Die Suche nach der Energie von morgen

Beim Bonner Humboldt-Preisträger-Forum diskutierten Chemiker die aktuelle Forschung zur Gewinnung und Speicherung von erneuerbaren Energien.

Die Umstellung auf erneuerbare Energien stellt auch die Chemie vor neue Aufgaben. Beim siebten Bonner Humboldt-Preisträger-Forum Mitte Oktober in Bonn griffen international führende Chemikerinnen und Chemiker Probleme und Fragen auf, vor denen ihr Fach steht. Insbesondere wenn es um das Gewinnen, Speichern und den Transport erneuerbarer Energien geht, ist auch die chemische Grundlagenforschung angesprochen.

Helmut Schwarz betonte, wie wichtig es ist, junge und erfahrene Forscherinnen und Forscher miteinander in Kontakt zu bringen und deren Austausch zu fördern. (Foto: Humboldt-Stiftung/Michael Jordan)

Von neuen Supraleitern bis zu effizienteren Katalysatoren

Eine zentrale Frage ist hierbei, wie Energie effizient in speicher- und nutzbare Formen umgewandelt werden kann. Unter dem Titel „Fundamental Concepts and Principles of Chemical Energy Conversion“ diskutierten 172 Wissenschaftler aus 35 Ländern, welche Materialien und chemische Energieumwandlungen wir in Zukunft brauchen werden. An Ideen mangelt es nicht. Ob neue Supraleiter, Alternativen zur Lithium-Ionenbatterie, innovative Materialien für Solarzellen oder effizientere Katalysatoren zur Umwandlung erneuerbarer wie auch fossiler Energie – überall wird an vielversprechenden Grundlagen oder auch an konkreten Anwendungen geforscht, die den klimaschädigenden Verbrauch von fossilen Energien reduzieren helfen. Doch neue Techniken haben ihren Preis. Die Wissenschaftler mahnen deshalb zu Realismus.

Konkurrenz zu etablierter Energieversorgung

„Ein erneuerbares Energiesystem ist immer teuer als ein fossiles“, betonte einer der beiden wissenschaftlichen Leiter der Tagung, der Chemiker Robert Schögl, Direktor des Fritz-Haber-Instituts der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin sowie Geschäftsführender Direktor am Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion in Essen. „Wir konkurrieren mit einer etablierten Energieinfrastruktur, die sich seit hundert Jahren entwickelt hat. Hierfür ad hoc rentable Alternativen zu bieten, ist zu viel verlangt“, sagte Schlögl. „Unsere Forschung ist grundlagenorientiert. Wir lösen nicht das Problem, wie wir Wasserstoff marktfähig machen“, bestätigte Nicola Hüsing von der Universität Salzburg, die gemeinsam mit Schlögl die Tagung leitete.

Die renommierte Chemikerin und Humboldt-Forschungspreisträgerin Cynthia M. Friend, Professorin an der Harvard University, Cambridge, USA, hielt den Festvortrag zum Thema „Design of Sustainable Catalytic Processes on Nanoporous Materials“. (Foto: Humboldt-Stiftung/Michael Jordan)

Investitionen nötig

Wer heute schon ein rein elektrisch betriebenes oder gar mit Wasserstoff betanktes Auto fährt und auf der Suche nach einer passenden Tankstelle liegen geblieben ist, weiß wovon die Rede ist. Nötig sind gewaltige Investitionen, um erneuerbare Energien flächendeckend verfügbar zu machen. 
Der Fortschritt, so ist immer wieder zu hören, ist weniger technisch, sondern vor allem gesellschaftlich begrenzt. Das gilt oft auch für neue Techniken. „Leider sind Deutschland und Europa insgesamt recht technikkritisch, anders als beispielsweise in Asien“, sagte Hüsing.

In vielen Ländern läuft Erforschung auf Hochtouren

Ohne gesellschaftlichen Druck und politischen Willen werden sich die neuen und teuren Energien jedenfalls kaum durchsetzen. „Wir haben erst ein Drittel der fossilen Rohstoffe ausgebeutet. Bis der Rest verbrannt ist, können wir also noch lange weitermachen. Es ist deshalb ein Irrtum zu glauben, die Verknappung des Öls werde die Energiewende treiben“, betonte Schlögl. Dennoch beherrschte Optimismus die Tagung. Dass die Erforschung von Grundlagen und Anwendungen in so vielen Ländern auf Hochtouren läuft und so viele Teams parallel an neuen Techniken arbeiten, lässt auf technische Durchbrüche hoffen.

Mit dem jährlich stattfindenden Bonner Humboldt-Preisträger-Forum fördert die Alexander von Humboldt-Stiftung die Vernetzung ihrer Forschungspreisträger mit Nachwuchswissenschaftlern und deutschen Gastinstitutionen. Darüber hinaus soll die Konferenz dazu beitragen, das Profil der Wissenschaftsstadt Bonn zu schärfen.

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