Alexander von Humboldt-Professur – Die Preisträger 2015

Elisabeth Décultot

Literaturwissenschaften

Wie haben Gelehrte des 18. und 19. Jahrhunderts andere Gelehrte gelesen? Was haben sie darüber in Exzerptheften und Notizen niedergeschrieben? Und was findet sich davon wiederum in ihren eigenen Werken? Spuren wie diese verfolgt die französische Literaturwissenschaftlerin Elisabeth Décultot, um den Transfer von Wissen in der Kunsttheorie und Ästhetik der Aufklärung nachzuvollziehen. Mit Erfolg: Décultot zählt weltweit zu den profiliertesten Forschern zur Ästhetikgeschichte des 18. Jahrhunderts. Die Universität Halle-Wittenberg möchte mit ihr zur ersten Adresse für Aufklärungsforschung in Deutschland werden. Elisabeth Décultot soll den Fokus in Halle-Wittenberg auf den europäischen und globalen Kontext ausweiten.

Nominierende Universität: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

  • Elisabeth Décultot
    Foto: privat

    Prof. Dr. Elisabeth Décultot,
    geb.1968, ist seit 2005 als Directrice de Recherche Forschungsprofessorin am Centre national de la recherche scientifique in Paris (CNRS/EHESS-Centre Georg Simmel). Nach ihrem Germanistik-Studium folgten 1995 die Promotion an der École normale supérieure de Paris (ENS) und 2004 die Habilitation. Elisabeth Décultot forschte bereits in Deutschland, unter anderem als Humboldt-Stipendiatin in Köln und Berlin. Mit ihren Arbeiten, etwa zum Vorreiter der wissenschaftlichen Archäologie und Kunstgeschichte Johann Joachim Winckelmann, wirkt sie weit über ihre Disziplin hinaus: 2010 kuratierte sie eine Ausstellung im Pariser Louvre, wo sie seit 2011 dem wissenschaftlichen Beirat angehört.

Harald Andrés Helfgott

Reine Mathematik

Jede ungerade Zahl größer oder gleich 7 ist die Summe von drei Primzahlen, so lautet die Goldbachsche Vermutung. Sie beschäftigt die Mathematik seit dem 18. Jahrhundert. Nach einem Beweis, der sie eindeutig belegt oder widerlegt, wurde über 200 Jahre gefahndet – trotz vieler Ansätze vergeblich. Um ihre Richtigkeit zu beweisen, entwickelte der Peruaner Harald Andrés Helfgott 2013 einen Lösungsweg für die Schwache Goldbachsche Vermutung, auch mithilfe von Tests am Computer. Dies ist nicht der einzige Durchbruch in der Mathematik, an dem er beteiligt war. Helfgott leistete auch in der Gruppentheorie, der diophantischen Geometrie und der Zahlentheorie wesentliche Beiträge zur Lösung grundsätzlicher Probleme. An der Universität Göttingen soll er nun als Alexander von Humboldt-Professor den Forschungsschwerpunkt Algebraische Geometrie und Zahlentheorie verstärken – und Göttingen von einem international anerkannten zu einem weltweit führenden Standort auf diesem Gebiet ausbauen.

Nominierende Universität: Georg-August-Universität Göttingen

  • Harald Andrés Helfgott
    Foto: Kate Juschenko

    Prof. Dr. Harald Andrés Helfgott,
    1977 in Peru geboren, forscht seit 2010 am Centre national de la recherche scientifique (CNRS) in Paris. Dort ist er seit Oktober 2014 als Directeur de Recherche Forschungsprofessor. Nach seinem Studium an der Brandeis-University wurde er 2003 an der Princeton University, beide USA, promoviert. Danach setzte er seine Karriere als Postdoc an der Yale University, USA, und als Lecturer an der Université de Montréal, Kanada, fort. Nach einer Station an der University of Bristol in Großbritannien wechselte Helfgott 2010 nach Frankreich an das CNRS. Er ist daneben Mitglied der American Mathematical Society sowie der Société mathématique de France. In seinem Geburtsland Peru ist er Honorarprofessor an der Universidad Nacional Mayor de San Marcos.

Sharon Jeanette Macdonald

Ethnologie / Museumswissenschaft

Wie wird ausgewählt, welche Objekte und Artefakte einer Kultur oder Gesellschaft in Museen ausgestellt werden? Wie gehen Gesellschaften dabei mit ihrem eigenen, womöglich schwierigen kulturellen Erbe um? Fragen wie diese greift die international renommierte Ethnologin und Museumswissenschaftlerin Sharon Macdonald auf. Und verbindet sie stets mit gesellschaftlich relevanten Themen: Den Umgang mit der NS-Vergangenheit in Deutschland etwa erforschte sie am Beispiel des historischen Erbes Nürnbergs. Derzeit beschäftigt sie sich unter anderem mit der Frage, wie der Islam in Museen dargestellt und vermittelt wird. Daneben befasst sich die Britin auch mit der Museumstheorie, zu der sie zahlreiche Grundlagenwerke beigesteuert hat. Unter Macdonalds Leitung wollen die Humboldt-Universität, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und das Museum für Naturkunde in Berlin ein neues Zentrum für Kulturerbe- und Museumsforschung auf internationalem Spitzenniveau gründen. Als Alexander von Humboldt-Professorin soll sie in Berlin zudem die Weiterentwicklung konkreter Museumsprojekte wie das zukünftige Humboldt-Forum oder die Museumsinsel begleiten.

Nominierende Universität: Humboldt-Universität zu Berlin zusammen mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und dem Museum für Naturkunde, Berlin

  • Sharon Jeanette Macdonald
    Foto: Mike Beaney

    Prof. Dr. Sharon Jeanette Macdonald,
    1961 geboren, ist Professorin an der University of York, Großbritannien. Promotion 1987 an der University of Oxford, danach Stationen an der Brunel University London, und der Keele University bei Newcastle-under-Lyme, Großbritannien. 1996 wurde Macdonald Lecturer an der University of Sheffield, wo sie 2002 eine Professur für Kulturanthropologie erhielt. Von dort wechselte sie 2006 an die University of Manchester und 2012 schließlich an die University of York. Als Humboldt-Forschungsstipendiatin hielt sich Macdonald zwischen 2000 und 2007 mehrmals in Deutschland an der Universität Erlangen-Nürnberg und der Humboldt-Universität Berlin auf. In China war sie 2011 Gastprofessorin an der Peking University. Macdonald ist Mitglied verschiedenster Fachverbände, darunter das Royal Anthropological Institute, und sitzt im redaktionellen Beirat von Fachzeitschriften wie dem International Journal of Heritage Studies.

Karen Radner

Altertumswissenschaften

Die Altorientalistin Karen Radner forscht mit Blick aufs große Ganze. Sie zählt zu den weltweit führenden Expertinnen für die Geschichte Mesopotamiens zur Zeit des neuassyrischen Reichs (9. bis 7. Jahrhundert vor Christus), das als das erste Großreich der Weltgeschichte gilt. Die Keilschriftforscherin befasst sich insbesondere mit den schriftlichen Überlieferungen dieser Epoche und nutzt sie zur Rekonstruktion der Zeit- und Sozialgeschichte. Radner hat zahlreiche Ersteditionen bislang unbekannter Keilschriften vorgelegt. Dabei widmet sich die Österreicherin auch bislang wenig beachteten Quellen wie Alltagsüberlieferungen. Auch bei der Publikation ihrer Arbeiten geht sie ungewohnte Wege: Radner gilt als Anhängerin der Digital Humanities, der digitalen Geisteswissenschaften. Ihre Arbeiten und Editionen macht sie zum Teil im Internet öffentlich zugänglich. Als Alexander von Humboldt-Professorin soll sie die Altertumswissenschaften an der Universität München verstärkt auf eine antike Weltgeschichte ausrichten.

Nominierende Universität: Ludwig-Maximilians-Universität München

  • Karen Radner
    Foto: University College
    London

    Prof. Dr. Karen Radner,
    1972 in Österreich geboren, ist derzeit Professorin am University College London in Großbritannien. Sie studierte in Österreich an der Universität Wien sowie an der Freien Universität Berlin in Deutschland und wurde 1997 in Wien promoviert. Danach wechselte sie nach Finnland an die Universität Helsinki. Nach Stationen an verschiedenen Universitäten in Deutschland und Österreich ging sie ans University College London, wo sie 2005 als Lecturer begann und seit 2010 Professorin ist. Daneben hat Radner hat an zahlreichen Grabungs- und Forschungsprojekten in Griechenland, Syrien, im Irak und in der Türkei teilgenommen. Radner ist zudem im redaktionellen Beirat zahlreicher Fachzeitschriften, darunter das Journal of Near Eastern History.

Marja Timmermans

Pflanzengenetik

Wie bilden sich die Muster eines Blattes? Woher kommen die Unterschiede zwischen Ober- und Unterseite? Die Entwicklung des Blattes ist das Spezialgebiet der Pflanzengenetikerin Marja Timmermans. Sie steht für gleich mehrere international beachtete Entdeckungen, ihre Methoden werden in Laboren weltweit angewendet. Timmermans gelang es etwa, den Blattbildungsmechanismus und die Rolle mobiler RNA-Moleküle dabei zu erklären. Eine Humboldt-Professur für Timmermans am Zentrum für Molekulare Pflanzenbiologie (ZMBP) soll für die Universität Tübingen der Brückenschlag an der Schnittstelle von Grundlagen- zur angewandten Forschung sein. Zudem will man in Tübingen das Profil von Modellorganismen wie Moos auf die Nutzpflanze Mais erweitern, mit der Timmermans forscht.

Nominierende Universität: Eberhard Karls Universität Tübingen

  • Marja Timmermans
    Foto: privat

    Prof. Dr. Marja Timmermans,
    geb. 1964, ist seit 2009 Full Professor am Cold Spring Harbor Laboratory, Cold Spring Harbor, USA. Dort ist sie seit 1998 tätig und schaffte schnell den Aufstieg: Timmermans erhielt schon 2001 den Ruf zum Assistant Professor. In den USA forscht sie bereits seit dem Ende ihres Studiums in den Niederlanden, mit Stationen an der Rutgers University, New Brunswick, und der Yale University, New Haven. Timmermans ist daneben im redaktionellen Beirat mehrerer Fachzeitschriften und in Auswahlausschüssen von Organisationen wie dem National Science Foundation (NSF) oder dem Human Frontiers Science Program (HFSPO) vertreten.

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