570 Humboldtianer in Schloss Bellevue

Jahrestagung der Humboldt-Stiftung in Berlin: Bundespräsident Steinmeier empfing Wissenschaftler aus rund 80 Ländern und verlieh Siebold-Preis für Verdienste um deutsch-japanischen Austausch.

Über 570 internationale Wissenschaftler, die mit einer Förderung der Humboldt-Stiftung an deutschen Hochschulen zu Gast sind, haben sich im Juni zur Jahrestagung der Humboldt-Stiftung in Berlin getroffen. Höhepunkt der Tagung war der Empfang bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Schloss Bellevue. Die Wissenschaftler, von denen viele mit ihren Familien gekommen waren, tauschten sich außerdem über ihre Erfahrungen aus und nahmen an Vorträgen und Diskussionen teil. Zudem wurden verschiedene Auszeichnungen, unter anderem die Humboldt-Alumni-Preise, verliehen.

Kritische Denker willkommen

„Wir treffen uns heute in Zeiten voller Widersprüche, gerade auch, was den Stand der Wissenschaft betrifft“, begrüßte Steinmeier seine Gäste im Park von Schloss Bellevue. Auf der einen Seite wachse der Bedarf an Wissen in einer komplizierter werdenden Welt. Auf der anderen Seite werde „die Ablehnung von Wissen und Vernunft, das Schlechtreden von Expertenrat immer größer.“ Steinmeier ermutigte die Humboldtianer aus aller Welt wie auch die deutsche Forschungslandschaft, darüber stärker in den gesellschaftlichen Dialog zu treten: „Wo immer das gesellschaftliche Klima stickig wird, da brauchen wir die Frischluftzufuhr aus den Universitäten.“ Mit Blick auf die Entwicklungen weltweit betonte Steinmeier: „Wo auch immer Wissenschaft und Wissenschaftler unter Druck stehen, sollen sie wissen: Hier sind sie willkommen – als exzellente Forscher, als kritische Denker und als Menschen.“

Der Präsident der Humboldt-Stiftung Helmut Schwarz ermutigte die Humboldtianer ebenfalls, jede Möglichkeit zu ergreifen, öffentlich über das zu sprechen, was sie als Wissenschaftler tun und sich so wissenschaftsfeindlichen Tendenzen entgegen zu stellen. Bei der Eröffnungsfeier der Jahrestagung an der Technischen Universität Berlin betonte er: „Es sollte selbstredend sein, dass in einer komplexen und weltweit vernetzten Welt neben einer gründlichen, sachkundigen Analyse kritisches Denken und Unabhängigkeit unerlässlich sind, und hierzu bedarf es einer weltoffenen, einer pluralistischen Gesellschaft.“ 

Philipp Franz von Siebold-Preis verliehen

Bundespräsident Steinmeier verlieh bei der Jahrestagung auch den Philipp Franz von Siebold-Preis 2017 für besondere Verdienste um den deutsch-japanischen Austausch an den japanischen Philosophen Hiroshi Abe. 

Abe hat herausragende Beiträge zur japanischen Philosophie geliefert und sich dabei besonders mit Fragen der Umweltethik in der asiatischen Denktradition befasst. Daneben bilden die Auseinandersetzung mit Heidegger und der Existenzialphilosophie Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit. Seit 2016 ist Hiroshi Abe ordentlicher Professor für Philosophie und Logik an der School of Human and Environmental Studies der Universität Kyoto, Japan. 

Von links nach rechts: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Hiroshi Abe, Elke Büdenbender
Von links nach rechts: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Siebold-Preisträger Hiroshi Abe, Elke Büdenbender
Foto: Humboldt-Stiftung/David Ausserhofer

Fokus Subsahara-Afrika

Auch das African German Network of Excellence in Science – (AGNES) stellte während der Jahrestagung bei der Humboldt Lunchtime Fair an der Technischen Universität Berlin seine Arbeit vor. Ziel von AGNES ist eine intensivere afrikanisch-deutsche Zusammenarbeit in der Wissenschaft. Afrikanische Nachwuchsforschende sollen unterstützt und das Humboldt-Netzwerk in Subsahara-Afrika bekannter gemacht werden. So konnten von 2012 bis 2016 insgesamt 60 AGNES-Junior Research Grants vergeben werden, im vergangenen Jahr konnte außerdem mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erstmals der AGNES Grant for intra-African Mobility an Nachwuchsforschende aus Subsahara-Afrika vergeben werden. Diese hatten so die Möglichkeit, in anderen afrikanischen Ländern zu arbeiten.