Dossier Philipp Schwartz-Initiative

In ihrer Heimat herrscht Krieg, ihre Forschungsfreiheit wird eingeschränkt oder sie werden verfolgt: In vielen Teilen der Welt sind Wissenschaftler gefährdet. Die Philipp Schwartz-Initiative hilft geflohenen Forschern, an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen Fuß zu fassen.
 

Nedal Said aus Syrien (zweiter von links) und die türkische Translationswissenschaftlerin Meral Camci (zweite von rechts)
Seit Sommer 2016 forschen die ersten Stipendiaten gemeinsam mit deutschen Kollegen: Nedal Said aus Syrien (zweiter von links) arbeitet am UFZ Leipzig, die türkische Translationswissenschaftlerin Meral Camci (zweite von rechts) an der Universität Mainz (Fotos: Humboldt-Stiftung/Nikolaus Brade/Alexander Paul Englert).

Endlich sicher

Der syrische Mikrobiologe Nedal Said gehört zu den ersten Stipendiaten der Philipp Schwartz-Initiative. Er ist über die Türkei nach Deutschland geflohen und hat im Sommer 2016 sein Stipendium am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig begonnen. „Ich arbeite in der Wissenschaft, die Kollegen unterstützen mich, und meine Familie ist endlich bei mir – ich bin wieder ein ganzer Mensch“, sagt der 43-Jährige. Auch die Translationswissenschaftlerin Meral Camci aus Istanbul war eine der ersten Philipp-Schwartz Stipendiatinnen. Sie wurde in der Türkei massiv unter Druck gesetzt, ihre Stelle als Professorin gekündigt, für einige Wochen wurde sie sogar inhaftiert. Heute forscht sie an der Universität Mainz.

Hoffnung für 67 Wissenschaftler

Insgesamt unterstützt die Philipp Schwartz-Initiative bisher 67 Forscher, die aus ihrer Heimat geflohen sind. Die Initiative vergibt Fördermittel an deutsche Hochschulen und Forschungseinrichtungen, mit denen diese ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zwei Jahre lang finanzieren können. Die Humboldt-Stiftung hat die Initiative gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt ins Leben gerufen. Hochschulen, die eine Förderung durch die Philipp Schwartz-Initiative beantragen, müssen unter anderem ein Konzept zum Umgang mit gefährdeten Forschern und ihrer wissenschaftlichen Einbindung vorlegen.

Eine Bereicherung für deutsche Hochschulen

„Wir wollen ein Zeichen für die Weltoffenheit der deutschen Wissenschaft setzen“, betont der Präsident der Humboldt-Stiftung Helmut Schwarz. „Wir helfen Menschen, die unser Wissenschaftssystem bereichern können und zugleich in ihrer Heimat dringend gebraucht werden, wenn es dort eines hoffentlich nicht allzu fernen Tages an den Wiederaufbau geht.“

Nachdem im Sommer 2016 insgesamt 23 Forscher eine Förderung erhielten, konnte die Zahl der Geförderten in der zweiten Runde der Initiative auf 44 erhöht werden. Gegenüber der ersten Ausschreibung haben sich auch die Herkunftsländer der Stipendiaten verändert: Während in der ersten Auswahlrunde die meisten Stipendiaten aus Syrien kamen, stammen die meisten der Stipendiaten der zweiten Auswahlrunde aus der Türkei.

Ausgewählte Universitäten

Zweite Auswahlrunde im Dezember 2016

  • RWTH Aachen
  • Universität Bamberg
  • Universität Bayreuth
  • International Psychoanalytic University Berlin
  • Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin
  • Technische Universität Berlin
  • Zentrum Moderner Orient Berlin
  • Universität Bielefeld
  • EBZ Business School Bochum
  • Ruhr-Universität Bochum
  • BICC Bonn International Centre for Conversion
  • Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
  • Technische Universität Braunschweig
  • Universität Bremen
  • Technische Universität Darmstadt
  • Technische Universität Dresden
  • Universität Duisburg-Essen
  • Hochschule Düsseldorf
  • Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung Erkner
  • Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • Arnold-Bergstraesser-Institut Freiburg
  • Leibniz Universität Hannover
  • Justus-Liebig-Universität Gießen
  • Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg
  • Universität Heidelberg
  • Universität Hohenheim
  • Karlsruher Institut für Technologie – KIT
  • Institut für Weltwirtschaft Kiel
  • Universität zu Köln
  • HHL Leipzig Graduate School of Management
  • Frankenförder Forschungsgesellschaft Luckenwalde
  • Philipps-Universität Marburg
  • Westfälische Wilhelms-Universität Münster
  • Universität Osnabrück
  • Universität Potsdam
  • Universität Siegen
  • Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
  • Bauhaus-Universität Weimar

Erste Auswahlrunde im Juni 2016

  • Universität Bayreuth
  • Freie Universität Berlin
  • Humboldt-Universität zu Berlin
  • Ruhr-Universität Bochum
  • Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
  • Universität Bremen
  • Universität Duisburg-Essen
  • Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Justus-Liebig-Universität Gießen
  • Georg-August-Universität Göttingen
  • Universität Heidelberg
  • Karlsruher Institut für Technologie – KIT
  • Universität zu Köln
  • Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, Leipzig
  • Universität Leipzig
  • Johannes Gutenberg-Universität Mainz
  • Eberhard Karls Universität Tübingen
Philipp Schwartz
Die Philipp Schwartz-Initiative ist nach dem Pathologen jüdischen Glaubens Philipp Schwartz benannt, der selbst 1933 vor den Nazis aus Deutschland fliehen musste und die „Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland“ gründete (Foto: Archiv G. Kreft).

Netzwerke für gefährdete Forscher

Neben der Förderung von Personen ist es ein weiteres Ziel der Initiative, eine Plattform für den Austausch zur Situation gefährdeter Forscher zu organisieren. Dabei arbeitet die Humboldt-Stiftung mit internationalen Partnerorganisationen wie dem Scholars at Risk Network, dem Scholar Rescue Fund und dem Council for At-Risk Academics zusammen. Bis März 2019 übernimmt die Alexander von Humboldt-Stiftung auch das Sekretariat der neu gegründeten deutschen Sektion des Scholars at Risk Network.

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Leiter Referat
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