Schwerpunkt

Fünf Jahre im Forscherparadies

Was Humboldt-Professoren aus ihrer großen Chance machen

Der Widerstandskämpfer

Hidenori Takagi
Hidenori Takagi
Hidenori Takagi
Foto: Carmen-M. Müller /
MPG

Wenn Strom sich eines Tages überallhin verlustfrei und ohne großen Aufwand übertragen lässt, ist das womöglich das Verdienst von Hidenori Takagi. Von 2014 an wird sich der 52-jährige Japaner als Humboldt-Professor an der Universität Stuttgart und dem Max-Planck-Institut für Festkörperforschung auf die Suche nach Materialien mit bislang unbekannten Eigenschaften begeben. Der Physiker gilt als einer der originellsten Köpfe seines Fachs. Berühmt wurde er vor einigen Jahren, als er eine neue Klasse von Materialien aufspürte, die keinen elektrischen Widerstand leisten. Anders als gewöhnliche Supraleiter, die man fast bis auf den absoluten Nullpunkt von minus 273 Grad Celsius kühlen muss, kommen Takagis Materialien schon mit rund minus 150 Grad aus. In Stuttgart soll der Forscher nun die Entdeckung weiterer advanced materials vorantreiben.

Die Mikrobenjägerin

Emmanuelle Charpentier
Emmanuelle Charpentier
Emmanuelle Charpentier
Foto: HZI

Wie gelingt es Bakterien, sich gegen Antibiotika zunehmend zur Wehr zu setzen? Und mit welchen Methoden könnte man den Erregern ein Schnippchen schlagen? Das sind Fragen, mit denen sich die neue Humboldt-Professorin Emmanuelle Charpentier beschäftigt. An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig untersucht die 45-jährige Französin, wie das Erbgut und die Proteine der Bakterien bei einer Infektion miteinander interagieren. Ihr Ziel ist es, alle biologischen Prozesse in den Erregern kontrollieren zu können. Am TWINCORE, einem von der MHH und dem HZI gegründeten Zentrum, soll das neue Wissen schneller als bisher in Medikamente umgesetzt werden. Von 2014 an wird die Mikrobiologin dort zu einer intensiveren Zusammenarbeit von Grundlagenforschern und Medizinern beitragen.

Der Roboterbeseeler

Oliver Brock
Oliver Brock
Oliver Brock 
Foto: TU Berlin / Ulrich Dahl

Oliver Brock hat eine Vision: Der im Jahr 2009 zum Humboldt- Professor ernannte Informatiker will Roboter entwickeln, die fast so intelligent wie ein Mensch sind und doch ungleich präziser agieren. Heutige Roboter können nur die gleichen Aufgaben im stets gleichen Umfeld übernehmen. Die autonomen Helfer, an denen der 44-jährige Brock an der Technischen Universität Berlin arbeitet, sollen eines Tages komplizierte Reaktionen und Bewegungsabläufe beherrschen und in Medizin, Raumfahrt oder bei radioaktiven Unfällen wertvolle Dienste leisten. Dafür stattet der Wissenschaftler, der vor der Rückkehr in seine Heimatstadt 15 Jahre lang in den USA forschte, sie mit Kameras und filigranen Greifarmen aus und entwickelt Computerprogramme für sie. Die Software gibt den Robotern quasi ein Gehirn: So können sie lernen, eigenständige Entscheidungen zu treffen.

Der Cyberphilologe

Gregory Crane
Gregory Crane
Gregory Crane
Foto: Sven Müller

Gregory Ralph Crane ist ein Wanderer zwischen zwei Welten. Als Altphilologe möchte der 56-Jährige vor allem die Kultur der Antike besser verstehen. Ungewöhnlich sind die Mittel, die der 2013 mit der Humboldt-Professur ausgezeichnete US-Forscher nutzt: Crane entwickelt Software, mit deren Hilfe er die Kulturgeschichte des Menschen im Detail zu erfassen versucht. Eines seiner Vorzeigeprojekte ist die Perseus Digital Library, die an der Tufts University in Medford, USA, beheimatet ist. Dort baute Crane eine digitale Bibliothek aller verfügbaren antiken Texte auf, die zugleich eine Übersetzung in moderne Sprachen erlaubt und zahlreiche Instrumente zur Textanalyse enthält. An der Universität Leipzig will Crane mit seinem Lehrstuhl für Digital Humanities den Cyberspace noch intensiver nutzen. So soll sich künftig jeder Student an der Übersetzung und Analyse von bislang kaum beachteten Schriften beteiligen können.

aus Humboldt Kosmos 101/2013