Titelthema: Glück

Weltkarte des Glücks

Fortschrittliche Politiker plädieren dafür, neben dem Bruttosozialprodukt auch das Bruttosozialglück ihrer Länder zu messen. Genau damit beschäftigen sich auch verschiedene Glücksforscher. Ein Ergebnis ist die von Forschern der britischen University of Leicester 2006 erstellte „World Map of Happiness“, für die der Psychologe Adrian White mit seinem Team Daten aus mehr als 100 Untersuchungen von Institutionen wie der Weltgesundheitsorganisation WHO und der UNESCO auswertete.

Weltkarte des Glücks
Foto: Copyright 2006 SASI Group
(University of Sheffield) und
Mark Newman (University of Michigan).
www.worldmapper.org

Da auch diese Untersuchungen „nur“ das subjektive Glücksempfinden der rund 80 000 befragten Personen messen, ist ihre wissenschaftliche Aussagekraft begrenzt. Interessante Einblicke in kulturell unterschiedliche Glücksdefinitionen und universale Glücksfaktoren geben sie dennoch. Weitgehend bestätigt werden diese zudem durch die Ergebnisse einer neueren, ähnlichen Auswertung des niederländischen Glücksforschers Ruut Veenhoven von der Erasmus Universiteit Rotterdam.

Wo also sind die Menschen am glücklichsten? Beim durchschnittlichen Glücksempfinden liegen die Dänen in Whites Untersuchung ganz vorn, gefolgt von der Schweiz und Österreich. Deutschland erreicht Platz 35 von 178 Staaten. Das Schlusslicht bildet Burundi.

Am zufriedensten mit der eigenen Lebenssituation sind die Menschen in Ländern mit einer guten Gesundheitsversorgung, hohen Wachstumsraten und gutem Zugang zum Bildungssystem. Dazu gehören auch die europäischen Länder unter den Top 10 – neben Dänemark, der Schweiz und Österreich sind dies Island, Finnland und Schweden: Sie sind durchweg wohlhabend, besitzen ein funktionierendes Gesundheits- und Bildungssystem, eine relativ niedrige Arbeitslosigkeit und eher geringe soziale Unterschiede. Asiatische Länder wie China (Platz 82), Japan (Platz 90) und Indien (Platz 125) schneiden trotz wachsendem Wohlstand relativ schlecht ab. Der große Gemeinsinn und die starke kollektive Identität der Bevölkerung in diesen Ländern scheinen nicht glücksfördernd zu sein. Den Glücksforschern zufolge sind Freiheit, Demokratie und die Möglichkeit, das eigene Leben selbst zu gestalten und zum Beispiel einen interessanten, verantwortungsvollen Beruf auszuüben, weitaus förderlicher für den Glücksquotienten der Menschen.

aus Humboldt Kosmos 97/2011