Nachgefragt

Hängen Vorurteile gegen Schwarze und Polizeigewalt zusammen, Herr Calanchini?

Von Kristina Vaillant

„Schwarzer bei Verkehrskontrolle in den USA von Polizisten erschossen“ – Meldungen wie diese sorgen weltweit immer wieder für Bestürzung. Dass Rassismus eine Ursache sein könnte, scheint nahezuliegen. Studien dazu fehlten aber bislang. Die jüngsten Forschungen des Sozialpsychologen Jimmy Calanchini liefern nun erste empirische Hinweise.

Jimmy Calanchini
Jimmy Calanchini (Foto: Humboldt-Stiftung / Jessica Alice Hath)

Gemeinsam mit Kollegen fand er heraus, dass das Risiko für Schwarze, von Polizisten getötet zu werden, in Gegenden, in denen rassistische Vorurteile vorherrschen, höher ist als anderswo. Weil es in den USA keine zuverlässigen offiziellen Statistiken zu Polizeigewalt gibt, nutzten die Forscher Daten der britischen Tageszeitung The Guardian. Die hatte ermittelt, wie viele Menschen in welchen Gegenden Opfer wurden und welcher Ethnie sie angehörten. Insgesamt starben 2015 demnach 1 146 Menschen durch Polizeigewalt. Den Zahlen stellten die Forscher Daten von mehr als zwei Millionen US-Amerikanern aus einer Online-Befragung zu unbewussten Vorurteilen gegenüber und fanden einen deutlichen statistischen Zusammenhang: Dort, wo die weiße Bevölkerung besonders starke stereotype Vorstellungen über Schwarze hat, starben überproportional viele Afroamerikaner durch Polizeigewalt. Das traf auch zu, wenn andere Faktoren wie die regionalen Kriminalitätsraten berücksichtigt wurden.

„Schossen die Polizisten, weil sie die Vorurteile der lokalen Bevölkerung teilen? Oder haben die Bewohner Vorurteile gegenüber Schwarzen, weil sie in den Medien über solche Vorfälle lesen? Beides ist möglich, weitere Forschung ist also noch nötig“, betont Calanchini. 

aus Humboldt Kosmos 108/2018