11. Mai 2010, Nr. 09/2010

Neue Spitzenkräfte für die Wissenschaft in Deutschland

Ministerin Schavan und der Präsident der Humboldt-Stiftung Schwarz verleihen in Berlin Humboldt-Professuren

Preisverleihung Humboldt-Professur in Berlin
Preisverleihung in Berlin
Foto: Humboldt-Stiftung/
David Ausserhofer

Fünf Spitzenwissenschaftler erhielten am Dienstagabend die Auszeichnung als Alexander von Humboldt-Professoren. Bundesforschungsministerin Prof. Annette Schavan und der Präsident der Humboldt-Stiftung Prof. Helmut Schwarz überreichten den Preis während einer Festveranstaltung in Berlin. Nach der erstmaligen Verleihung im vergangenen Jahr wurden die Auszeichnungen nun zum zweiten Mal vergeben. Die Preise ermöglichen deutschen Hochschulen, internationale Spitzenkräfte für die Forschung zu gewinnen. Die Humboldt-Professoren sollen dabei als Impulsgeber wirken, um die herum weltweit konkurrenzfähige Strukturen entstehen können.

„Ich freue mich, dass die Preisträger aus so unterschiedlichen Fachrichtungen kommen“, sagte Bundesforschungsministerin Schavan. „Das zeigt die breite Wirkung unseres Forschungspreises. Mit unserer Förderpolitik sorgen wir dafür, dass die weltweit umworbenen Spitzenkräfte für eine langfristige Kooperation mit Deutschland gewonnen werden und dass ihre Arbeit langfristig in das deutsche Forschungssystem integriert wird. Nur so können wir die international vorhandene Expertise auf höchstem wissenschaftlichem Niveau für unser Land mobilisieren. Ich bin sicher, dass die Preisträger die deutsche Wissenschaftslandschaft bereichern und dass sie in Deutschland im Sinne Alexander von Humboldts zum Magneten werden für begabte Nachwuchswissenschaftler aus Deutschland und der ganzen Welt.“

Der Präsident der Humboldt-Stiftung Schwarz betonte am Dienstag in Berlin: „Auch wenn Spitzenforschung oft Teamarbeit ist, sind es fast immer einzelne, herausragende Forscherpersönlichkeiten, die den entscheidenden Unterschied bewirken. Mit diesem Preis investieren wir in Personen, belohnen vorab Ideen und Kreativität und schenken Vertrauen. Hier knüpft auch das über Jahrzehnte erprobte Prinzip der Personenförderung der Alexander von Humboldt-Stiftung an. Die neuen Humboldt-Professoren sind jetzt Teil des weltumspannenden Netzwerks von mehr als 24.000 aktiven Humboldtianern, und wir freuen uns auf eine dauerhafte Zusammenarbeit mit ihnen!“

Mit der Alexander von Humboldt-Professur zeichnet die Humboldt-Stiftung jährlich bis zu zehn weltweit führende und im Ausland tätige Forscherinnen und Forscher aller Disziplinen aus. Neben der herausragenden wissenschaftlichen Qualifikation der Kandidaten sind die Konzepte der Hochschulen entscheidend, die den Forschern und ihren Teams eine dauerhafte Perspektive in Deutschland bieten sollen. Das Preisgeld von 3,5 Millionen Euro für theoretisch arbeitende und 5 Millionen Euro für experimentell arbeitende Wissenschaftler finanziert das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Im Jahr 2009 wurden insgesamt acht Preisträger ausgewählt. Davon haben die fünf am Dienstag ausgezeichneten erfolgreich die Berufungsverhandlungen abgeschlossen, eine Verhandlung läuft noch, zwei Preisträger werden nicht nach Deutschland kommen.

Die Preisträger und ihre Universitäten in Deutschland sind:

Marc Levine, Mathematik, Universität Duisburg-Essen
Marc Levine zählt zu den führenden Experten der Algebraischen Geometrie. Seine hervorragenden und innovativen Beiträge in seinem Fach erfuhren eine hohe Resonanz und wurden mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt. Als einer der Leiter des geplanten Seminars für Algebraische Geometrie und Algebra der Universität Duisburg-Essen wird er dort nun einen neuen Forschungsschwerpunkt aufbauen und die Vernetzung vorantreiben.

Jürgen Margraf, Psychologie, Ruhr-Universität Bochum
Jürgen Margraf ist einer der bedeutendsten deutschsprachigen Klinischen Psychologen. An der Ruhr-Universität Bochum wird der international anerkannte Pionier auf dem Gebiet der Ursachenforschung und Therapie von Depressionen, Panik- und Angststörungen das neue Forschungs- und Behandlungszentrum für Psychische Gesundheit leiten und den Forschungsschwerpunkt Klinische Psychologie ausbauen. 2010 wurde er in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina aufgenommen.

Gerard J. van den Berg, Wirtschaftswissenschaften, Universität Mannheim
Gerard J. van den Berg ist auf dem Feld der Arbeitsmarkt- und Gesundheitsökonomik einer der weltweit führenden Volkswirtschaftler. Er beschäftigt sich mit Ökonometrie, einer Disziplin, die wirtschaftliche Zusammenhänge mithilfe statistischer Methoden erklärt. Für seine empirischen Untersuchungen arbeitet er interdisziplinär und entwickelt eigene Analysemethoden. An der Universität Mannheim wird er eine neue Forschungsgruppe für empirische Ökonomie aufbauen und mit seiner Vielseitigkeit die dortige Spitzenforschung weiter stärken.

Philip van der Eijk, Klassische Philologie, Humboldt-Universität zu Berlin
Philip van der Eijk gilt weltweit als Experte für die Geschichte der antiken Medizin, für antike Philosophie und Wissenschaftsgeschichte. Die Kontextualisierung der antiken Medizin will er nun in Berlin mit verschiedenen Kooperationen vorantreiben. An der Humboldt-Universität wird der mit zahlreichen internationalen Auszeichnungen geehrte Altphilologe und engagierte Wissenschaftsmanager helfen, einen interdisziplinären Studiengang mit internationaler Ausrichtung aufzubauen.

Matthias Wessling, Chemische Verfahrenstechnik, RWTH Aachen
Matthias Wessling ist einer der führenden Köpfe in der Membran- und Polymerforschung. Die membranbasierte Nanotechnologie kommt in der Wasseraufbereitung und Energiegewinnung ebenso zum Einsatz wie in der Medizin. Um zum Beispiel aus nachwachsenden Rohstoffen Bausteine für die Industrie von morgen zu entwickeln, will der international renommierte Forscher an der RWTH Aachen die Ingenieur- und Naturwissenschaften im neuen Forschungsschwerpunkt „New Generation Processes and Products“ enger verzahnen.

Die Alexander von Humboldt-Stiftung

Jährlich ermöglicht die Humboldt-Stiftung über 2.000 Forschern aus aller Welt einen wissenschaftlichen Aufenthalt in Deutschland. Die Stiftung pflegt ein Netzwerk von weltweit mehr als 24.000 Humboldtianern aller Fachgebiete in über 130 Ländern – unter ihnen 43 Nobelpreisträger.

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