Humboldtianer im Fokus
Spurensuche auf dem Mars
Interview mit Dirk Schulze-Makuch
Der Astrobiologe Dirk Schulze-Makuch ist überzeugt, dass wir nicht allein sind im Universum. Ein Gespräch über Leben auf dem Mars und intelligente Aliens.
 |
Die US-amerikanische Raumsonde
Opportunity machte diese Aufnah-
me der eigenen Spuren auf dem
Mars. Opportunity sollte den Mars
geologisch erforschen und fand
zum ersten Mal Hinweise auf
Wasser auf dem Roten Planeten.
Foto: NASA/JPL-Caltech/Cornell
University |
Kosmos: Herr Schulze-Makuch, wie wird man eigentlich Astrobiologe?
Dirk Schulze-Makuch: Eigentlich bin ich Geowissenschaftler. Ursprünglich erforschte ich Mikroben, die unter lebensfeindlichen Bedingungen existieren und beispielsweise bei der Bekämpfung von Ölverschmutzungen helfen können. Dann kam ein Kontakt zur NASA zustande, die sich dafür interessierte, Mikroben zu entdecken, die ebenfalls in einem schwierigen Umfeld leben, nämlich auf dem Mars. So begann ich immer mehr, auf dem Feld der Biologie zu forschen. Weil ich aber kein Biologe von Haus aus bin, denke ich, bin ich viel offener für Ideen, wie Leben anders aufgebaut sein könnte, als wir es kennen und erwarten. Es ist faszinierend sich vorzustellen, was wir von fremdem Leben lernen könnten.
Kosmos: Beispielsweise?
Dirk Schulze-Makuch: Wenn wir tatsächlich mehrzelliges Leben auf irgendeinem Planeten entdecken würden, könnten wir etwa fragen: Gibt es dort auch Krebs? Wie hat dieses Leben dieses Problem oder andere Aufgaben gelöst? Das könnte für die Medizin, für die Materialwissenschaft und viele andere Gebiete unheimlich hilfreich sein.
Kosmos: Wie wahrscheinlich ist es, dass wir Leben auf dem Mars finden?
Dirk Schulze-Makuch: Ich halte es für sehr wahrscheinlich angesichts der vielen Indizien. Beispielsweise haben wir in einem Marsmeteoriten, der 1984 in der Antarktis entdeckt wurde, Magnetitpartikel gefunden. Das sind typische Spuren von magnetotaktischen Bakterien, wie wir sie auf der Erde haben. Und wir wissen von keinem anorganischen Prozess, der die Entstehung solcher Partikel erklären könnte. Wir haben Methan nachweisen können, das auf der Erde meist biologischen Ursprungs ist, und wir wissen, dass es sehr viel Wasser auf dem frühen Mars gab. Wir haben eine Neuinterpretation der Ergebnisse der Viking Life Detection- Experimente aus den 1970er-Jahren. Wenn man das alles zusammennimmt, wäre es schon sehr seltsam, wenn es auf dem Mars kein Leben gäbe. Es ist sogar möglich, dass das Leben auf beiden Planeten miteinander verwandt ist und dass das Leben von der Erde zum Mars gelangt ist oder umgekehrt.
 |
Blick auf den Mars: Astrobiologe
Dirk Schulze-Makuch hält es für
wahrscheinlich, dass sich irgendwo
in unserer Galaxie auch außerhalb
der Erde Leben entwickelt hat.
Foto: privat |
Kosmos: Wie könnte das geschehen sein?
Dirk Schulze-Makuch: Beispielsweise durch die Reise in einem Meteoriten. Mikroben könnten das durchaus überleben, wie wir aus Tests wissen. Wir haben zum Beispiel Mikroben auf das Space Shuttle und Satelliten aufgebracht, und sie haben den Ausflug ins All überstanden.
Kosmos: Das sind Möglichkeiten und Indizien. Was müsste passieren, um Leben wirklich zu finden und nachzuweisen?
Dirk Schulze-Makuch: Nun, viele würden es erst als Beweis ansehen, wenn sie eine Probe vom Mars unterm Mikroskop anschauen und die Mikroben ihnen zurückwinken (lacht). Und selbst dann würde man sich fragen können, ob es sich nicht um Kontaminationen von der Erde handelt. Ich aber meine, es ist nur eine Frage, wie viel wir in die Suche investieren. Wenn wir jetzt eine Mission durchführten wie seinerzeit mit den Viking-Sonden, aber mit unserem heutigen Wissen und der aktuellen Technik, und sie an geeigneten Orten absetzten, also etwa wo es Methan oder Wasser gibt, würden wir wahrscheinlich Leben finden.
Kosmos: Auch Mehrzeller oder gar intelligentes Leben?
Dirk Schulze-Makuch: Auf dem Mars wohl eher nicht. Aber die Milliarden von Sonnen und Planeten allein in unserer Galaxie machen es unwahrscheinlich, dass nirgendwo Leben entstanden ist und sich weiterentwickelt hat. Nur müssen dafür viele Bedingungen zusammenkommen. Auch auf der Erde hat es vier Milliarden Jahre gedauert, bis sich intelligentes Leben entwickelt hat. Mikrobielles Leben ist immer der Anfang. Doch der Schritt zum mehrzelligen Leben ist dann wieder schwierig und von da zum intelligenten Leben erst recht. Ein soziales Wesen, das komplexe Technik einsetzt wie der Mensch, wird es nur selten geben. Aber dass es das gar nicht gibt? Das wäre seltsam und würde mehr Fragen aufwerfen als alles andere.
Kosmos: Unter den fünf Büchern, die Sie zum Thema publiziert haben, ist auch ein Roman, „Voids of Eternity: Alien Encounter“. Wie kam es dazu, dass Sie unter die Science- Fiction-Autoren gingen?
Dirk Schulze-Makuch: Mich hat es einfach gereizt, meine Fantasie einmal ein bisschen laufen zu lassen und meine Ideen als Roman rauszubringen und nicht als wissenschaftliche Veröffentlichung. Was an Wissenschaft darin ist, musste ich natürlich auf ein leicht verständliches Niveau bringen und schließlich alles in eine Abenteuergeschichte einbetten. So ein wenig wie Jules Verne, der mich schon als Kind und Jugendlicher fasziniert hat.
Kosmos: Im Roman gibt es gleich mehrere Arten von Aliens ...
Dirk Schulze-Makuch: Ja, es gibt beispielsweise mikrobenartige Wesen auf dem Titan, die groß sind wie Steine und sich sehr langsam bewegen, weil es dort sehr kalt ist. Und dann gibt es eine intelligente Spezies, eine Metaintelligenz, so ähnlich wie Termiten, nur viel größer. Wesen also, die ein Sozialgefüge haben. Es ist wie bei den Staaten bildenden Insekten auf der Erde: Das einzelne Insekt ist ziemlich dumm, doch die Masse ist intelligent. Das ist ein sehr erfolgreiches Modell, das sich auf unserem Planeten zwar nicht so fortentwickelt hat wie der Mensch, aber es wäre denkbar, dass eine solche Intelligenz sich woanders durchaus fortentwickelt hat und Technologien benutzt – sogar mehr noch als der Mensch.
Kosmos: In Ihrem Buch kommt es zum Konflikt zwischen dieser Spezies und den Menschen ...
Dirk Schulze-Makuch: Genau, und dahinter steckt die Frage, wie man eigentlich den ersten Kontakt mit einer fremden intelligenten Spezies hinbekommt, ohne dass wie in meinem Roman folgenreiche Missverständnisse entstehen. Man muss sich nur einmal überlegen, welche Schwierigkeiten wir schon auf der Erde haben, mit anderen intelligenten Arten zu kommunizieren, beispielsweise mit Tintenfischen. Das funktioniert nicht, weil sie so anders sind. Dabei sind sie entfernt mit uns verwandt. Wir können ja manchmal nicht einmal die Schriftzeichen alter menschlicher Kulturen verstehen! Was aber macht man, wenn man wirklich eine Alien-Spezies entdeckt? Diese könnte ganz anders denken als wir. Das ist viel schwieriger, als es sich manche vorstellen.
Kosmos: Leidet eigentlich die Reputation als Wissenschaftler, wenn man auf einmal als Science-Fiction-Autor in Erscheinung tritt?
Dirk Schulze-Makuch: Ehrlich gesagt zerbreche ich mir darüber nicht den Kopf. Auch meine wissenschaftlichen Bücher sind teilweise ganz allgemein verständlich gehalten, weil es um interdisziplinäre Themen geht. Und diese Veröffentlichungen sind ganz gut angesehen. In meinem Fall zeigt der Roman vielleicht einfach Kreativität und schadet nicht. Die Astrobiologen unter meinen Kollegen sind eben aufgeschlossener. Vielleicht ist das eine Berufskrankheit (lacht).
Beitrag kommentieren
Wenn Sie Humboldtianer sind und sich eingeloggt haben, können Sie diesen Beitrag oder die Kommentare andere Humboldtianer kommentieren. (Bitte lesen Sie zunächst den Kommentarleitfaden)
Kommentarleitfaden
Humboldtianer haben nach dem Login die Möglichkeit, sich mit den Beiträgen des Humboldt Kosmos auseinanderzusetzen und eigene Kommentare von bis zu 1.000 Zeichen Länge in deutscher und englischer Sprache zu veröffentlichen. Im Falle der Veröffentlichung erscheint Ihr Kommentar unter Ihrem Namen.
Jeder Kommentar wird von der Redaktion geprüft und schnellstmöglich veröffentlicht, es sei denn es bestehen hiergegen rechtliche oder inhaltliche Bedenken. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nötigenfalls zu kürzen und zu bearbeiten. Bitte bedenken Sie, dass veröffentlichte Kommentare von jedermann im Internet eingesehen und von Suchmaschinen aufgefunden werden können.