3. Februar 2015

Humboldtianerin kandidiert als Präsidentin in Nigeria

Sie ist die einzige Frau, die zur Präsidentschaftswahl in Nigeria am 28. März antritt: Die Humboldtianerin Remi Sonaiya kandidiert neben zehn männlichen Anwärtern für das Amt.

Nigeria habe nach wie vor eine patriarchale Gesellschaft, sagt die Professorin für Französische Literatur und Linguistik im Ruhestand, die als Stipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung mehrfach in Deutschland forschte. Derzeit sitzen im Senat des Landes nur sieben Frauen, unter den Gouverneuren der 36 Bundesstaaten findet sich keine einzige. Remi Sonaiya will diese Verhältnisse aufbrechen.

nigerianische Präsidentschaftskandidatin Remi Sonaiya
Remi Sonaiya beim Interview mit Agence France-Presse
vor einem Flüchtlingslager in Abuja
Foto: Ayodeji Fawole

Seit Nigerias Rückkehr zur Demokratie 1999 dominieren die großen, finanzstarken Parteien. Die Partei PDP des derzeitigen Präsidenten Goodluck Jonathan ist seither durchgehend an der Macht. Als Goodlucks aussichtsreichster Herausforderer gilt bei der anstehenden Wahl nun der Kandidat der größten Oppositionspartei APC, Muhammadu Buhari, der das Land zu Zeiten der Militärdiktatur bereits mitregierte. Politik sei in Nigeria in weiten Teilen ein „family business“, sagt Remi Sonaiya, geprägt von Rücksichtslosigkeit und Hinterzimmerabsprachen. Sie will auch diese Verhältnisse aufbrechen. Sonaiya kandidiert für die kleinere, erst 2009 gegründete Kowa-Partei, die sich einem „Neuen Nigeria“, sozialem Wohl und Modernismus verpflichtet hat. Es sei an der Zeit, dass ein gewöhnlicher Mensch antritt, sagt sie, „ein echter Repräsentant der Menschen“.

Ihre Erfahrungen als Gastwissenschaftlerin in Deutschland sind dabei wichtige Quellen ihrer „politischen Inspiration“, so die 59-Jährige. Seit den 1990er Jahren forschte sie mehrfach in Deutschland, unter anderem an der Universität Mainz. Als langjährige Vertrauenswissenschaftlerin der Humboldt-Stiftung in Nigeria und als Gründungsmitglied des deutsch-afrikanischen Forschernetzwerks AGNES setzt sich Sonaiya für den Wissenschaftsaustausch zwischen den Kontinenten ein. Für ihre politische Arbeit diene ihr Deutschland als „Vergleichspunkt auf der Suche nach Lösungen für unsere Probleme in Nigeria“, erklärt Sonaiya.

Das Land ist reich an Öl- und Gasvorkommen und verzeichnete zuletzt ein hohes einstelliges Wirtschaftswachstum. Dennoch lebt mehr als die Hälfte der über 150 Millionen Einwohner in extremer Armut. Analphabetismus ist weit verbreitet – gut jede zweite Frau und jeder dritte Mann sind betroffen. Im muslimisch geprägten Nordosten des Landes wütet seit Jahren die islamistische Terrorgruppe Boko Haram. Wegen der anhaltenden gewalttätigen Übergriffe der Gruppe wurde die ursprünglich für Februar geplante Präsidentschaftswahl kurzfristig auf Ende März verschoben. Bei Anschlägen und Angriffen von Boko Haram starben seit 2009 laut Schätzungen 15.000 Menschen.

Entsprechend stehen die Themen Innere Sicherheit, Bildungs- und Wirtschaftspolitik weit vorne in Remi Sonaiyas Wahlprogramm. Nigerias Wissenschaft möchte sie international konkurrenzfähig machen. Im Kampf gegen Boko Haram will sie die Lebensbedingungen verbessern, um weiteren Zulauf zu der Terrorgruppe zu verhindern. Daneben strebt sie die Kooperationen mit Nigerias Nachbarländern wie auch der internationalen Gemeinschaft an. „Uns ist allen klar, dass dieser Terrorismus ein globales Phänomen ist“, sagt sie.

Die Alexander von Humboldt-Stiftung

Jährlich ermöglicht die Humboldt-Stiftung über 2.000 Forschern aus aller Welt einen wissenschaftlichen Aufenthalt in Deutschland. Die Stiftung pflegt ein Netzwerk von weltweit mehr als 26.000 Humboldtianern aller Fachgebiete in über 140 Ländern – unter ihnen 51 Nobelpreisträger.

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