Alexander von Humboldt-Professur für Künstliche Intelligenz 2023

Thomas Strohmer

Der Mathematiker Thomas Strohmer ist Theoretiker mit starker Anbindung an die Praxis. Er entwickelt etwa Methoden zur Daten-Synthese, um damit Fortschritte im Bereich personalisierte Medizin zu erreichen, ohne den Datenschutz zu gefährden.

  • Nominierende Universität: Universität zu Köln
Saturn-ähnliches Dekortationsbild

Kontakt

Presse, Kommunikation und Marketing
Tel.: +49 228 833-144
Fax: +49 228 833-441
presse[at]avh.de

Numerik, Optimierung, Simulation

Die Intensivstation eines Krankenhauses ist nicht der Ort, an dem man vermuten würde, einen hochkarätigen Mathematiker bei der Arbeit zu sehen. Doch dort fallen viele verschiedene Daten an, von Röntgenbildern über Laborwerte bis zu handschriftlichen Notizen, und es werden auf Daten basierende Therapie-Entscheidungen getroffen. Die Qualität dieser Entscheidungen durch Künstliche Intelligenz zu verbessern, könnte gleichzeitig Therapieerfolge erhöhen und Kosten senken. Datenwissenschaftler*innen stehen dabei jedoch vor großen Herausforderungen: Dazu gehört, die vielen verschiedenen (im Fachjargon: multi-modalen) Datenquellen auswertbar zu machen und darüber hinaus die Daten von vielen Patient*innen, idealerweise über mehrere Kliniken hinweg, zusammenzuführen, sodass eine ausreichend große Datenbasis entsteht. Letzteres wird durch den erforderlichen Schutz der hochsensiblen Patientendaten erschwert.

Thomas Strohmers bevorzugte Lösung für dieses Problem ist, nicht den tatsächlichen Datensatz zu verwenden, sondern einen synthetischen Datensatz, erstellt von einer KI, der dem echten Datensatz sehr ähnlich ist. So wie Künstliche Intelligenz etwa fiktive, aber echt aussehende Gesichter generieren kann, kann sie auch Datensätze erzeugen, die nah an der Realität sind. Thomas Strohmer hat ein statistisches Grundgerüst entwickelt, um mathematisch gesichert zu gewährleisten, dass die synthetischen Daten keine zu großen Abweichungen haben und trotzdem keine Rückschlüsse auf die ursprünglichen Daten zulassen.

Daraus abgeleitete Algorithmen lassen sich in der personalisierten Medizin genauso einsetzen wie in der Demografie und vielen anderen Data-Science-Disziplinen. Darüber hinaus will Thomas Strohmer in Köln als Leiter des aufzubauenden Cologne Center for Artificial Intelligence (CCAI) auch an KI-gestützten Vorhersagen von Extremwetterereignissen und der Erschließung von Quantencomputern für die KI arbeiten.

Zur Person

Thomas Strohmer wurde 1994 nach dem Studium der Mathematik an der Universität Wien promoviert. 1997 wechselte der gebürtige Österreicher in die USA und forschte als Postdoc an der Stanford University, USA. 1998 wurde er Assistant Professor an der University of California, Davis, USA, wo er seit 2004 als Full Professor für Mathematik tätig ist.