Schwerpunkt

Eine kurze Geschichte

Von Lilo Berg

Die Entwicklung der Digital Humanities ist eng mit der des Computers verbunden. Das Internet hat ihr in den 1990er-Jahren zusätzlichen Schwung verliehen. Hier einige Meilensteine:

1949
Roberto Busa, ein italienischer Jesuit, beginnt mithilfe von IBM ein großes computergestütztes Editionsprojekt. Es ist die Geburtsstunde der Digital Humanities.

1966
An der Universität Tübingen entwickelt Wilhelm Ott das wegweisende Programm TUSTEP für die Textdatenverarbeitung in den Geisteswissenschaften.

1973
Europas Digital Humanists schließen sich zusammen in der Association for Literary and Linguistic Computing. Daraus geht später der Verband EADH hervor.

1985
Das Perseus-Projekt beginnt an der Harvard University.

1986
Literary and Linguistic Computing (LLC), die führende Fachzeitschrift des Forschungsfelds, erscheint erstmalig.

1994
Technische Standards werden mit TEI gesetzt, einem bis heute genutzten Dokumentenformat zur Kodierung und zum Austausch von Texten.

1998
Roberto Busa erhält den ersten, nach ihm benannten Preis für eine exzellente Lebensleistung in den Digital Humanities.

2004
Google Books wird aus der Taufe gehoben. Das Onlineprojekt ist heute die größte Bibliothek der Welt mit schätzungsweise 25 Millionen Titeln.

2006
In den USA startet die Digital Humanities-Initiative. Das Förderprogramm ist ein Schub für das gesamte Forschungsgebiet.

2010
Google Ngram Viewer, ein Programm zum Aufspüren kultureller und sozialer Trends, steht im Internet für alle zur Verfügung.

2011
„Science“ veröffentlicht die Arbeit von Erez Lieberman Aiden und Jean-Baptiste Michel über Culturomics.

2014
Der junge Verband Digital Humanities im deutschsprachigen Raum expandiert. Nach seiner Gründung im Jahr 2012 zählt er nach Angaben des Vorstands heute bereits über 160 Mitglieder.

aus Humboldt Kosmos 102/2014