Dossier Philipp Schwartz-Initiative

In ihrer Heimat herrscht Krieg, ihre Forschungsfreiheit wird eingeschränkt oder sie werden verfolgt: In vielen Teilen der Welt sind Wissenschaftler gefährdet. Die Philipp Schwartz-Initiative hilft geflohenen Forschern, an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen Fuß zu fassen.
 

Nedal Said aus Syrien (zweiter von links) und die türkische Translationswissenschaftlerin Meral Camci (zweite von rechts)
Zwei der ersten Stipendiaten, die im Sommer 2016 gemeinsam mit deutschen Kollegen forschten: Nedal Said aus Syrien (zweiter von links) am UFZ Leipzig, die türkische Translationswissenschaftlerin Meral Camci (zweite von rechts) an der Universität Mainz (Fotos: Humboldt-Stiftung/Nikolaus Brade/Alexander Paul Englert).

Endlich sicher

Der syrische Mikrobiologe Nedal Said gehörte zu den ersten Stipendiaten der Philipp Schwartz-Initiative. Er ist über die Türkei nach Deutschland geflohen und hat im Sommer 2016 sein Stipendium am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig begonnen. „Ich arbeite in der Wissenschaft, die Kollegen unterstützen mich, und meine Familie ist endlich bei mir – ich bin wieder ein ganzer Mensch“, sagte er. Auch die Translationswissenschaftlerin Meral Camci aus Istanbul war eine der ersten Philipp Schwartz-Stipendiatinnen. Sie wurde in der Türkei massiv unter Druck gesetzt, ihre Stelle als Professorin wurde gekündigt, für einige Wochen kam sie sogar in Haft. In Deutschland forschte sie an der Universität Mainz.

Hoffnung für 198 Wissenschaftler

Insgesamt wurden im Zuge der Initiative 198 gefährdeten Forscherinnen und Forschern Philipp Schwartz-Stipendien zugesprochen. Bislang haben davon 160 Wissenschaftler (Stand August 2019) ihre Förderung in Deutschland angetreten. Die Initiative vergibt Fördermittel an deutsche Hochschulen und Forschungseinrichtungen, mit denen diese ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zwei Jahre lang finanzieren können. Die Humboldt-Stiftung hat das Programm gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt ins Leben gerufen. Hochschulen, die eine Förderung durch die Philipp Schwartz-Initiative beantragen, müssen unter anderem ein Konzept zum Umgang mit gefährdeten Forschern und ihrer wissenschaftlichen Einbindung vorlegen.

Eine Bereicherung für deutsche Hochschulen

„Wir wollen ein Zeichen für die Weltoffenheit der deutschen Wissenschaft setzen“, betont der Präsident der Humboldt-Stiftung Hans-Christian Pape. „Wir helfen Menschen, die unser Wissenschaftssystem bereichern können und zugleich in ihrer Heimat dringend gebraucht werden, wenn es dort eines hoffentlich nicht allzu fernen Tages an den Wiederaufbau geht.“

Nachdem im Sommer 2016 insgesamt 24 Forscher eine Förderung erhielten, konnte die Zahl der Geförderten in der zweiten Runde der Initiative auf 44 und in der dritten Runde auf 56 erhöht werden. Im Sommer 2018 wurden in der vierten Auswahlrunde 31 Hochschulen ausgewählt, um 35 weitere Philipp Schwartz-Stipendiaten bei sich aufzunehmen. Gegenüber der ersten Ausschreibung haben sich auch die Herkunftsländer der Stipendiaten verändert: Während in der ersten Auswahlrunde die meisten Stipendiaten zunächst aus Syrien kamen, stammen die meisten der Stipendiaten seither aus der Türkei.

Netzwerke für gefährdete Forscher

Neben der Förderung von Personen ist es ein weiteres Ziel der Initiative, eine Plattform für den Austausch zur Situation gefährdeter Forscher zu organisieren. Dabei arbeitet die Humboldt-Stiftung mit internationalen Partnerorganisationen wie dem Scholars at Risk Network, dem Scholar Rescue Fund und dem Council for At-Risk Academics zusammen. Bis März 2022 übernimmt die Alexander von Humboldt-Stiftung auch das Sekretariat der 2016 gegründeten deutschen Sektion des Scholars at Risk Network.

Philipp Schwartz
Die Philipp Schwartz-Initiative ist nach dem Pathologen jüdischen Glaubens Philipp Schwartz benannt, der selbst 1933 vor den Nazis aus Deutschland fliehen musste und die „Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland“ gründete (Foto: Archiv G. Kreft).

Kontakt

Pressereferat
Tel.: +49 228 833-144
Fax: +49 228 833-441
presse(at)avh.de

Georg Scholl
Leiter
Presse, Kommunikation und Marketing 
Tel.: +49 228 833-258
Fax: +49 228 833-441
presse(at)avh.de