdige Informationen statt Fake News und Extreme“

Stiftungspräsident Hans-Christian Pape beschreibt im Welt-Interview Herausforderungen der Wissenschaftskommunikation

Hans-Christan Pape (Foto: Humboldt-Stiftung/Mario Wezel)

In einem heute erschienenen Interview bezieht Hans-Christian Pape, Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung, gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“ Stellung zur Wissenschaftskommunikation in Zeiten von Fake News und Misstrauen gegenüber wissenschaftlichen Erkenntnissen. Dass die Gesellschaft Wissenschaft kritisch hinterfragt, sei richtig und wichtig, so Pape. Beispiele wie der von vielen Menschen geleugnete Klimawandel zeigten das Problem der Kommunikation in hermetischen Zirkeln, in denen man mit anderen Meinungen nicht mehr konfrontiert wird: „Wer in Informationsblasen lebt, wird von den validen Aussagen der Wissenschaft praktisch nicht mehr erreicht“.

Dabei sei die Öffentlichkeit durchaus an Wissenschaft interessiert. Doch hapere es bei der Vermittlung. „Um die Aufmerksamkeit der Menschen zu gewinnen, werden in aller Regel Extrembeispiele verwendet – positiver wie negativer Art. Das trägt allerdings nicht dazu bei, den Prozess wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns zu verstehen. Wir brauchen eine Plattform als vermittelnde Instanz zwischen der Wissenschaft und der Gesellschaft“, betonte Pape.

Dort sollten Ergebnisse verständlich dokumentiert und das System „Wissenschaft“ transparent vermittelt werden. „Dies wäre eine Recherchequelle für Journalisten, aber auch für die Öffentlichkeit. Keine Wissenschafts-PR, sondern verlässliche und vertrauenswürdige Informationen, die Stand und Wert der Wissenschaft abbilden – auch mit ihren Ungewissheiten. Denn wir liefern nicht nur Erfolgsmeldungen. Wissenschaft ist ein Erkenntnisprozess, zu dem auch Irrtümer und Widersprüche gehören. Das müssen wir transparent machen und der Öffentlichkeit zumuten“, sagte Pape.

Pape kritisierte auch Probleme, mit denen die Wissenschaft selbst zu Vertrauensverlust in ihre Arbeit beiträgt. „Die Geschwindigkeit, mit der wissenschaftliche Ergebnisse veröffentlicht werden, ist immer größer geworden. Zudem werden Forschungsergebnisse in immer kleineren Einheiten publiziert. Die Wissenschaftler tun das, weil die Zahl von Publikationen als ein Maßstab für Leistung dient und häufig der Karriere nützt. Da ist bisweilen Quantität wichtiger als Qualität. Leider gibt es einen fatalen Trend, die Leistung von Forschern zu sehr über Publikationskennzahlen zu erfassen, losgelöst vom Wert und Inhalt der eigentlichen Arbeit. Das müssen wir dringend korrigieren“, unterstrich Pape.

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