Nachgefragt

Kann Wasser eine Gesellschaft verändern, Frau Morgan?

Von Nadine Querfurth

In Kindheitserinnerungen sieht die australische Historikerin Ruth Morgan ihren Großvater frühmorgens den Rasen seines Gartens in einem Vorort von Perth wässern. Wohl wissend um das wertvolle Gut, das vor dem Morgengrauen nicht so schnell verdunstet, weil der Boden noch kühl ist. Dass Wasser ihr zentrales Forschungsthema werden würde, ahnte sie da noch nicht.

Ruth Morgan
Ruth Morgan (Foto: Humboldt-Stiftung / Hans Deumling)

„Wasser ist Leben, seine Verfügbarkeit ist aber auch ein Maß für den sozialen Status und Mittel zur sozialen Diskriminierung“, sagt Morgan, die sich auf Umweltgeschichte spezialisiert hat. Am Beispiel des westlichen Australiens beschreibt sie in ihrem Buch „Running Out? Water in Western Australia“ die Folgen des Klimawandels, den historischen Umgang mit der Ressource Wasser und den damit einhergehenden Gesellschaftswandel. 

Der Zugang wie auch der fehlende Zugang zu Wasser bergen das Potenzial für soziale Konflikte und verschärfen politische und gesellschaftliche Spaltung, erklärt Morgan. „Im späten 19. Jahrhundert etwa führte mangelnde körperliche Sauberkeit zu Diskriminierung und sozialem Ausschluss besonders der australischen Ureinwohner“, sagt sie. 

Aktuell ist es Morgans Ziel, Ansätze zu finden, wie Stadtplaner und -bewohner heute die Zukunft der Wasserversorgung gestalten können. Denn auch wenn die australische Regierung Wege gefunden hat, mit der Wasserknappheit umzugehen, mahnt sie: „Haushalte müssen ebenso wie Industriekonzerne wachsam bleiben und mit Wasser achtsam umgehen.“

aus Humboldt Kosmos 107/2017

Dr. Ruth Morgan forscht als Carl Friedrich von Siemens-Forschungsstipendiatin am Rachel Carson Center for Environment and Society an der Ludwig-Maximilians-Universität München.