18. September 2018, Nr. 24/2018, aktualisiert am 22.10.2018

Gefährdete Wissenschaftler erhalten Schutz in Deutschland: Philipp Schwartz-Initiative fördert 35 weitere Stipendiaten

Die bislang befristete Initiative wird nun dauerhaft vom Auswärtigen Amt finanziert

Die Alexander von Humboldt-Stiftung hat die Forschungseinrichtungen der vierten Runde der Philipp Schwartz-Initiative ausgewählt: 31 Einrichtungen aus ganz Deutschland können mithilfe der Initiative gefährdete ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei sich aufnehmen. Vergeben werden Fördermittel für insgesamt 35 Forscher, die Schutz in Deutschland suchen, weil ihnen in ihren Heimatländern Krieg oder Verfolgung drohen. Die Wissenschaftler forschen ab Oktober 2018 für zwei Jahre als Philipp Schwartz-Stipendiaten an den ausgewählten Einrichtungen.

Die 31 Gasteinrichtungen wurden aus 56 Hochschulen und Forschungseinrichtungen ausgewählt, die einen oder mehrere gefährdete Wissenschaftler aufnehmen wollen und sich hierfür mit Konzepten zur persönlichen und wissenschaftlichen Einbindung der Forscher beworben hatten. Insgesamt waren 91 Personen nominiert worden. Ausschlaggebend für die Entscheidung waren neben der Qualität der Einbindung, der wissenschaftlichen Passung und Qualifikation der Forscher auch die Perspektiven für einen erfolgreichen beruflichen Neustart.

Die Forscher, die an den nun ausgewählten Hochschulen aufgenommen werden, stammen aus der Türkei (22 Stipendiaten), Syrien (11), dem Irak und Iran (jeweils 1).

Die Philipp Schwartz-Initiative wurde von der Alexander von Humboldt-Stiftung und dem Auswärtigen Amt ins Leben gerufen. Sie wurde zudem von verschiedenen Stiftungen aus dem In- und Ausland finanziell unterstützt. Nachdem sie bislang von Runde zu Runde verlängert wurde, soll sie nun dauerhaft vom Auswärtigen Amt finanziert werden. Künftig sollen im Rahmen des Programms jährlich bis zu 50 Philipp Schwartz-Stipendien gefördert werden.

Außenminister Heiko Maas erklärte: „Wenn weltweit die Wissenschaftsfreiheit zunehmend bedroht und wissenschaftliche Arbeit politisiert wird, kann uns das nicht gleichgültig sein. Gerade wir Deutsche wissen aus unserer eigenen schmerzhaften Geschichte, wohin dies führen kann. Deshalb ist es richtig, dass wir Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern dringend benötigte Frei- und Schutzräume bei uns in Deutschland anbieten, bis sich die Situation in ihren Heimatländern wieder gebessert hat.“

Der Generalsekretär der Alexander von Humboldt-Stiftung Enno Aufderheide sagte: „Wir sind dem Auswärtigen Amt dankbar für die dauerhafte Finanzierung der Initiative. Sie gibt das verlässliche Signal: Wer als Forscher in seinem Heimatland verfolgt wird oder bedroht ist, kann als Philipp Schwartz-Stipendiat Schutz und Solidarität in der deutschen Wissenschaft finden.“

In der vierten Runde der Philipp Schwartz-Initiative wurden folgende Hochschulen ausgewählt:

  • Forum Transregionale Studien Berlin
  • Freie Universität Berlin
  • Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
  • Humboldt-Universität zu Berlin
  • Stiftung Wissenschaft und Politik Berlin
  • Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
  • Universität Bielefeld
  • Universität Bochum
  • Universität Bonn
  • Technische Universität Braunschweig
  • Technische Universität Dresden
  • Universität Erlangen-Nürnberg
  • Universität Frankfurt am Main
  • Universität Freiburg
  • Universität Gießen
  • Universität Halle-Wittenberg
  • Universität Hamburg
  • Universität Heidelberg
  • Universität Hohenheim
  • Universität Jena
  • Forschungszentrum Jülich
  • Universität Kassel
  • Universität Köln
  • Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig
  • Universität Leipzig
  • Universität Marburg
  • Klinikum der Universität München
  • Universität Potsdam
  • Universität Siegen
  • Universität Tübingen
  • Universität Wuppertal

Die Initiative ist nach dem Pathologen jüdischer Abstammung Philipp Schwartz benannt, der 1933 vor den Nationalsozialisten aus Deutschland fliehen musste und die „Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland“ gründete. Teil der Initiative sind neben den Stipendien Mittel für die Schaffung von Strukturen an den Gasteinrichtungen sowie Tagungen zum Austausch und zur Vernetzung zwischen den Gasteinrichtungen. Dabei arbeitet die Alexander von Humboldt-Stiftung eng mit internationalen Partnern wie dem Scholars at Risk Network, dem Scholar Rescue Fund und dem Council for At-Risk Academics zusammen.

Die Alexander von Humboldt-Stiftung

Jährlich ermöglicht die Humboldt-Stiftung über 2.000 Forschern aus aller Welt einen wissenschaftlichen Aufenthalt in Deutschland. Die Stiftung pflegt ein Netzwerk von weltweit mehr als 29.000 Humboldtianern aller Fachgebiete in über 140 Ländern – unter ihnen 55 Nobelpreisträger.

Kontakt

Presse, Kommunikation und Marketing
Tel.: +49 228 833-144
Fax: +49 228 833-441
presse(at)avh.de