Große Denker für deutsche Universitäten: Anneliese Maier-Forschungspreise verliehen

Spitzenforscher aus Geistes- und Sozialwissenschaften erhalten je 250.000 Euro für internationale Kooperationen

Wirtschaft, Finanzmärkte oder neue Medien, Geschichte oder die Wirkung von Musik: Geistes- und Sozialwissenschaftler beschäftigen sich mit Themen, die Menschen bewegen und zentral für die Gesellschaft sind. Um in diesen wichtigen Wissenschaften internationale Kooperationen zu fördern, vergibt die Alexander von Humboldt-Stiftung die Anneliese Maier-Forschungspreise – eine der begehrtesten internationalen Auszeichnungen der Geistes- und Sozialwissenschaften.

Überreicht wurden die diesjährigen Preise im September von der Bundesministerin für Bildung und Forschung Johanna Wanka und dem Präsidenten der Alexander von Humboldt-Stiftung Helmut Schwarz.

test

Die Preisträgerinnen und Preisträger 2016 mit Bundesforschungsministerin Johanna Wanka
und Helmut Schwarz, Präsident der Humboldt-Stiftung.
Foto: Humboldt-Stiftung/David Ausserhofer

„Alle sechs Wissenschaftler, die ausgezeichnet werden, verbindet eines: Sie suchen den geistigen Austausch“, sagte Johanna Wanka bei ihrer Festrede im Auditorium Friedrichstraße in Berlin. „Es geht aber nicht nur um den internationalen Austausch, sondern vor allen Dingen auch um den Austausch über die Grenzen ihrer eigenen Disziplinen hinweg“, so Wanka.

Die Preise sind mit jeweils 250.000 Euro dotiert, die Kooperationen der ausgezeichneten Forscher mit deutschen Gastgebern werden bis zu fünf Jahre lang gefördert. Die Preisträger werden mit Kollegen an Universitäten und Hochschulen in Berlin, Hamburg, Hannover, Heidelberg, Frankfurt am Main und Münster zusammenarbeiten.

Die Preisträgerinnen und Preisträger im Überblick:

  • Ève Chiapello aus Frankreich ist eine international führende Wirtschaftssoziologin. Sie erforscht zum Beispiel die Folgen einer Ökonomisierung der Sozialpolitik. An der Universität Hamburg will sie sich unter anderem mit der Finanzialisierung der ökologischen Krise beschäftigen, die sich in Märkten für Treibhausgase zeigt. Zudem untersucht sie das sogenannte Social Impact Investing, bei dem Anleger in soziale Projekte investieren.
  • E. Tory Higgins aus den USA ist einer der international einflussreichsten Sozialpsychologen. Seine Arbeiten zur sozialen Wahrnehmung und zur menschlichen Motivation gelten als Klassiker. An der Universität Münster will er von Gruppen geteilte Ansichten untersuchen – sogenannte shared realities. Er will herausfinden, welchen Einfluss soziale Medien auf diese Ansichten haben und welche Rolle shared realities bei der Entwicklung von Vorurteilen spielen.
  • Glenn W. Most aus Italien zählt zu den international tonangebenden Altphilologen. Seine vielseitigen Arbeiten zur Antike behandeln beispielsweise Themen wie Wut und Zorn bei Homer und umfassen Neueditionen griechischer Tragödien. An der Humboldt-Universität zu Berlin soll er mit Kollegen am Exzellenzcluster TOPOI zusammenarbeiten und unter anderem an Projekten der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften zur Antike mitwirken.
  • Daniel Müllensiefen aus Großbritannien gehört zu den innovativsten Musikpsychologen. Er entwickelte beispielsweise einen Test zur Messung von Musikalität und machte mit Arbeiten zur Entstehung von Ohrwürmern Furore. An der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover will Müllensiefen erforschen, wie der Umgang mit Musik Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung prägt.
  • Sumathi Ramaswamy aus den USA ist eine der vielseitigsten Expertinnen für Asienstudien und die indische Geschichte. So erforscht sie beispielsweise das Zusammenspiel von Sprache und Nationalismus in Indien während und nach der Kolonialzeit. An der Universität Heidelberg wird sie das Exzellenzcluster Asia and Europe in a Global Context stärken und helfen, die Asienforschung in Deutschland sichtbarer zu machen.
  • Marti G. Subrahmanyam aus den USA prägt seit Jahrzehnten den wissenschaftlichen Diskurs über die Entwicklung der Finanzmärkte. Jüngst befasst er sich mit Liquidität und der Regulierung der Märkte durch die Zentralbanken. An der Universität Frankfurt am Main will er den Fokus seiner Forschung auf Deutschland und Europa richten, Frankfurt als internationalen Standort der Finanzmarktforschung stärken und europäische mit amerikanischen Perspektiven zusammenbringen.

Der Preis ist aus Mitteln des Bundesforschungsministeriums finanziert und ist nach der deutschen Philosophin und Wissenschaftshistorikerin Anneliese Maier (geb. 1905 in Tübingen, gest. 1971 in Rom) benannt.

Kontakt

Alexander von Humboldt-Stiftung
Referat Presse, Kommunikation und Marketing
Tel.: +49 228 833-257
Fax: +49 228 833-441
presse(at)avh.de