Humboldt-Alumni-Preis für innovative Netzwerkinitiativen 2019

Zum elften Mal zeichnet die Alexander von Humboldt-Stiftung innovative Netzwerkideen von Humboldtianerinnen und Humboldtianern im Ausland aus. Prämiert werden Vorhaben, bei denen sich Humboldt-Alumni für die akademischen und kulturellen Verbindungen zwischen Deutschland und ihren Heimatländern engagieren und welche die Zusammenarbeit in den jeweiligen Regionen stärken. Der Preis ist mit einem Förderbetrag von bis zu 25.000 Euro dotiert. Ein Humboldt-Alumni-Preis ist zur Förderung von Initiativen zur Vernetzung von Wissen-schaftlerinnen bestimmt, mit dem Initiativen prämiert werden, die die Karrierewege von Wissenschaftlerinnen und ihrer Kooperationspartner unter Berücksichtigung beruflicher und familiärer Verpflichtungen fördern und langfristig stärken. Anlässlich des 250. Geburtstags ihres Namenspatrons in 2019 zeichnet die Alexander von Humboldt-Stiftung zudem zwei weitere Netzwerkinitiativen aus. Prämiert werden Vorhaben, die sich der aktuellen Relevanz Alexander von Humboldts widmen und die sich im Geiste des großen Universalgelehrten für nachhaltige akademische und kulturelle Verbindungen zwischen Deutschland und dem Aufenthaltsland der Humboldt-Alumni engagieren und die Netzwerke in den jeweiligen Ländern und Regionen in besonderer Weise fördern.

In diesem Jahr werden Initiativen von Humboldtianerinnen und Humboldtianern aus Kuba, Japan, der Russischen Föderation, Südafrika und den USA ausgezeichnet.

 

Hiroki Harada
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Japanische und deutsche Rechtswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler pflegen traditionell einen intensiven Austausch. Bereits in einer frühen akademischen Qualifikationsphase wird das Interesse füreinander geweckt. Hiroki Harada setzt sich mit der Netzwerkinitiative Ein Rückgrat für die japanisch-deutsche Kommunikation im öffentlichen Recht dafür ein, das Rechtsverständnis über Deutschland im Bereich des Öffentlichen Rechts in Japan langfristig zu stärken. Erfahrene Forschende stellen deutsch-japanische Begegnungs- und Lernformate bereit, um dem akademischen Nachwuchs im Netzwerk Wissen und Kommunikationsfähigkeiten über die Grundstrukturen des Rechts zu vermitteln. Die Beteiligten vernetzen sich bei Besuchen, auf Doktorandenseminaren und auf Workshops in Japan und Deutschland. Sie vitalisieren so den gesellschaftlich wichtigen, bilateralen Austausch über das angemessene Verhältnis von Staat und Bürger.

Humboldt-Forschungsstipendiat Hiroki Harada ist Professor an der Juristischen Fakultät der Universität Kyoto, Japan.

 

Roger Ianjamasimanana
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Eines der größten Radioteleskope der Welt, das Square Kilometer Array wird heute in einem internationalen Forschungsverbund auf der südlichen Halbkugel gebaut. Madagaskar ist eines der afrikanischen Partnerländer und verfolgt ein großes Interesse an der wissenschaftlichen Beteiligung. Die universitäre Ausbildung im Bereich Astronomie ist im Land jedoch nicht stark ausgeprägt. Hier setzt Roger Ianjamasimanana an und engagiert sich mit den Madagascar-South Africa-Germany Network Initiatives: Mentoring and Teaching of Future & Emerging Young Researchers für die Verbesserung der wissenschaftlichen Ausbildung in Madagaskar. Zusammen mit deutschen, südafrikanischen und madagassischen Forschenden berät und ermutigt Ianjamasimanana Schüler und junge Wissenschaftler zu einer naturwissenschaftlich-technischen Laufbahn. Renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler übernehmen Mentorschaften für jüngere Forschende und coachen sie in der Karriereplanung.

Der Georg Forster-Forschungsstipendiat Roger Ianjamasimanana ist als Postdoktorand am Department of Physics and Electronics der Rhodes University, Grahamstown, Südafrika, tätig.

 

Rayner Núñez
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Der im Osten Kubas gelegene Nationalpark „Alexander von Humboldt“ ist das größte und besterhaltene Residuum eines Gebirgs-Ökosystems in der Karibik. Schon im Jahr 1804 erkannte Alexander von Humboldt auf seiner Reise durch das Land, dass dieser Biodiversitäts-Hot Spot vom Verlust seiner Artenvielfalt bedroht ist. Rayner Núñez verpflichtet sich mit seiner Netzwerkinitiative der Pflege und dem Erhalt der heutigen UNESCO-Weltkulturerbe-Stätte. Das Vorhaben Cuba revisited – Alexander von Humboldt National Park: A network for Caribbean biodiversity research and conservation versammelt kubanische und internationale Forschende, akademischen Nachwuchs, NGO-Mitarbeiter, Freiwillige und Studierende, die sich für die Vielfalt und den Erhalt der im Nationalpark beheimateten Tier- und Pflanzenarten engagieren. Auf dem Alumniportal Deutschland werden Ergebnisse der Kooperation anderen Forschenden und Naturschützern zugänglich gemacht.

Der Georg Forster-Stipendiat Rayner Núñez ist derzeit für die Planta! – Plantlife Conservation Society in Havanna, Kuba, tätig.

 

Christa Rautenbach
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Wie können Frauen von traditionellen Herrschaftsformen und Institutionen geprägte Gesellschaften mitgestalten und gleichberechtigt für Fühungsaufgaben berücksichtigt werden, die gemeinhin für ältere männliche Mitglieder der royalen Familien vorgesehen sind? Zu diesen und weiteren Fragen ruft Christa Rautenbach das Traditional Governance and Women Network ins Leben, das aus Wissenschaftlerinnen aus Deutschland, Südafrika, Sambia und den Niederlanden besteht. Die Mitglieder vernetzen sich in Rundgesprächen, die in den Herkunftsländern der Beteiligten stattfinden und auf denen das Spannungsfeld von traditionellen Regierungsformen und Gender-Fragen näher beleuchtet wird. Ziel der Netzwerkinitiative ist der Aufbau von nachhaltigen, interdisziplinären, transkontinentalen Forschungskooperationen. Die erfahrenen Netzwerkmitglieder werden zudem Informationen über internationale Kooperationsmöglichkeiten an Nachwuchswissenschaftlerinnen aus den Fachbereichen Jura, Sozialwissenschaften, Anthropologie und Politikwissenschaften vermitteln.

Die Georg Forster-Forschungsstipendiatin Christa Rautenbach ist Professorin an der Juristischen Fakultät der North-West University in Potchefstroom, Südafrika.

 

Alexandra Yurkovskaya
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Wie begeistert man den akademischen Nachwuchs für die Forschung an Innovationen auf unentdeckten Anwendungsfeldern und entwickelt Technologien so weiter, dass sie neuen Nutzen entfalten? Alexandra Yurkovskaya stellt sich dieser Herausforderung. In dem von ihr initiierten Netzwerk Emerging spin technologies arbeiten erfahrene Forscherpersönlichkeiten mit jüngeren akademischen Generationen zusammen, um wissenschaftliche Durchbrüche in den chemischen, physikalischen und technischen Anwendungsbereichen der Spin-Technologie zu fördern. Im Rahmen der Netzwerk-Initiative sind mehrere Satellitenveranstaltungen am Rande von Konferenzen, Workshops und wissenschaftlichen Lehrveranstaltungen in Deutschland, Russland und Japan geplant. Auf einer Website werden die gewonnenen Erkenntnisse publik gemacht.

Die Humboldt-Forschungsstipendiatin Alexandra Yurkovskaya ist Leiterin des Forschungslabors am International Tomography Center der sibirischen Außenstelle der Russischen Akademie der Wissenschaften in Novosibirsk, Russische Föderation.

 

Abdullahi Yusuf
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Noch nie waren so viele Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht wie heute. Abdullahi Yusuf will auf den Zustand und die Veränderungen von Insektenpopulationen aufmerksam machen und ruft mit der Initiative Behavioral and Ecological Principles of Biotic Interactions in Insects ein Netzwerk ins Leben, das Erkenntnisse über die Biodiversität und den allgemeinen Zustand von Ökosystemen in Zeiten des Klimawandels gewinnt. Forscherpersönlichkeiten aus Deutschland, Südafrika, Tansania, Uganda, Kenia und Nigeria arbeiten zusammen mit Studierenden im Rahmen von Veranstaltungen und virtuellen Workshops. Darüber hinaus ist eine Anbindung des Netzwerks an weitere einschlägige Forschungsgemeinschaften beabsichtigt, etwa die African Association of Insect Scientists und die Entomological Society of Southern Africa.

Der Georg Forster-Forschungsstipendiat Abdullahi Yusuf lehrt am Department of Zoology and Entomology der University of Pretoria, Südafrika.

 

Kathrin Zippel
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Hochschulen und Forschungseinrichtungen ziehen ihre Innovationskraft aus dem Engagement aller Beteiligten. Kathrin Zippel engagiert sich mit ihrer Netzwerkinitiative für Geschlechtergerechtigkeit unter Führungskräften im Hochschulmanagement. Mit ihrer Initiative Diffusion of promising practices: Global Links to promote Gender Equality in University Leadership verzahnt Kathrin Zippel ein Netzwerk von Humboldt-Alumni und deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit dem Forschungskonsortium Women in Higher Education Management Network. Anschließend an internationale Gender-Konferenzen in den Niederlanden, Großbritannien, Spanien, Österreich und Australien finden Treffen statt, auf denen die Netzwerkmitglieder den wissenschaftlichen Diskurs strategisch stärken.

Die Humboldt-Forschungsstipendiatin Kathrin Zippel ist Professorin am Department of Sociology and Anthropology der Northeastern University in Boston, USA.