Newsletter 3/2012

Humboldt-Stiftung möchte mehr Wissenschaftlerinnen für ihr Netzwerk gewinnen

Im Wettbewerb um die besten und talentiertesten Köpfe weltweit möchte die Humboldt-Stiftung mit einer neuen Chancengleichheits-Strategie künftig deutlich mehr Wissenschaftlerinnen fördern und für das Humboldt-Netzwerk gewinnen.

Für die eingeschlagene Strategie hat sich der Stiftungsrat, das wichtigste Entscheidungsgremium der Stiftung, bei seiner letzten Sitzung am 23. Mai ausgesprochen. Hoch qualifizierte Frauen aus der Wissenschaft sollen noch deutlicher die Einladung hören, die Förderangebote der Stiftung für ihre wissenschaftliche Karriere zu nutzen.

Getreu den Prinzipien der Stiftung soll es jedoch auch hier keine Quote geben. Die Stiftung setzt vor allem auf die explizite Ansprache, Information und Ermutigung qualifizierter Frauen.

Die Auswertung der Bewerbungs- und Bewilligungszahlen in den Stipendien- und Preisprogramme hat gezeigt, dass Wissenschaftlerinnen je nach Fachgebiet oder Herkunftsregion zum Teil deutlich weniger vertreten sind als Wissenschaftler. Die Bewerbungen von Frauen und Männern um ein Forschungsstipendium sind vergleichbar erfolgreich. Jedoch bewerben sich vor allem in den Natur- und Ingenieurwissenschaften mit 25 beziehungsweise 15 Prozent weit weniger Frauen als Männer um ein Stipendium.

Unter denen, die mit einem Humboldt-Forschungspreis ausgezeichnet wurden, sind nur sechs Prozent Frauen. Da dieser international besonders anerkannte Preis aufgrund von Nominierung vergeben wird, möchte die Stiftung vor allem Nominierende und potenzielle Gastgeber dazu ermutigen und sensibilisieren, gezielter exzellente Frauen aus der Wissenschaft in den Blick zu nehmen.

Humboldtianerinnen bei der Jahrestagung
der Stiftung
Fotos: Humboldt-Stiftung/D. Ausserhofer; P. Himsel

Alle Arbeitsbereiche der Stiftung – Auswahl, Förderung und Netzwerk, Kommunikation und Marketing – sind in die Chancengleichheits-Strategie eingebunden; hier nur einige Beispiele:

  • Den Mitgliedern der Auswahlgremien werden künftig langsamere Karriereverläufe, zum Beispiel aufgrund von Familienzeiten, oder Dual-Career-Aspekte detaillierter vorgestellt, um bei der Entscheidung über die Vergabe eines Forschungsstipendiums oder -Preises mehr Berücksichtigung finden zu können.
  • Ab Dezember 2012 gibt es zusätzliche Familienleistungen: die Kinderzulage bzw. das staatliche Kindergeld wird um eine Familienzulage für solche ausländischen Stipendiaten und Stipendiatinnen ergänzt, die während ihres Deutschlandaufenthaltes allein für ihre Kinder sorgen und oft besonders hohe Kosten für eine gute Kinderbetreuung schultern müssen. Dem dringenden Wunsch der Stiftung, diese Zulage allen Geförderten anzubieten, die mit Kindern unter 12 Jahren nach Deutschland kommen, sind die staatlichen Geldgeber bislang noch nicht gefolgt.
  • Wer die Website der Stiftung besucht, findet gleich auf der Startseite das Stichwort „Chancengleichheit“. Die dort aufgeführten FAQs beantworten viele Fragen, die im Vorfeld einer Bewerbung für Wissenschaftlerinnen und Interessierte mit Familien wichtig sind, beispielsweise ob im Auswahlverfahren Erziehungszeiten berücksichtigt werden, mit welchen Familienleistungen Geförderte rechnen können oder ob das Stipendium verlängert oder unterbrochen werden kann, wenn Stipendiatinnen im Förderzeitraum ein Kind bekommen.
  • In der Öffentlichkeitsarbeit, bei Veranstaltungen und weiteren Gelegenheiten wird die Stiftung für mehr hochqualifizierte Frauen im Netzwerk werben.
  • Im Herbst bietet die Humboldt-Stiftung auf dem Alumniportal Deutschland einen interaktiven Online-Workshop zum Thema Gender an, mit der Möglichkeit, online gemeinsam zu diskutieren und Ideen zu entwickeln.

Die Maßnahmen werden von einem regelmäßigen Monitoring begleitet, dem in vier Jahren eine Prüfung der gesamten Strategie folgen wird.