Bundeskanzler-Stipendium

Stipendiaten im Portrait

„Es ist einfach großartig für mich, dass ich mich vollkommen auf mein Projekt fokussieren kann. Bei der Humboldt-Stiftung ist immer ein Ansprechpartner da, der einem weiter hilft.“

Sadaf Fatima
Foto: privat

Energie sparen – das will heute jeder, auch und gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern. Auch einige Kunden der Architektin Sadaf Fatima wünschten sich energiesparende Häuser. Die Modelle, die es bisher in Indien gibt, stellten Sadaf Fatima aber nicht zufrieden: Sie entsprechen nicht den klimatischen Gegebenheiten und versprechen mehr Energieeinsparung als sie tatsächlich bringen. Als eine der ersten Bundeskanzler-Stipendiatinnen aus Indien hat sie nun die Chance am Passivhaus-Institut in Darmstadt mit dem Erfinder eines der erfolgreichsten Konzepte für ressourcenschonendes Bauen zusammenzuarbeiten. Ihr Ziel ist es, mit einem Partner vor Ort den ersten Prototyp eines Passivhauses in Indien zu bauen.
Die Vernetzung mit ihrem Gastgeber öffnet ihr auch außerhalb der bilateralen Kooperation zwischen Deutschland und Indien Türen, zum Beispiel für einen Studienaufenthalt auf Teneriffa – besonders interessant für sie, weil das Klima dort ähnlich ist wie in einigen Küstengebieten Indiens. Ihre Reputation wird durch die Arbeit an dem renommierten Institut auf jeden Fall gewinnen. Aber auch das gemeinsame Weihnachten mit 15 anderen Humboldt-Stipendiaten in Heidelberg wird sie nicht vergessen.
 

„Ich bin so froh über das Vertrauen, das die Stiftung in uns steckt, und die Freiheit, die wir dadurch genießen.“

Suzana Velasco
Foto: Michael Jordan

2013 kam Suzana Velasco mit einem Austauschprogramm für drei Monate nach Deutschland. Schon damals knüpfte sie den ersten Kontakt zu ihrem jetzigen Gastgeber als Bundeskanzler-Stipendiatin, dem Netzwerk Migration in Europa. Die Suche nach einem Gastgeber für ihre Bewerbung war für sie Herausforderung und Chance zugleich. Sie rät, das Projekt gut zu durchdenken und dann sehr gezielt passende Institutionen zu suchen und anzuschreiben. Idealerweise entsteht eine Win-Win-Situation für beide Seiten.
Suzana Velasco beschäftigt sich mit Erzählungen der türkischen Migration in Berlin. Das Thema Migration ist auch in Brasilien von hoher Relevanz, denn unterschiedlichste soziale Gruppen, wie zum Beispiel unqualifizierte Zuwanderer oder von der Regierung angeworbene Ärzte, kommen derzeit ins Land. Einen Unterschied im Vergleich beider Länder hat Suzana Velasco schon ausgemacht: „Unsere Gesellschaft ist nicht darauf vorbereitet. Es gibt keine Vereine, die den Neuankömmlingen helfen, wie in Deutschland, keine Strukturen. In Deutschland ist Migration jeden Tag Thema in den Medien und in der Gesellschaft. Bei uns ist das noch nicht so.“
Der kollegiale Austausch und die Beratung mit den anderen Stipendiaten ihres Jahrgangs helfen ihr sehr. Nach dem Stipendium, ist sie sicher, wird sie neue Aufgaben mit mehr Erfahrung und Selbstvertrauen angehen. Und mit dem Netzwerk der Humboldt-Stiftung im Rücken.
 

„Mir hat die Idee eines Programms gefallen, das Neugierde belohnt und mir die kreative Freiheit gibt, ein Projekt zu verfolgen, das mich begeistert.“

Jason Mannix
Foto: Stephen Voss

Schriftarten kommen heutzutage aus dem Computer. Mit Tintenfässchen, Papier, Federkielen und Schreibfedern hat Typografie nur noch wenig zu tun. Der Grafiker und Bundeskanzler-Stipendiat Jason Mannix ging bei der Typographischen Gesellschaft in München einer alten Schriftart, der Fraktur, nach und entdeckte ein traditionelles Handwerk neu. „Es besteht so gut wie kein Bedarf mehr an Schriftkunst und Handschrift in der digitalen Welt von Textnachrichten und E-Mails“, so Mannix, der versucht, ein besseres Gleichgewicht zwischen der Technologie und der Tradition zu finden. „Mein Wunsch ist, die Fraktur als kreative Ausdrucksform wiederzubeleben, etwas von ihrer Vertrautheit zurückzugewinnen und dem ursprünglichen Handwerk in meiner eigenen beruflichen Entwicklung wieder eine stärkere Bedeutung zu verschaffen“, sagt Mannix, der eine neue Schrift entwickelt hat.
Mit seiner Frau Lindsay hat er die Zeit in Deutschland von 2009 bis 2010 auch privat genossen und viele schöne Erinnerungen mit nach Hause genommen. Von der Weltmeisterschaft mit Özil und Schweinsteiger über Weihnachtsmarktduft bis hin zu Butterbrezel, Spargelzeit und Pelikantinte an seinen Fingern hat er seinen Aufenthalt mit allen Sinnen genossen.
 

„Missverständnisse können durch die Bilder aus den Medien entstehen. Das Bundeskanzler-Stipendium ist somit sehr wichtig, um die Völkerverständigung zu fördern.“

Dandan Wang
Foto: Gaby Gerster

Wang Dandan hat in Peking Deutsche Sprache und Kultur studiert. Das erste Mal in Deutschland war sie mit einem deutsch-chinesischen Austauschprogramm für Journalisten. Das Thema der deutsch-chinesischen Medien ließ sie nicht los: Sie bewarb sich erfolgreich um ein Bundeskanzler-Stipendium bei der Humboldt-Stiftung und untersuchte in ihrem Projekt die Frankfurter Buchmesse im Spiegel deutscher und chinesischer Medien. Was sie daran fesselte, war die Erkenntnis, dass die Medien durch besseres gegenseitiges Verstehen auf beiden Seiten dazu beitragen könnten, Missverständnisse zu vermeiden und die deutsch-chinesische Kommunikation voranzubringen.
Zurzeit arbeitet Wang als Trainee bei der BASF in Ludwigshafen in der Abteilung Corporate Communications & Government Relations, um mehr über interne und externe Kommunikation in internationalen Unternehmen zu lernen.
 

„Ich habe viel über die deutsche Mentalität gelernt und wie man mit Deutschen zusammenarbeitet.“

Sergey Volchenkov
Foto: Gaby Gerster

Sergey Volchenkov ist Finanzwissenschaftler und war von September 2010 bis November 2011 Bundeskanzler-Stipendiat am Lehrstuhl für Investment, Portfolio Management und Alterssicherung der Johann Wolfgang von Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Deutschland erschien ihm als ein exzellenter Standort, um seinen Themenschwerpunkt – die europäischen Rentensysteme – zu studieren und neue Strategien für sein Heimatland zu identifizieren.
Auch nach seiner Rückkehr nach Russland unterhält er zahlreiche, überwiegend berufliche Kontakte mit Deutschland. Er hat gelernt „wie man mit Deutschen zusammenarbeitet“. Das Wörtchen Nein beispielsweise hat in russischen Verhandlungen eine ganz andere Bedeutung als in Deutschland: In Russland bedeutet ein Nein lediglich, dass an der Problemlösung noch gearbeitet werden muss, während ein Nein in Deutschland eine unwiderrufliche Entscheidung ausdrückt.
Heute leitet Volchenkov die Investmentabteilung eines Private Equity Fonds in Russland, der in der EU und insbesondere in Deutschland investiert.