Humboldtianer persönlich

Meine Rasselbande und ich

Von Muna Ali Abdala Mohamed, aufgezeichnet von Teresa Havlicek

Aufstehen, die Kinder wecken, anziehen, Brote schmieren, dann geht’s los. Wenn ich morgens um neun im Labor ankomme, bin ich schon seit halb sechs auf den Beinen. 

Foto: Humboldt-Stiftung / Harry Schnitger
Foto: Humboldt-Stiftung / Harry Schnitger

Auf dem Foto verlassen meine Kinder und ich gerade das Haus. Die beiden Kleinen bringe ich auf dem Weg zum Institut immer in die Kita, meine älteste Tochter zur Schule. Ich bin als Gastforscherin allein mit drei Kindern in Berlin. Mein Mann lebt in unserem Heimatland Sudan und kann uns nur alle vier bis fünf Monate besuchen. Wenn ich von meiner Situation erzähle, reagieren manche Leute, als sei mein Leben eine Katastrophe. Dabei ist es eigentlich ziemlich bequem für mich.

Berlin ist sehr international. Die Menschen sind offen und man kommt leicht in Kontakt. Es gibt Kitas und Schulen. An der Technischen Universität, meiner Gastuniversität, gibt es zusätzlich noch eine flexible Betreuung, die auch mal abends einspringen kann, wenn ich zum Beispiel Mitarbeiterseminare oder Veranstaltungen der Humboldt- Stiftung besuche. Mit Bus und Bahn kommen wir überall gut hin. Meine älteste Tochter kann sogar eine internationale Schule besuchen und wird auf Englisch unterrichtet. Das ist sehr wichtig für uns, weil wir ja nicht für immer in Deutschland bleiben werden. Wenn ich höre, wie negativ viele Leute über das Betreuungsangebot hier sprechen, denke ich manchmal, die wollten nicht mit anderen Ländern tauschen.

Im Sudan beispielsweise gibt es gar keine Unterstützung. Auch eine Kultur des Babysittens kennt man nicht. Wenn überhaupt, schaut die Haushaltshilfe nebenher nach den Kindern. Um Pädagogik, mit den Kindern zu lernen oder mal ein Buch zu lesen, geht es dabei natürlich nicht. In anderen Ländern wie beispielsweise Großbritannien, wo meine Schwester lebt, gibt es zwar Betreuungsangebote. Die Betreuung ist aber auch dort pädagogisch bei weitem nicht so gut wie in Deutschland. Man sollte sich bei allem aber nichts vormachen: Schwierig kann es überall werden. Auch bei mir gibt es Situationen, in denen es stressig ist und in denen ich einfach nur müde und erschöpft bin. Hier in Deutschland weiß ich aber, dass sich alles irgendwie organisieren lässt. Ich habe nicht nur gute Schulen und Erzieher für meine Kinder. Gleichzeitig kann ich auch noch in bestens ausgestatteten Laboren forschen – was will ich mehr.

aus Humboldt Kosmos 105/2016

Dr. Muna Ali Abdala Mohamed ist Georg Forster-Forschungsstipendiatin am Institut für Chemie der Technischen Universität in Berlin, wo sie mit ihren zehn- und fünfjährigen Töchtern und ihrem fast vierjährigen Sohn lebt. Zuvor arbeite sie als Dozentin für Biochemie und Lebensmittelchemie an der University of Khartoum im Sudan.