Humboldtianer persönlich

In Deckung, Experiment!

Von Heinz Oberhummer, aufgezeichnet von Lilo Berg

Eine schöne Sauerei habe ich da angerichtet, da zuckt sogar mein forscher Kollege Werner Gruber (rechts im Bild) ein wenig zurück. Sein Anzug könnte Cola-Spritzer abbekommen – eine Sorge, die ich mir in meinem gelben Schutzanzug nicht machen muss. Wir sind auf der Bühne des Wiener Rabenhof Theaters, das Publikum johlt und klatscht. Und nach der ersten Schrecksekunde freuen auch wir zwei Physiker uns über das gelungene Experiment. Gerade eben habe ich ein paar Mentos-Bonbons in die beiden großen Cola-light-Flaschen fallen lassen und schon spritzt die braune Brühe meterhoch in die Luft. Der Effekt lässt sich naturwissenschaftlich begründen, und wenn jetzt gleich unser dritter Mann, Martin Puntigam, die Bühne betritt und uns ausfragt, werden wir ihm – und damit dem Publikum – alles genau erklären.

Foto: Hubert Mican / ORF
Foto: Hubert Mican / ORF

Werner Gruber ist Physiker und im Hauptberuf Direktor der Wiener Sternwarte, Martin Puntigam ist ein bekannter österreichischer Kabarettist, ich bin Physik-Professor im Ruhestand und zusammen sind wir das Wissenschaftskabarett „Science Busters“. Dass wir so erfolgreich sein würden, hätten wir bei der Gründung 2007 nicht für möglich gehalten. Inzwischen haben wir eine eigene Fernsehshow im ersten Programm des Österreichischen Fernsehens, unsere Bücher und Hörbücher sind Bestseller und wir treten häufig im Theater auf. Es geht um Hirnforschung, Klimawandel oder außerirdisches Leben und immer darum, Wissenschaft verständlich und unterhaltsam darzustellen. Das Publikum soll lachen, ruhig auch mal auf unsere Kosten.

„Wer nichts weiß, muss alles glauben“ – der Satz stammt von der wunderbaren österreichischen Schriftstellerin Marie von Ebner- Eschenbach. Er ist unser Motto. Wir wollen unserem Publikum die falsche Scheu vor der Wissenschaft nehmen und zum Selbstdenken animieren. Zum Beispiel beim Thema Homöopathie – aus unserer Sicht ein großer Hokuspokus, den wir mit Lust sezieren. Keine Zauberei ist dagegen das Cola-Mentos-Experiment: Sobald die Bonbons in die Cola eintauchen, entsteht massenhaft Schaum, der als Fontäne hochspritzt. Mit dem Zuckergehalt des Bonbons hat das nichts zu tun, sondern mit den mikroskopisch feinen Unebenheiten auf dessen Oberfläche: Sie dienen als Kristallisationskeime für Millionen von Kohlendioxidbläschen, die aus der Flüssigkeit herausgelöst werden und emporschießen. Das ist reine Physik und es funktioniert auch mit Bimsstein statt Mentos und Sekt statt Cola. Das Experiment ist kinderleicht – der Schutzanzug empfehlenswert.

aus Humboldt Kosmos 103/2014

Professor Dr. Heinz Oberhummer war in den 1980er-Jahren als Humboldt-Forschungsstipendiat an der Universität Tübingen und wurde im Jahr 2007 an der Technischen Universität Wien emeritiert.