Anneliese Maier-Forschungspreis 2016 – Die Preisträger

Ève Chiapello

Der Geist des Kapitalismus und die Finanzialisierung öffentlicher Politik

Die französische Soziologin Ève Chiapello gehört zu den international führenden Forschern im Bereich Management und Wirtschaftssoziologie. Ihr bereits zur Jahrtausendwende mit ihrem Kollegen Luc Boltanski verfasstes Buch "Der neue Geist des Kapitalismus" gilt als richtungsweisend auch in angrenzenden Disziplinen. Seither hat sie mit ihren empirischen Studien und Analysen zur Soziologie kalkulativer Praktiken und zu den Wandlungsprozessen der Ökonomie der Gegenwart Impulse nicht nur für ihr Fach, sondern auch für sozialpolitische Fragen gegeben. So erforscht sie etwa, welche Folgen eine Ökonomisierung der Sozialpolitik hätte. Im Rahmen ihrer Kooperation mit der Universität Hamburg will sie unter anderem die Neudefinition öffentlicher Politik unter Einbeziehung der Sprache, Instrumenten und Darstellung des Finanzwesens – was sie als Finanzialisierung öffentlicher Politik definiert – untersuchen. Verschiedene Szenarien wie Klimawandel, Biodiversität und sozialpolitische Fragen werden dabei analysiert.

Gastinstitut: Universität Hamburg, Institut für Soziologie
Gastgeber: Prof. Dr. Anita Engels

  • Foto: Guillaume
    Braunstein
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    Prof. Dr. Ève Chiapello
    1965 in Frankreich geboren, ist Directrice d’etudes an der École des Hautes Études en Sciences Sociales, Paris, Frankreich. Sie studierte an der École des hautes études commerciales de Paris und promovierte 1994 an der Université Paris-Dauphine. Nach anschließender Lehrtätigkeit folgte 2000 die Habilitation. Chiapello erhielt zahlreiche Preise, darunter 2013 den Ordre national du Mérite, den nationalen Verdienstorden Frankreichs. 2013 wurde ihr der Lehrstuhl Chaire de sociologie Henri Janne der Université Libre de Bruxelles zuerkannt. Sie ist Mitglied der wissenschaftlichen Gremien Association Française de Sociologie und Association Française d'Économie Politique sowie der Editorial Boards von Sociologie du travail und Critical Perspectives on Accounting.

E. Tory Higgins

Wie Soziale Medien unsere Identität beeinflussen

Der amerikanische Motivationsforscher Edward Tory Higgins ist einer der international einflussreichsten Sozialpsychologen. Seine experimentellen und theoretischen Arbeiten zur sozialen Wahrnehmung oder zu Themen wie Anerkennung und den Mechanismen der menschlichen Motivation gelten als Klassiker. Seine jüngste Forschung gilt der Entstehung und Veränderung sogenannter shared realities, also zwischen einzelnen Personen oder in Gruppen geteilter Ansichten und Überzeugungen. Welche Rolle diese beispielsweise bei der Entwicklung von Vorurteilen, Stereotypen oder Gruppenidentitäten spielen und welchen Einfluss hierbei die Kommunikation im Internet und über soziale Medien hat, will Higgins in Zusammenarbeit mit seinen Kooperationspartnern an der Universität Münster sowie weiteren deutschen und internationalen Kollegen weiter erforschen.

Gastinstitut: Universität Münster, Institut für Psychologie, Arbeitseinheit Sozialpsychologie
Gastgeber: Prof. Dr. Gerald Echterhoff

  • Foto: privat
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    Prof. Dr. E. Tory Higgins
    1946 geboren, ist Stanley Schachter Professor of Psychology und Professor of Business an der Columbia University in New York, USA. Er ist außerdem Direktor des Motivation Science Center der Columbia Business School und Fellow der American Academy of Arts & Sciences. Higgins wurde mehrfach ausgezeichnet, beispielsweise mit dem William James Fellow Award for Distinguished Achievements in Psychological Science, dem Award for Distinguished Scientific Contributions und dem Presidential Teaching Award. 2000 wurde er für die Columbia’s University Lecture ausgewählt, womit man sein bisheriges akademisches Wirken würdigte wurde. Higgins ist Autor zahlreicher Bücher, darunter Beyond Pleasure and Pain: How Motivation Works. Er hat bereits mehrere Regierungen sowie Wissenschaftsorganisationen beraten.

Glenn W. Most

Wut und Zorn bei Homer

Der in Pisa und Chicago lehrende Altphilologe Glenn Most zählt zu den international tonangebenden Köpfen seiner Disziplin. Sowohl in klassischer Philologie als auch in vergleichender Literaturwissenschaft promoviert, begann Most eine schon früh thematisch sehr vielseitige und internationale Karriere mit Stationen etwa in Princeton, Siena, Innsbruck, Heidelberg, Chicago und Paris. Seine Arbeiten zur Antike gelten als vielseitig und innovativ. So behandeln sie beispielsweise Themen wie Wut und Zorn bei Homer, umfassen Neueditionen griechischer Tragödien oder stellen in seiner Disziplin vielbeachtete methodische Reflektionen an. An der Humboldt-Universität in Berlin soll er mit Kollegen am Exzellenzcluster TOPOI zusammenarbeiten und unter anderem an Projekten der Berlin Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften zur Antike mitwirken.

Gastinstitut: Humboldt-Universität zu Berlin, Lehrstuhl für ältere Kirchengeschichte
Gastgeber: Prof. Dr. Christoph Markschies

  • Foto: privat
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    Prof. Dr. Glenn W. Most
    1952 in den USA geboren, ist Professor für Griechische Philologie an der Scuola Normale Superiore di Pisa, Italien, und seit 1996 Visiting Professor of Social Thought and of Classics an der University of Chicago. Er wurde 1980 an der Yale University in Komparatistik promoviert. Im gleichen Jahr schloss er an der Universität Tübingen eine Promotion in Altphilologie ab. 1988 wurde er Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin, 1994 erhielt er den Gottfried Wilhelm Leibniz Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. 2010 wurde er zum auswärtigen wissenschaftlichen Mitglied des Max-Planck-lnstituts für Wissenschaftsgeschichte berufen. Most ist außerdem Fellow der American Academy of Arts & Sciences und Member der American Philosophical Society.

Daniel Müllensiefen

Wie Ohrwürmer entstehen und wie sich Musikalität messen lässt

Der Musikpsychologe Daniel Müllensiefen von der University of London gehört zu den innovativsten Köpfen seines Fachs. So entwickelte der aus Deutschland stammende Forscher mit dem Goldsmiths Musical Sophistication Index (Gold-MSI) im Jahr 2014 ein Instrument zur Messung von Musikalität, das sich sofort als Standardwerkzeug der empirischen Musikforschung etablieren konnte. Dass und wie der Gold-MSI funktioniert, wurde in einer großen Studie der BBC mit 190.000 Teilnehmern belegt. Auch Müllensiefens Arbeiten zur computergestützten Erkennung musikalischer Plagiate oder zur Entstehung von Ohrwürmern machten Furore. Mit seinen Kooperationspartnern in Hannover will Müllensiefen den Gold-MSI weiterentwickeln, um die Entstehung musikalischer Kompetenzen von der Kindheit bis zum Erwachsenenalter zu erforschen.

Gastinstitut: Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, Hanover Music Lab
Gastgeber: Prof. Dr. Reinhard Kopiez

  • Foto: privat
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    Dr. Daniel Müllensiefen
    1971 in Deutschland geboren, arbeitete nach seinem Studium und parallel zu seiner Promotion als Produktmanager in der Musikwirtschaft und betreute unter anderem die Entwicklung der Internet-Suchmaschine der deutschen Musikindustrie. Nach seiner Promotion in Hamburg ging er 2006 als Post-doctoral Research Fellow an das an das Department of Computing des Goldsmiths College der University of London, wo er später Senior Lecturer und 2015 Reader im Department of Psychology wurde. Seit 2015 ist er Direktor des Master-Studienganges „Music, Mind, and Brain“. Er ist unter anderem Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Musikpsychologie, der Royal Statistical Society und der British Society for the Psychology of Individual Differences und erhielt bereits einige Auszeichnungen wie den Goldsmiths Early Career Development Award. Er ist  Herausgeber des open access Fachmagazins Empirical Musicology Review und berät außerdem als Musikgutachter Verlage und Anwaltskanzleien.

Sumathi Ramaswamy

Mutter Indien und die Macht der Bilder

Die aus Indien stammende und in den USA forschende Historikerin Sumathi Ramaswamy ist eine der vielseitigsten Expertinnen für Asienstudien und die indische Geschichte. Ihre Themen reichen vom Zusammenspiel von Sprache und Nationalismus in Indien während und nach der Kolonialzeit, über Kartographie und visuelle Kunst und Kultur bis zu den Digital Humanities. Mit ihren Büchern wie „The Goddess and the Nation: Mapping Mother India“ oder dem in Kürze erscheinenden Titel „Terrestrial Lessons: The Conquest of the World as Globe“ gibt sie regelmäßig viel beachtete disziplinübergreifende Impulse. Zu ihren jüngsten Forschungsthemen gehört die philanthropische Unterstützung der Wissenschaft in den USA und in Indien – ein Gebiet auf dem Ramaswamy durch ihre frühere Tätigkeit für die Ford Foundation eigene Erfahrung sammelte. Durch die Kooperation mit der Universität Heidelberg soll Ramaswamy das Exzellenzcluster Asia and Europe in a Global Context stärken und helfen, die Asienforschung in Deutschland sichtbarer zu machen.

Gastinstitut: Universität Heidelberg, Heidelberger Centrum für Transkulturelle Studien
Gastgeber: Prof. Dr. Christiane Brosius

  • Foto: Duke University
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    Prof. Dr. Sumathi Ramaswamy
    geboren 1961 in Indien, wurde 1992 an der University of California at Berkeley, USA, promoviert. Als Assistant Professor forschte sie zunächst an der University of Pennsylvania in Philadelphia, 1998 wechselte sie an die University of Michigan, Ann Arbor. Seit 2007 ist sie Professorin für History and International Comparative Studies an der Duke University in Durham, North Carolina, USA. Sie ist Mitglied der American Historical Association und der Association of Asian Studies und erhielt zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen wie zum Beispiel einen Advanced Research Grant des US-amerikanischen Social Science Research Council.

Marti G. Subrahmanyam

Welche Kontrolle die Finanzmärkte brauchen

Der in New York lehrende Finanzwissenschaftler Marti G. Subrahmanyam gehört zu den Schwergewichten seiner Disziplin und prägt mit seinen herausragend zitierten Publikationen seit Jahrzehnten den wissenschaftlichen Diskurs über die Entwicklung der Finanzmärkte. Hierbei bezieht er auch Stellung zu aktuellen finanzpolitischen Themen wie zuletzt dem Skandal um die Manipulation der Libor-Zinssätze. Seine jüngsten Forschungsprojekte befassen sich mit Liquidität und der Regulierung der Märkte durch die Zentralbanken. In seiner Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum Sustainable Architecture for Finance in Europe (Research Center SAFE) an der Goethe-Universität Frankfurt will er den Fokus seiner Forschung auf Deutschland und Europa richten. Hierbei soll er Frankfurt als internationalen Standort der Finanzmarktforschung stärken und europäische mit amerikanischen Perspektiven zusammenbringen.

Gastinstitut: Goethe-Universität Frankfurt am Main, Research Center SAFE
Gastgeber: Prof. Dr. Loriana Pelizzon

  • Foto: privat
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    Prof. Dr. Marti G. Subrahmanyam
    1946 in Indien geboren, ist Charles E. Merrill Professor of Finance, Economics and International Business an der Stern School of Business der New York University, USA. Er studierte am Indian Institute of Management und am Indian Institute of Technology Madras, bevor er 1974 am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, USA, promoviert wurde. Als Gastprofessor war er an Instituten in Australien, Europa und Asien tätig. Subrahmanyam ist Gründungsherausgeber der „Review of Derivatives Research“ sowie Mitherausgeber zahlreicher Finanz- und Wirtschaftszeitschriften. Zudem ist er in Gremien diverser Firmen vertreten und unter anderem Mitglied in der European Finance Association und der American Economic Association. Subrahmanyam hat bereits zahlreiche Unternehmen und Finanzinstitute beraten.

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