Alexander von Humboldt-Professur 2023

Dirk Englund

Ob in der Medizin oder Kommunikationstechnologie - die Quantenmechanik hat längst Einzug in viele unserer Lebensbereiche gefunden. An der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und am Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts (MPL) soll der Physiker Dirk Englund die Brücke zwischen Grundlagen- und angewandter Forschung im Bereich der Quanteninformationstechnologie schlagen.

  • Nominierende Einrichtungen: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und das Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts Erlangen (MPL)
Porträt von Dirk Englund
Saturn-ähnliches Dekortationsbild

Kontakt

Presse, Kommunikation und Marketing
Tel.: +49 228 833-144
Fax: +49 228 833-441
presse[at]avh.de

Quantenoptik

Die Welt der Informationstechnologie sieht sich mit revolutionären  Entwicklungen konfrontiert: Neue Deep-Learning-Methoden definieren das Maschinellen Lernen in Forschung und Industrie. In der Quanteninformatik erbringen spezielle Prozessoren Leistungen in Bereichen, in denen klassische Computer versagen. Unsere gängigen Computer verarbeiten Informationen unter Verwendung von Bits, die entweder durch Nullen oder Einsen dargestellt werden. Quantencomputer arbeiten mit Quantenbits, kurz Qubits genannt. Sie können gleichzeitig den Zustand „null“, „eins“ oder alle Zustände dazwischen annehmen. Diese Eigenschaft der Qubits macht den Quantencomputer prinzipiell effizienter und ermöglicht es, mehrere Berechnungen gleichzeitig durchzuführen.

Englund ist Pionier auf dem Gebiet komplexer photonischer Systeme und ihrer Nutzung für maschinelles Lernen und Quantentechnologien. Seine Arbeit reicht von theoretischen Studien über die Entwicklung von Computerarchitekturen bis hin zur fortgeschrittenen Herstellung von Geräten auf Systemebene. Bahnbrechend ist die Entwicklung groß angelegter integrierter photonischer Schaltungen für die Verarbeitung von Informationen. Die Ergebnisse seiner Forschung kommen unter anderem in der Datenverarbeitung, Sensorik, Kommunikation und jüngst in Anwendungen der Künstlichen Intelligenz zum Einsatz. Dirk Englund trägt seine Expertise auch in die Industrie: Er ist Mitbegründer der Quanten Computing-Firma „QuEra Computing“, der Sicherheitsfirma „Dust Identity“ und wissenschaftlicher Berater des Unternehmens „LightMatter“, das sich auf die Revolutionierung des Hochleistungsrechnens bei Verfahren des Maschinellen Lernens konzentriert.

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg plant, ein neues Research Center for Applied Quantum Technologies (CAQT) zu gründen, das Physik und Elektrotechnik zusammenführt. Als Humboldt-Professor soll Dirk Englund hier federführend als Verbindungsglied zwischen CAQT und dem Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts fungieren. Die bereits bestehende Spitzenstellung Erlangens in den optischen Wissenschaften, den Materialwissenschaften und in der Informatik soll durch die Berufung weiter gestärkt werden.

Zur Person

Dirk Englund ist Associate Professor am Massachusetts Institut of Technology (MIT), USA. Nach seinem Studium der Physik und Elektrotechnik in den USA und den Niederlanden promovierte er an der Stanford University, USA. Weitere Stationen führten ihn in den USA als Postdoc an die Harvard University sowie als Assistant Professor für Elektrotechnik und angewandte Physik an die Columbia University. Zu seinen Auszeichnungen zählen der ACS Photonics Young Investigator Award 2017, die Adolph-Lomb-Medaille der Optical Society 2017, ein Bose-Forschungsstipendium 2018 und ein Humboldt-Forschungsstipendium 2020.