10. Mai 2019, Nr. 09/2019, aktualisiert am 24. Juni 2019

Verleihung der Humboldt-Professuren 2019: Neun Spitzenforscher aus dem Ausland ausgezeichnet

Bundesforschungsministerin Karliczek und der Präsident der Humboldt-Stiftung Pape haben am 9. Mai die Alexander von Humboldt-Professuren verliehen. Die Ministerin kündigte an, das Themenfeld „Künstliche Intelligenz“ durch die Einrichtung zusätzlicher Humboldt-Professuren zu stärken.

Foto: Humboldt-Stiftung/David Ausserhofer

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Neun Spitzenwissenschaftler aus dem Ausland sind am 9. Mai in Berlin mit dem mit bis zu 5 Millionen Euro höchstdotierten Forschungspreis Deutschlands ausgezeichnet worden, der Alexander von Humboldt-Professur. Der Präsident der Humboldt-Stiftung Hans-Christian Pape überreichte die Preise während einer Festveranstaltung mit der Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek an Margaret Crofoot, Malte Gather, Anke Hoeffler, Jens Meiler, Alexandre Obertelli, Stefanie Petermichl, Dietmar Schmucker, Henning Walczak und Enrique Zuazua.

Die Preisträgerinnen und Preisträger wurden von deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen nominiert und werden nun in Bonn, Darmstadt, Erlangen-Nürnberg, Köln, Konstanz, Leipzig und Würzburg forschen.
„Wer mit der Alexander von Humboldt-Professur nach Deutschland kommt, soll etwas bewegen“, betonte der Präsident der Humboldt-Stiftung Hans-Christian Pape und forderte die anwesenden Preisträgerinnen und Preisträger auf: „Sie sind gekommen, um zu verändern, Sie sollen frischen Wind in unser System bringen. Das gilt auch für den Dialog mit der Öffentlichkeit: Mischen Sie mit, sprechen Sie über Ihre Forschung, bringen Sie sich, Ihr Wissen und Ihren Verstand ein.“

„Freiheit und Vertrauen gehören zur Humboldt-Professur: Ob es die Freiheit von kurzfristigen Nützlichkeitserwartungen ist, oder die Freiheit zur Erforschung von Grundlagen und von Experimenten, die das Risiko des Scheiterns nicht scheuen müssen – all dies ist bei der Humboldt-Professur selbstverständlich“, fuhr Pape fort.

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, erklärte: „Alexander von Humboldt war ein Ausnahmeforscher. Auch 250 Jahre nach seiner Geburt ist er ein Vorbild für die Wissenschaft. Bereits zu seiner Zeit ein Netzwerker, weil er sich intensiv mit anderen Forschern austauschte. Er lebte, reiste und korrespondierte global – ganz ohne moderne Kommunikationswege. Netzwerke von und Netzwerker unter Forschenden sind auch heute die Lebensadern von Wissenschaft. Genau dafür steht die Alexander von Humboldt-Professur.“

Außerdem kündigte die Bundesforschungsministerin die Einrichtung von 20-30 weiteren Alexander von Humboldt-Professuren im Rahmen der Strategie Künstlicher Intelligenz der Bundesregierung an. Diese sollen bis zum Jahr 2024 in mit KI verbundenen Disziplinen vergeben werden: „Alexander von Humboldts Zeit erlebte eine ‚Explosion‘ des Wissens. Diese erleben wir auch heute: Sie findet mit Hilfe von Computerchips und in grenzenlosen Datenräumen statt. Hier sind digitale Entdecker mit ganzheitlichem Blick gefragt. Teil der Strategie Künstliche Intelligenz der Bundesregierung ist die Einrichtung 100 neuer KI-Professuren, davon 20-30 nach dem Förderformat der Alexander von Humboldt-Professuren. Die ‚Alexander von Humboldt-Professur für Künstliche Intelligenz‘ wird sich dem Thema KI im humboldtschen Geiste ganzheitlich widmen, technisch ebenso wie gesellschaftlich“, erklärte Ministerin Karliczek.

Ein genauer Zeitplan für die Einrichtung der Humboldt-Professuren für Künstliche Intelligenz steht noch nicht fest. Details werden derzeit mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung abgestimmt. Erste Humboldt-Professuren im Bereich Künstlicher Intelligenz könnten jedoch schon im Mai 2020 vergeben werden.

Mit der Alexander von Humboldt-Professur zeichnet die Humboldt-Stiftung bisher jährlich bis zu zehn weltweit führende, im Ausland tätige Forscherinnen und Forscher aller Disziplinen aus. Sie ist mit je fünf Millionen Euro für experimentell und je dreieinhalb Millionen Euro für theoretisch arbeitende Wissenschaftler dotiert. Neben der herausragenden wissenschaftlichen Qualifikation der Kandidaten sind die Konzepte der Hochschulen entscheidend, die den Forschern und ihren Teams eine dauerhafte Perspektive in Deutschland bieten sollen. Die Auszeichnung wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert.

 

Die Preisträgerinnen und Preisträger im Überblick:

  • Köln: Malte Gather (Nanobiophotonik) wechselt von der University of St Andrews, Großbritannien, an die Universität zu Köln
    Lebende Laser und Licht, das Zellen steuert
    Malte Gather forscht an der Schnittstelle von Biologie, Medizin und Physik. Er schaffte es mit seinem Team, Laser zu miniaturisieren und in lebende Zellen zu integrieren. Aktuell arbeitet er an biokompatiblen Anwendungen der von Smartphone-Displays bekannten OLED-Technik, die das Potenzial zur Heilung visueller Neuroerkrankungen haben. An der Universität Köln soll Malte Gather das neu gegründete Forschungszentrum für NanoBioPhotonics leiten und Arbeiten in den Material- und Lebenswissenschaften zusammenführen.
  • Konstanz: Anke Hoeffler (Politische Ökonomie) wechselt von der University of Oxford, Großbritannien, an die Universität Konstanz
    Die Gesellschaft widerstandsfähiger machen
    Anke Hoeffler erforscht das Phänomen Gewalt. Mit der Frage, ob Kriege hauptsächlich durch gesellschaftliche Missstände ausgelöst werden oder vor allem ökonomische Ursachen haben, hat sie das Thema „Kollektive Gewalt“ in den Fokus der Entwicklungsforschung gerückt. An der Universität Konstanz nimmt sie nun auch die „Interpersonelle Gewalt“ in den Blick, also zum Beispiel die Gewalt in Familien. Es soll ein neues Zentrum für Konfliktforschung und Entwicklungspolitik entstehen, in dem Anke Hoeffler die Forschung zu diesen Themen weiter stärken wird.
  • Leipzig: Jens Meiler (Bioinformatik) wechselt von der Vanderbilt University in den USA an die Universität Leipzig
    Medikamente individuell am Computer designen
    Jens Meiler entwickelt Computerprogramme, die wahrscheinliche Modelle für die Struktur bestimmter Proteine berechnen können. Solche bis in die kleinste räumliche Molekülstruktur exakte Modelle werden für die Entwicklung von maßgeschneiderten Medikamenten benötigt. Jens Meiler forscht mit einem Team, in dem Molekularbiologen eng mit IT-Spezialisten, Chemikern und Physikern zusammenarbeiten. In Leipzig soll nun mit zusätzlicher experimenteller Expertise ein neues Zentrum zur strukturbasierten Entwicklung von Medikamenten entstehen.
  • Darmstadt: Alexandre Obertelli (Experimentelle Kernphysik) wechselt vom Institut de recherche sur les lois fondamentales de l’Univers (IRFU), Frankreich, an die TU Darmstadt
    Exotische Kerne und die Entstehung der Elemente
    Wie sind die chemischen Elemente, die Bausteine unserer Welt, entstanden? Alexandre Obertelli untersucht zur Beantwortung solcher grundlegenden Fragen radioaktive Kerne, die aufgrund ihres Neutronenüberschusses oder -mangels instabil sind. In Darmstadt entsteht derzeit das internationale Beschleunigerzentrum FAIR. Dort wird Materie im Labor erzeugt und erforscht werden, wie sie sonst nur im Universum vorkommt – ideale Bedingungen für Alexandre Obertelli, um an der TU Darmstadt den Bereich der Physik der Seltenen Isotope zu einem weltweit herausragenden Forschungsstandort auszubauen.
  • Würzburg: Stefanie Petermichl (Mathematik) wechselt von der Université de Toulouse, Frankreich, nach Würzburg
    Brückenbauerin zwischen mathematischen Welten
    Stefanie Petermichl ist eine der führenden Mathematikerinnen auf dem Gebiet der harmonischen Analysis. Diese kann beispielsweise helfen, medizinische Bildgebungsverfahren zu verbessern oder Signale einfacher zu verarbeiten. Mit außergewöhnlichen Ideen und dem Kombinieren verschiedener mathematischer Teildisziplinen hat Stefanie Petermichl in den letzten Jahren das Forschungsfeld geprägt und neue Standardwerkzeuge geschaffen. An der Universität Würzburg wird sie ein neues interdisziplinäres Forschungszentrum aufbauen.
  • Bonn: Dietmar Schmucker (Molekulare Neurowissenschaft) wechselt von der Katholieke Universiteit Leuven, Belgien, an die Universität Bonn
    Das Gehirn verstehen: Wie Nervenzellen verknüpft werden
    Im menschlichen Gehirn sind Milliarden Nervenzellen in komplexen Netzwerken miteinander verbunden. Fehlfunktionen in ihrer Verschaltung sind häufig Ursachen für neurologische Erkrankungen. Dietmar Schmucker hat Methoden und Techniken entwickelt, die uns helfen zu verstehen, welche molekularen Mechanismen der Verschaltung des Nervensystems zugrunde liegen. Seine Grundlagenforschung hat damit auch eine große medizinische Relevanz. In Bonn soll Dietmar Schmucker nun ein grundlagenorientiertes neurowissenschaftliches Zentrum mit aufbauen.
  • Köln: Henning Walczak (Biochemie/Immunologie) wechselt vom University College London, Großbritannien, an die Universität zu Köln
    Botenstoffe für den Kampf gegen Krebs
    Gemeinsam mit seinem Team erforscht Henning Walczak, wie sich der programmierte Zelltod so nutzen lässt, dass das Immunsystem Krebszellen zuverlässig ausschaltet. Sein Ziel ist, durch die Beeinflussung von Botenstoffen den Tod der Immunzellen zu verhindern, welche die Tumorzellen bekämpfen. In Köln soll Henning Walczak die vorklinische und die klinische Forschung stärker zusammenführen und die interdisziplinäre Forschung im Bereich des Stoffwechsels ausbauen.
  • Erlangen-Nürnberg: Enrique Zuazua (Angewandte Mathematik) wechselt von der Autonomen Universität Madrid und der Universidad de Deusto in Bilbao, Spanien, an die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
    Mit Mathematik Zukunft gestalten
    Als angewandter Mathematiker versteht Enrique Zuazua die Mathematik als Werkzeug mit nahezu unendlichen Anwendungen, als Weltsprache. Kontrolltheorie und numerische Analysis sind seine Spezialdisziplinen. Ganz praktisch geht es ihm darum, die Realität berechenbar und steuerbar zu machen. Dabei ist die Herausforderung, Algorithmen zu finden, die nicht unendlich, aber ausreichend präzise sind – und damit schnell und verlässlich berechenbar. An der Universität Erlangen-Nürnberg wird er nun innovative und interdisziplinäre Forschungsprojekte vorantreiben.

Außerdem wurde eine Auszeichnung nachgeholt:
  • Konstanz: Margaret Crofoot (Biologie/Bewegungsökologie) wechselt von der University of California, USA, an die Universität Konstanz
    Wer entscheidet wo es langgeht? Gruppendynamik bei Pavianen
    Margaret Crofoot forscht zum Sozialverhalten von Primaten: Wie bewegen sich Tiere in Gruppen, wie verteidigen sie ihr Territorium und wie treffen sie Entscheidungen? Crofoot gehört zu den Pionierinnen des jungen Forschungsfelds der Bewegungsökologie, das solchen Fragen nachgeht. Die Beobachtung der mit GPS-Sendern ausgestatteten Tiere zeigt, wie komplex die Entscheidungsfindung in diesen Gruppen ist. An der Universität Konstanz soll Margaret Crofoot helfen, den Forschungsschwerpunkt Collective Behaviour auszubauen.

Die Alexander von Humboldt-Stiftung

Jährlich ermöglicht die Humboldt-Stiftung über 2.000 Forschern aus aller Welt einen wissenschaftlichen Aufenthalt in Deutschland. Die Stiftung pflegt ein Netzwerk von weltweit mehr als 29.000 Humboldtianern aller Fachgebiete in über 140 Ländern – unter ihnen 55 Nobelpreisträger.

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