20. Juli 2016, Nr. 13/2016

Einer Demokratie nicht würdig

Humboldt-Stiftung kritisiert Umgang der Türkei mit Forschern

„Gerade in politisch schwierigen Zeiten sind international vernetzte und arbeitende Wissenschaftler wichtig für die Beziehungen zwischen Ländern wie Deutschland und der Türkei. Vor allem aber sind die wissenschaftliche Freiheit und das geistige und gesellschaftliche Potential von Forscherinnen und Forschern wichtig für einen konstruktiven gesellschaftlichen Dialog und die Zukunftsfähigkeit einer Nation. Einschränkungen der Mobilität, Entlassungen und Drangsalierungen von Wissenschaftlern beschädigen dieses Potential schwer und sind einer Demokratie nicht würdig. Die Entwicklungen der letzten Monate und insbesondere seit dem Putschversuch besorgen uns deshalb sehr“, sagte der Generalsekretär der Alexander von Humboldt-Stiftung Enno Aufderheide.

Laut Berichten deutscher Medien von heute hat die türkische Regierung Wissenschaftlern Dienstreisen ins Ausland verboten. Außerdem sollen demnach Wissenschaftler, die sich im Ausland aufhalten, in die Türkei zurückkehren. Die Hochschulrektoren werden zugleich aufgefordert, ihr wissenschaftliches Personal auf etwaige Verbindungen zur Bewegung Fethullah Gülen zu überprüfen.

Zurzeit halten sich 12 türkische Wissenschaftler mit Förderung der Humboldt-Stiftung in Deutschland auf. Sollte ihre kurzfristige Rückkehr notwendig sein, werde die Humboldt-Stiftung die Möglichkeit einräumen, Stipendien zu unterbrechen und zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen, so Aufderheide. „Wir werden tun, was uns möglich ist, um unsere türkischen Geförderten zu unterstützen, unabhängig davon, ob sie sich derzeit in Deutschland oder der Türkei aufhalten“, sagte Aufderheide.

Zum Netzwerk der Stiftung gehören rund 320 türkische Wissenschaftler, die meisten von ihnen leben und arbeiten in der Türkei. Im Rahmen der Philipp Schwartz-Initiative für gefährdete Forscher hatte die Stiftung jüngst sechs geflohenen türkischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ein Stipendium zum Schutz an einer Universität in Deutschland ermöglicht.

Die Alexander von Humboldt-Stiftung

Jährlich ermöglicht die Humboldt-Stiftung über 2.000 Forschern aus aller Welt einen wissenschaftlichen Aufenthalt in Deutschland. Die Stiftung pflegt ein Netzwerk von weltweit mehr als 27.000 Humboldtianern aller Fachgebiete in über 140 Ländern – unter ihnen 52 Nobelpreisträger.

Kontakt

Georg Scholl
Leiter Referat
Presse, Kommunikation und Marketing
Tel.: +49 228 833-258
Fax: +49 228 833-441
presse(at)avh.de