Schwerpunkt

Forscher verändern die Welt

Von Lilo Berg / Illustrationen: Karo Rigaud

In Ägypten stärken sie den Geist der Freiheit, in Kolumbien vermitteln sie im Bürgerkrieg und in den Vereinigten Staaten retten sie das Klima. Sie sind über die ganze Welt verteilt, haben die unterschiedlichsten Aufgaben und eine Gemeinsamkeit: Alle sind sie Humboldtianer und dadurch Mitglied einer weltumspannenden Gemeinschaft , die gegenseitiges Vertrauen schafft. Wer dazugehört, hat sich durch hervorragende Leistungen in der Wissenschaft ausgezeichnet. Der Weg mag später in eine andere Richtung führen, in die Politik zum Beispiel, in den Kulturbetrieb oder in die Wirtschaft . Humboldtianer aber bleibt man ein Leben lang.

Alexander von Humboldt, der große Naturforscher und Namensgeber der Stiftung, zog vor gut zweihundert Jahren von Deutschland aus in die Welt. Humboldtianer gehen den umgekehrten Weg: Sie kommen aus mehr als 140 Ländern nach Deutschland, allein oder mit Angehörigen, um hier eine Zeit lang in größtmöglicher Selbstbestimmtheit zu forschen. Für manche ist es der entscheidende Karrieresprung, für andere die ersehnte Denkpause, viele arbeiten im Labor, nicht wenige schreiben ein Buch. Wenn es dann zurück nach Hause geht, reist ein Stück Deutschland mit. Oft entsteht eine lebenslange Verbundenheit, deren Wert kaum zu überschätzen ist. Humboldtianer bereichern Deutschland und zählen zu seinen besten Botschaftern im Ausland.

Dialog und Austausch sind heute – in einer konfliktreichen Welt, die immer enger zusammenrückt – so wichtig wie eh und je. Es geht um Freiheit, Frieden und eine gute Existenz für alle – diesen Zielen haben sich Humboldtianer in allen Teilen der Erde verpflichtet. Sie knüpfen Netzwerke in Afrika, um die wissenschaftliche Exzellenz zu fördern und dem Brain-Drain entgegenzuwirken, sie fördern den kulturellen Austausch zwischen Indien und den deutschsprachigen Ländern, sie schaffen eine freiheitliche Rechtsordnung in Osteuropa. Der Kosmos stellt sieben Beispiele vor, die zeigen: Forscher wollen die Welt erkennen; Humboldtianer wollen sie auch verbessern.

Südafrika: Die Wegbereiterin

Wenn für junge afrikanische Wissenschaftler die Wanderjahre anbrechen, sagen sie ihrem Kontinent Ade. „Unsere Postdocs zieht es nach Großbritannien, Frankreich oder in die Vereinigten Staaten – und viele kehren nicht mehr zurück“, sagt Heather Marco von der University of Cape Town in Südafrika. Ein Forschungsaufenthalt an einer afrikanischen Hochschule sei für den Nachwuchs meist keine ernsthafte Option, bedauert die Zoologie-Professorin und Humboldtianerin – und das will sie ändern.

Heather Marco

Marco ist eine treibende Kraft im African-German Network of Excellence in Science, kurz: AGNES. Die 2011 ins Leben gerufene Initiative möchte Forschungskooperationen von Wissenschaftlern in der Region und Kollegen aus Deutschland stärken und die Jugend zur Mitarbeit gewinnen. „Afrika ist mitten in einem gewaltigen Umbruch“, sagt Heather Marco. Und nur mit mehr Forschung und Innovation sei eine nachhaltige Entwicklung möglich.

In einem ersten Schritt wird nun eine Datenbank aufgebaut, um den Austausch untereinander zu erleichtern. Sie wird einmal, so der Plan, umfassende Informationen über Wissenschaftler und Universitäten auf dem Kontinent liefern. Sollte künftig also in einem namibischen Labor ein teures Instrument fehlen, das es in einem Nachbarland gibt, bietet sich vielleicht eine Kooperation mit den dortigen Kollegen an. „Heute wird das gar nicht in Betracht gezogen“, hat Marco beobachtet.

Eine Datenbank allein aber kann die Probleme nicht lösen. Im Kern geht es um den Ruf afrikanischer Universitäten, und den wollen Marco und ihre Mitstreiter mit Programmen zur Qualitätssicherung stärken. Besonders wichtig ist ihnen die Förderung von Frauen in der Wissenschaft : Heather Marco etwa geht oft in Schulen, um Mädchen für eine akademische Karriere zu begeistern, sie ermutigt Studentinnen zur Promotion – und ebnet ihnen dann den Weg nach Deutschland.

Als exzellente Wissenschaftsnation sei Deutschland in Afrika viel zu wenig bekannt, sagt sie. Für das Land spreche aber noch ein weiterer Grund: „Vor allem die Humboldt-Stiftung schickt unsere besten Talente auch wieder zurück.“

  • Dr. Heather Marco ist Associate Professor an der University of Cape Town, Südafrika, und Vorsitzende des African-German Network of Excellence in Science, AGNES. Für ihre Verdienste um den akademischen Austausch zwischen Afrika und Deutschland erhielt sie im Jahr 2013 den Humboldt-Alumni-Preis. Von 2002 bis 2003 forschte die Zoologin als Humboldt-Forschungsstipendiatin an der Universität Hamburg. Später kehrte sie für Alumni-Aufenthalte an der Universität Osnabrück nach Deutschland zurück.

Georgien: Der Rechtsreformer

„In zehn Jahren“, sagt Lado Chanturia, „sehe ich Georgien als prosperierendes Mitglied der europäischen Familie – mit besonders engen Beziehungen zu Deutschland.“

Lado Chanturia

Mit seiner optimistischen Prognose bringt der Rechtswissenschaftler Chanturia – er ist seit Anfang 2014 georgischer Botschafter in Deutschland – die Hoffnungen vieler Landsleute auf den Punkt. Nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine fühlen sie sich bedroht und suchen raschen Anschluss an westliche Bündnisse. Doch zunächst muss das kleine Land am Schwarzen Meer die Bedingungen des im Sommer geschlossenen Assoziierungsabkommens mit der Europäischen Union erfüllen. Es sind zum Beispiel zahlreiche Änderungen in georgischen Gesetzen erforderlich. Sie fußen auf einem Rechtssystem, das in einem gewaltigen Kraftakt Anfang der 1990er-Jahre umgestellt wurde.

Damals, als der Ostblock zusammenbrach, hatte Lado Chanturia ein frisches, aber nutzloses Juristendiplom sowjetischer Prägung in der Tasche. Sein Land brauchte jetzt eine neue Verfassung, in der Privateigentum erlaubt war. Um vom deutschen Vorbild zu lernen, ging Chanturia 1991 mit einem Stipendium nach Göttingen. Anschließend trug er maßgeblich zum neuen georgischen Zivilgesetzbuch bei, stieg zum Justizminister seines Landes auf, legte sich mit den Richtern alter Schule an, ließ erstmals alle Gerichtsurteile veröffentlichen und wurde schließlich Präsident des Obersten Gerichts. Dann, im Jahr 2004, gab er sein hohes Amt ab, wechselte als Humboldt-Forschungsstipendiat wieder ganz in die Forschung und schrieb in Hamburg ein Lehrbuch über das Unternehmensrecht.

Bis heute wird der renommierte Jurist als Berater in Länder wie Kasachstan und Turkmenistan gerufen. Mit seinem Rechtssystem sei Georgien inzwischen ein Vorbild für den gesamten postsowjetischen Raum, sagt Lado Chanturia. Sein Land hat einen weiten Weg zurückgelegt – und das Ziel ist nach wie vor Europa.

  • Professor Dr. Dr. h.c. Lado Chanturia ist Botschafter Georgiens in Deutschland. Als Humboldt- Forschungsstipendiat forschte der Rechtswissenschaftler am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht in Hamburg. Seit 1995 lehrt Lado Chanturia Privatrecht an der Ivane Javakhishvili Tbilisi State University in Georgien.

Vereinigte Staaten von Amerika: Der Klimaretter

Ernest Moniz könnte ein ruhigeres Leben führen. Und doch ist er als 68-Jähriger noch einmal in die politische Arena gestiegen – als Energieminister im Kabinett von US-Präsident Barack Obama.

Ernest Moniz

Sein Amt trat der renommierte Physikprofessor im Sommer 2013 an, als Nachfolger des Physik-Nobelpreisträgers Steven Chu, auch er ein Humboldtianer. Seither ist Moniz oft nach seinen Beweggründen gefragt worden. Der drohende Klimawandel, sagt er dann, treibe ihn an, und die Überzeugung, dass ein Kurswechsel dringend erforderlich sei: „Wir müssen unser Energiesystem, das auf fossilen Brennstoffen basiert, ändern.“ Das sind entschiedene Worte, die den neuen Kurs der Obama-Regierung unterstreichen: Sie erhebt den Klimaschutz zur politischen Priorität und will Amerika weltweit zum Vorreiter auf diesem Gebiet machen. So stärkt sie auch die eigene Position gegenüber den neuen Industrienationen in Asien und Südamerika, die bei Verhandlungen über ehrgeizigere Klimaziele immer wieder auf ihren Nachholbedarf gegenüber etablierten Wirtschaftsmächten wie den USA pochen.

Für Ernest Moniz ist das Ganze eine Herkulesaufgabe. Denn noch haben die USA nach China den zweithöchsten Energieverbrauch weltweit und rund 70 Prozent ihres Stroms werden derzeit aus Kohle, Gas und Öl gewonnen. Ein fossiler Energieträger ist auch das einheimische Schiefergas, das mithilfe des in Deutschland umstrittenen Frackings in immer größeren Mengen aus dem Boden geholt wird. Das Erdgas erspart den USA teure Importe und hat der Wirtschaft einen neuen Boom beschert. Zugunsten des Klimas darauf zu verzichten, fiele Amerika schwer – und das fordert der pragmatisch denkende Energieminister auch nicht. Denn Schiefergas belastet zwar die Atmosphäre, aber längst nicht so stark wie Kohle, deren Nutzung Moniz sauberer gestalten und letztlich zurückfahren will.

Anders als Deutschland möchte der gelernte Kernphysiker nicht auf die Nuklearenergie verzichten. Relevanter aber werden die erneuerbaren Energien für Amerika sein. Ihr Anteil an der Stromproduktion steigt rasant und liegt derzeit bei rund 13 Prozent. Schon im Jahr 2030, so Ernest Moniz, sollen es 30 bis 40 Prozent sein. Damit läge sein Land an der Weltspitze.

  • Professor Dr. Ernest Moniz wurde im Jahr 2013 zum US-Energieminister ernannt. Zuvor war er Cecil and Ida Green Professor für Physik am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, USA. Das Energieministerium kennt Moniz noch aus seiner Zeit als Staatssekretär von 1997 bis 2001, damals in der Regierung von Bill Clinton. 1989 hat Ernest Moniz den Humboldt- Forschungspreis erhalten und mit Unterstützung der Alexander von Humboldt-Stiftung in den folgenden fünf Jahren regelmäßig an der Universität Erlangen-Nürnberg geforscht.

Kolumbien: Die Friedensstifter

Es ging Angelika Rettberg gut in den Vereinigten Staaten. Sie hatte gerade an der Boston University in Politikwissenschaften promoviert, eine attraktive Stelle stand in Aussicht – die junge Deutsch-Kolumbianerin und ihr Mann hätten ein gepflegtes akademisches Leben in Nordamerika führen können.

Angelika Rettberg und Yesid Reyes Alvarado

Doch dann, im Jahr 2000, kehrten die beiden in das krisengeschüttelte Kolumbien zurück. „Das Land hungerte nach Frieden“, sagt Angelika Rettberg, „und wir wollten unseren Teil dazu beitragen.“ Mit den Methoden der Friedens- und Konfliktforschung untersucht sie seither an der Universidad de los Andes in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá die Ursachen der von Drogenkartellen angeheizten Gewaltausbrüche zwischen Guerillagruppen und staatlichen Sicherheitskräften. Sie erschüttern das Land seit den 1960er-Jahren und haben hunderttausende Menschen das Leben gekostet.

Bekannt wurde Angelika Rettberg durch ihre Interviews mit Rebellen und Opfern des Bürgerkriegs, sie berät Regierungsvertreter, leitet Bürgerkonferenzen und nimmt an öffentlichen Debatten teil. Extrem ungleiche Besitzverhältnisse seien ein Nährboden der Gewalt, sagt sie und fordert für die Zukunft mehr Verteilungsgerechtigkeit bei Land und Bodenschätzen: „Nur so kommen wir zu einem dauerhaften Frieden.“ Den versucht die Regierung im Dialog mit den Rebellen zu erreichen, doch viele Kolumbianer sind für deren Niederschlagung durch das Militär.

Es sei harte Arbeit, sagt Angelika Rettberg, ihre Landsleute vom friedlichen Kurs zu überzeugen. Doch die Mühe scheint sich zu lohnen: Im Sommer wurde Präsident Juan Manuel Santos wiedergewählt und erhielt damit das Mandat, die Friedensverhandlungen mit den Guerillagruppen weiterzuführen. Eine wichtige Rolle in diesem Prozess spielt auch der neue Justizminister Yesid Reyes Alvarado, ebenfalls ein Humboldtianer. Sein Vater wurde in den Achtzigerjahren von Rebellen erschossen. Für das tief gespaltene Land, in dem Opfer und Täter oft dicht beieinander leben, könnte er zu einem Symbol der Versöhnung werden.

  • Professorin Dr. Angelika Rettberg nutzte ihr Humboldt-Forschungsstipendium, um von 2013 bis 2014 am German Institute of Global and Area Studies (GIGA) in Hamburg zu arbeiten. Die Tochter einer Deutsch-Kolumbianerin und eines Deutschen lehrt Politische Wissenschaften an der renommierten Privatuniversität Universidad de los Andes in Bogotá, Kolumbien. Auch der neue Justizminister Professor Dr. Yesid Reyes Alvarado lehrte mehrere Jahre an der Universidad de los Andes. Der Strafrechtler war zwischen 1990 und 1992 im Rahmen eines Humboldt-Forschungsstipendiums in Deutschland.

Indien: Der Verknüpfer

Seit mehr als vierzig Jahren ist der Germanistik-Professor Anil Bhatti unterwegs: zwischen seinem Heimatland Indien und Europa ebenso wie zwischen den Sphären von Literatur, Philosophie und internationaler Politik.

Anil Bhatti

Diese Fachrichtungen hat er studiert und ein Forscherleben lang immer wieder zueinander in Beziehung gesetzt. Zum Beispiel in der Diskussion um moderne Migrationsgesellschaften, wie sie derzeit überall auf der Welt entstehen. Funktionieren können diese komplexen Gebilde allerdings nur, sagt Bhatti, wenn der Blick stärker auf das Verbindende, die Ähnlichkeiten zwischen den Kulturen, gerichtet werde. „Bisher haben wir uns zu sehr auf die Differenzen konzentriert.“ Das aber festige die Distanz und fördere die Blockbildung, etwa von Christen einerseits und Muslimen andererseits – mit der ständigen Gefahr von Zusammenstößen.

Eine Lösung sieht der 70-jährige Literaturwissenschaftler in einer Kommunikationsgesellschaft, die ihre kulturelle Vielfalt als Reichtum begreift und in der es in ständig wechselnden Allianzen schlicht darum geht, gut miteinander auszukommen. Utopisch sei das nicht, und in Hafenstädten, großen Metropolen oder abgelegenen Dörfern gelinge es in täglicher Praxis immer wieder.

„Deutschland und die deutschsprachigen Länder Europas besitzen hier ein enormes symbolisches Kapital“, konstatiert Bhatti. Als Vordenker für ein gleichwertiges, kritisches Miteinander der Kulturen betrachtet der bekannte Goethe-Forscher die deutschen Klassiker, aber auch Autoren der Exilliteratur wie Kafka, Brecht und Musil: „Es handelt sich um eine stets erweiterbare ideale Bibliothek, deren Lektüre sich in unserer Migrationswelt immer wieder lohnt und der Germanistik zu neuer Relevanz verhilft.“

  • Professor Dr. Anil Bhatti gehört seit Mitte der 1970er-Jahre zur Humboldt-Familie. Das Forschungsstipendium, das den Literaturwissenschaftler von der Jawaharlal Nehru University in Neu-Dehli, Indien, damals nach Deutschland führte, stand am Anfang einer langen, engen Kooperation mit deutschen Universitäten. Für seine Verdienste um den wissenschaftlichen Austausch zwischen Indien und Deutschland erhielt Bhatti im Jahr 2001 den Jacob- und Wilhelm-Grimm-Preis. Später folgten das Bundesverdienstkreuz und im Jahr 2011 der Humboldt-Forschungspreis.

Ägypten: Die Freidenkerin

Als die Situation auf dem Tahrir-Platz eskalierte, ging Randa Aboubakr auf die Straße. Die ägyptische Revolution vom Januar 2011 war erst ein paar Tage alt und schon hatte das alte Regime zum brutalen Gegenschlag ausgeholt.

Randa Aboubakr

*Freiheit

„Da konnte ich nicht länger tatenlos zuschauen“, sagt die Literatur-Professorin von der Cairo University im Rückblick. Sie schloss sich den Demonstranten an und zog für fast drei Wochen in das Protestcamp auf dem Tahrir-Platz im Zentrum Kairos. „So tolerant, solidarisch und rücksichtsvoll hatte ich meine Landsleute nie erlebt“, schwärmt Aboubakr noch heute, „für kurze Zeit war es eine ideale Gemeinschaft von Menschen, die endlich frei über ihr Leben entscheiden konnten.“

Sie selbst sollte im Sommer des Revolutionsjahrs zu einer Symbolfigur des Arabischen Frühlings werden. Bei freien Wahlen an ihrer Universität hatten die Professoren der renommierten geisteswissenschaftlichen Fakultät sie zur Dekanin erkoren. Erstmals sollte eine Frau dieses Amt übernehmen: Die spektakuläre Nachricht ging sofort um die ganze Welt. Sie habe den Posten nicht angestrebt, sagt Randa Aboubakr, wegen ihrer Unerfahrenheit in Leitungsfragen habe sie sogar Angst davor gehabt. Angetreten hat sie das Amt nie, denn auf Intervention des Hochschulministeriums wurde die Wahl bald darauf für ungültig erklärt und ein anderer Dekan eingesetzt.

Heute, knapp vier Jahre nach der ägyptischen Revolution, sei die Aufbruchstimmung auf dem Campus verflogen, bedauert die Wissenschaftlerin. Gerade die Professoren, auf deren Wort das Volk höre, könnten viel für die demokratische Idee tun, doch die meisten Hochschullehrer seien gleichgültig geworden. Und so baut die Englisch-Professorin auf die nächste Generation: „Ich versuche, den Geist der Freiheit in meinen Studenten zu nähren.“ Sie ermutigt die jungen Leute zur Auseinandersetzung mit politischen Themen – im persönlichen Gespräch und im Internet auf ihrer Facebook-Seite, die sie zu einem Debattenforum ausgebaut hat.

Es werde noch lange dauern, bis ihr Land zur Demokratie finde, es werde herbe Rückschläge geben und vielleicht sogar eine neue Diktatur, sagt Randa Aboubakr: „Aber ich bleibe in Ägypten und ich sage weiterhin, was ich denke.“

  • Professorin Dr. Randa Aboubakr lehrt Englisch und Vergleichende Literaturwissenschaften an der Cairo University, Ägypten. Weltweit bekannt wurde sie als Aktivistin der Revolution von 2011. Als Humboldt-Forschungsstipendiatin war sie von 2007 bis 2009 an der Freien Universität Berlin und am Berliner Zentrum Moderner Orient. Im Jahr 2013 erhielt sie den Humboldt-Alumni-Preis.
aus Humboldt Kosmos 103/2014