Schwerpunkt

„Wir müssen erklären, wie eine deutsche Verwaltung tickt “

Interview mit Enno Aufderheide, Generalsekretär der Alexander von Humboldt-Stiftung

Kosmos: Die aktuelle Zwischenbilanz zu fünf Jahren Humboldt-Professur zeichnet ein überwiegend positives Bild. Aber sie identifiziert auch mögliche kritische Bereiche, denen in der Evaluation 2015 nachgegangen werden soll. Worum machen Sie sich Sorgen?
Aufderheide: Eine echte Sorge ist der niedrige Frauenanteil schon unter den Nominierungen. Ansonsten würde ich nicht wirklich von Sorgen sprechen angesichts der vielen positiven Signale. Aber es gibt Hinweise, um die wir uns kümmern müssen. Etwa die Beobachtung, dass offenbar nicht alle Universitäten die Möglichkeiten des Programms ausschöpfen. Das gilt beispielsweise für Dual Career-Angebote. Auch wissen manche Humboldt-Professoren einfach nicht, wie eine deutsche Universitätsverwaltung tickt und funktioniert. Wir haben hierauf schon reagiert und bieten die persönliche Beratung durch den Deutschen Hochschulverband an. Das hilft vielen enorm.

Kosmos: Es gibt vereinzelte Rückmeldungen, dass Zusagen aus den Strategiekonzepten der Universitäten schleppend oder nur teilweise umgesetzt werden.
Aufderheide: Sie sprechen ganz richtig von Einzelfällen. Dennoch werden wir hier in der Evaluation ganz genau hinsehen und die Universitäten beim Wort nehmen. Denn das Universitätskonzept gehört untrennbar zum Gesamtpaket und ist die Grundlage für eine positive Entscheidung unseres Auswahlgremiums. Schließlich sollen die Strategiekonzepte dafür sorgen, mit einer Professur eine optimale Wirkung für die Universität zu erreichen. Das muss das Ziel aller Beteiligten sein.

Kosmos: Das Beispiel der Humboldt-Professur macht international Schule. Hierzulande wird mit der Mercator-Professur die Einrichtung eines ähnlichen Förderprogramms diskutiert. Ist das eine Konkurrenz für die Humboldt- Professur?
Aufderheide: Dass wir im Ausland Nachahmer finden, bestätigt uns. Hier würde ich sagen, Konkurrenz belebt das Geschäft. Bei der Mercator-Professur sehe ich noch einige Fragezeichen. Soll sie die Humboldt-Professur mit anderen Schwerpunkten ergänzen oder soll sie mit ihr konkurrieren? Für den internationalen Wettbewerb ist unser Programm jedenfalls gut eingeführt und das Renommee wächst. Wir sollten diese Marke ausbauen.

Interview: Georg Scholl

aus Humboldt Kosmos 101/2013