Gesichter aus der Stiftung

Trost und Rat für Bewerber

Von Michaela Kreilos, aufgezeichnet von Georg Scholl

Wer macht eigentlich was in der Stiftung und sorgt hinter den Kulissen dafür, dass alles läuft? Auf dieser Seite stellen wir Kolleginnen und Kollegen vor, ihre Aufgaben, ihre Erfahrungen und was sie tun, wenn sie gerade nicht arbeiten. Diesmal: Michaela Kreilos.

Michaela Kreilos
Michaela Kreilos (Foto: Michael Jordan)

Wer hört, dass ich in der Auswahlabteilung arbeite, und dabei an Berge von Akten denkt, liegt nicht ganz falsch. Denn tatsächlich laufen über unsere Schreibtische jedes Jahr mehrere Tausend Bewerbungen, jede davon prall gefüllt mit Gutachten, Forschungsplänen und Literaturlisten. Ganz wichtig finde ich es da, bei all dem Papier nicht den Menschen zu vergessen, der hinter jedem Antrag steht. Neulich rief mich die Mutter eines abgelehnten Bewerbers an. Sie war in Tränen aufgelöst und ich musste sie erst einmal trösten. Am meisten aber habe ich mit den Gastgebern unserer Humboldtianer in spe zu tun. Die rufen mich oft an und möchten Tipps zum Antrag ihres Kandidaten. Bei unseren Gutachtern bin meist ich diejenige, die anruft, um höflich, aber hartnäckig zu fragen, wann wir mit der zugesagten Beurteilung rechnen dürfen, denn ohne ausreichende Gutachten kann die Bewerbung nicht weitergehen. Ganz nette schicken mir manchmal ihre Gutachten sogar aus dem Urlaub. Über die Jahre ist es immer schwieriger geworden, Gutachter zu finden. Die Leute haben einfach immer mehr zu tun. Wenn das Forschungsgebiet klein ist und das Thema speziell, sind viele auch befangen, etwa weil sie den Nominierten persönlich kennen. In unseren Preisprogrammen passiert das oft.

Weil ich die Humboldtianer persönlich kennenlernen möchte, die mir bislang nur aus den Akten bekannt sind, nutze ich jede Gelegenheit, an unseren Veranstaltungen teilzunehmen. Es ist toll, wenn ich dort jemanden von „meinen“ Humboldtianern treffe. Diese internationalen Begegnungen waren für mich der Grund, zur Humboldt-Stiftung zu kommen. Für die Stiftung war ich schon viel auf Reisen und auch privat zieht es mich immer in die Ferne. Zuletzt reiste ich durch Mexiko und den Senegal. Ich will sehen, wie die Leute leben und wie ihr Alltag aussieht. Und wer weiß, vielleicht treffe ich auf meinen privaten Reisen ja auch einmal einen Humboldtianer.

aus Humboldt Kosmos 100/2013