Deutschland im Blick
Das Mathematik-Ranking der Humboldt-Stiftung
Wer eine Rangliste der besten Forschungseinrichtungen für Mathematik in Deutschland aufstellen will, steht vor einer schwierigen Frage: Welche Indikatoren sind geeignet, die wissenschaftliche Qualität und die Attraktivität eines Standortes verlässlich und vergleichbar zu messen?
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Bewilligungen und
Ablehnungen von
Forschungsstipendien und
-preisen im Fachbereich
Mathematik in den
Zeiträumen 1988–1997
und 1998–2007.
Grafik: Humboldt-Stiftung |
Rankings gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Die Zahl der verschiedenen Indikatoren steht dem wenig nach. Bewertet werden beispielsweise der Ausstoß an Publikationen und die Menge der Zitierungen oder die Höhe der eingeworbenen Drittmittel. Es wird die Reputation eines Wissenschaftlers unter Kollegen erhoben oder die Zufriedenheit der Studenten mit ihren Professoren erfragt. Darüber, wie attraktiv deutsche Forschungseinrichtungen im internationalen Wettbewerb sind, wird damit nur wenig gesagt. Die Anzahl der ausländischen Gastwissenschaftler an Instituten in Deutschland spielt in den öffentlich meistbeachteten Rankings in Publikumszeitschrift en, aber auch in vielen anderen Erhebungen keine oder immer noch eine untergeordnete Rolle.
Eine Übersicht, die als einzigen Indikator die Standortentscheidungen ausländischer Mathematiker für Forschungseinrichtungen in Deutschland nimmt, hilft, die Lücke zu füllen. Die Stipendiaten und Preisträger der Humboldt-Stiftung entscheiden eigenständig, welche deutschen Gastgeber und Gastinstitute für ihre Forschung die attraktivsten Bedingungen bieten, und liefern so Indizien für die internationale Strahlkraft der deutschen Mathematik.
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Spitzenreiter von
1998 bis 2007 - Angewandte
Mathematik.
Grafik: Humboldt-Stiftung |
In den Jahren 1998 bis 2007 gab es insgesamt 503 Forschungsaufenthalte von Humboldtianern mit dem Fachgebiet Mathematik in Deutschland. Davon entfielen 317 Aufenthalte auf die Reine Mathematik und 186 Aufenthalte auf die Angewandte Mathematik. Ein Hinweis darauf, dass die Grundlagenforschung in Deutschland bekannter ist als die Anwendung? Auch wenn die Grenzen zwischen beiden Bereichen zunehmend verschwimmen, zeigen sich doch die Spezialisierungen gerade kleinerer Einrichtungen vor allem auf die Anwendung, während große Universitäten wie die Berliner Humboldt-Universität oder die Universität Bonn auf beiden Feldern ganz oder mit an der Spitze stehen. In der Reinen Mathematik liegt in einem Feld von insgesamt 64 Gastgebereinrichtungen die Universität Bielefeld mit 31 Aufenthalten an erster Stelle, gefolgt von der Universität Bonn (16) sowie der Humboldt- und der Technischen Universität Berlin (je 14).
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Spitzenreiter von
1998 bis 2007 - Reine
Mathematik.
Grafik: Humboldt-Stiftung |
In der Angewandten Mathematik verteilen sich die Humboldtianer im Zeitraum von 1998 bis 2007 auf insgesamt 60 Einrichtungen. An der Spitze liegt mit 15 Aufenthalten die Humboldt- Universität. Es folgen die Technische Universität München und die Universitäten Bonn und Stuttgart mit je 11 Aufenthalten. Bei der Nachfrage führen in den letzten zehn Jahren Mathematiker aus China mit 128 Bewerbungen oder Nominierungen vor Russland (105), den Vereinigen Staaten (102), Indien (37), Frankreich (31), der Ukraine (30) und Polen (24). Am erfolgreichsten sind die Mathematiker aus den USA mit 73 Bewilligungen und einer Erfolgsquote von 72%.
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