12. Mai 2011, Nr. 17/2011

Neue Spitzenkräfte für die Wissenschaft in Deutschland

Staatssekretärin Quennet-Thielen und der Präsident der Humboldt-Stiftung Schwarz verleihen in Berlin die Humboldt-Professuren

Preisverleihung Humboldt-Professur in Berlin
Preisverleihung in Berlin
Foto: Humboldt-Stiftung/
David Ausserhofer

Acht Spitzenwissenschaftler wurden am Donnerstagabend in Berlin mit dem höchstdotierten internationalen Preis für Forschung in Deutschland ausgezeichnet. Die Alexander von Humboldt-Professuren wurden von der Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Cornelia Quennet-Thielen, und dem Präsidenten der Humboldt-Stiftung, Helmut Schwarz, verliehen. Die Preisträger wurden von deutschen Hochschulen nominiert und sollen langfristig in Deutschland forschen.

„Die Alexander von Humboldt-Professur steht für höchste Ansprüche – sie zeichnet die besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus und ist ein Ansporn für nachhaltige Forschung an exzellenten Universitäten in Deutschland. Umso mehr freue ich mich, dass wir dieses Jahr acht weltweit anerkannte Wissenschaftler für diesen höchstdotierten Preis gewinnen konnten“, sagte Staatssekretärin Quennet-Thielen. „Dies zeigt, wie attraktiv unsere Wissenschaftslandschaft ist: Die Humboldt-Professur befindet sich erst in der dritten Runde, doch ihre internationale Strahlkraft ist bereits groß.“

„Die Alexander von Humboldt-Professur bietet den Hochschulen ein Instrument, um international umworbene Wissenschaftler auf Schlüsselpositionen zu berufen. Damit ergänzt diese Professur gleichsam die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern. Und da ein unauflösbarer Zusammenhang zwischen exzellenter Forschung und sehr guter Lehre besteht, sollen die Universitäten auch Studierende in aller Welt auf sich aufmerksam machen“, sagte der Präsident der Humboldt-Stiftung Schwarz.

Mit der Alexander von Humboldt-Professur zeichnet die Humboldt-Stiftung jährlich bis zu zehn weltweit führende und im Ausland tätige Forscherinnen und Forscher aller Disziplinen aus. Neben der herausragenden wissenschaftlichen Qualifikation der Kandidaten sind die Konzepte der Hochschulen entscheidend, die den Forschern und ihren Teams eine dauerhafte Perspektive in Deutschland bieten sollen. Das Preisgeld von 3,5 Millionen Euro für theoretisch arbeitende und 5 Millionen Euro für experimentell arbeitende Wissenschaftler finanziert das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Die Preisträger und ihre Universitäten in Deutschland sind:

Harald Clahsen, Psycholinguistik, Universität Potsdam
Harald Clahsen ist einer der international angesehensten deutschen Linguisten. Er zählt zu den führenden Forschern auf den Gebieten Spracherwerb, Sprachverarbeitung sowie Sprachstörungen und verbindet bei seiner Arbeit theoretische Linguistik mit experimenteller Psycholinguistik und neurowissenschaftlichen Techniken. An der Universität Potsdam soll Clahsen Professor für "Psycholinguistics of Multilingualism" und Gründungsdirektor des neuen "Potsdam Research Institute of Multilingualism (PRIM)" werden und damit den "Exzellenzbereich Kognitionswissenschaften" der Humanwissenschaftlichen Fakultät verstärken.

David DiVincenzo, Quantenphysik, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH) und Forschungszentrum Jülich
David DiVincenzo hat sich als einer der ersten Physiker mit der Quanteninformation beschäftigt und gilt als Koryphäe der Quanteninformationsverarbeitung. Mit seinem Namen wird insbesondere die Entwicklung von Kriterien für den Quantencomputer verbunden, den so genannten "DiVincenzo criteria". Seine Arbeiten haben darüber hinaus auch Bedeutung in den Materialwissenschaften und der Festkörperphysik. DiVincenzo soll im Rahmen der Jülich Aachen Research Alliance (JARA) Leiter des neu zu gründenden Instituts "Theoretical Quantum Information" der RWTH Aachen werden und zugleich am Forschungszentrum Jülich das Institut für Nanoelektronik leiten.

Brian Foster, Teilchenphysik, Universität Hamburg und DESY, Hamburg
Brian Foster gilt als einer der bedeutendsten experimentellen Elementarteilchenphysiker. Er war führend bei zahlreichen internationalen Projekten an Teilchenbeschleunigern und trug durch seine theoretischen Arbeiten, aber auch praktisch, etwa durch die Entwicklung innovativer Messinstrumente, zum Fortschritt der Beschleunigerphysik bei. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen zählt der Humboldt-Forschungspreis (1999). Foster soll am Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY arbeiten und als Professor an der Universität Hamburg forschen und lehren.

Gerhard Kramer, Nachrichtentechnik, Technische Universität München
Gerhard Kramer ist einer der weltweit herausragenden Wissenschaftler in der Informationstheorie und Nachrichtentechnik. Seine innovativen Leistungen auf den verschiedensten Gebieten der Telekommunikationstechnik von Funktechnik bis hin zur optischen Datenübertragung sind hoch anerkannt. In seiner Karriere verband Kramer stets Theorie mit Anwendung, etwa während seiner Tätigkeit bei den Bell Labs in den USA, eine der weltweit führenden Industrieadressen für angewandte Forschung. An der TU München soll Kramer den Lehrstuhl für Nachrichtentechnik einnehmen und helfen die weltweite Spitzenstellung Münchens auf diesem Gebiet zu erhalten und auszubauen.

Dirk Kreimer, Mathematische Physik, Humboldt-Universität zu Berlin
Dirk Kreimer ist einer der international führenden Forscher auf dem Gebiet der mathematischen Physik. Als Physiker genießt er nicht nur höchste Anerkennung unter Kollegen seiner Disziplin, sondern auch unter Spitzenmathematikern, mit denen er regelmäßig zusammenarbeitet. An der Humboldt-Universität zu Berlin soll Kreimer die Symbiose von Mathematik und theoretischer Physik in Deutschland auf Gebieten wie der Quantenfeldtheorie voranbringen und dazu beitragen, dass Deutschland zur Weltspitze aufschließt. Kreimer soll sowohl Mitglied des Instituts für Mathematik als auch des Instituts für Physik werden sowie Direktor am neuen "Interdisziplinären Zentrum für Mathematische Physik".

Hannes Leitgeb, Philosophie, Ludwig-Maximilians-Universität München
Hannes Leitgeb ist einer der weltweit führenden Wissenschaftler an der Schnittstelle zwischen Logik, Mathematik und Kognitionswissenschaften. Zu seinen zahlreichen innovativen Beiträgen zählt die Arbeit an künstlichen neuronalen Netzwerken. Hier schlägt Leitgeb die interdisziplinäre Brücke zur Erforschung Künstlicher Intelligenz und zur Hirnforschung. In München soll Leitgeb ein neues Zentrum für mathematische Philosophie aufbauen, das eng mit den Bereichen Neurophilosophie und Neurowissenschaften zusammenarbeiten soll.

Vahid Sandoghdar, Nanooptik, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts, Erlangen
Vahid Sandoghdar ist einer der weltweit führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der Nanooptik, die er mit der Nanophotonik mit Einzelmolekülen um ein neues Thema erweitert hat. Mit den von ihm eingeführten experimentellen Techniken hatte er einen großen Einfluss auch auf andere Forschungsgebiete, wie die Physikalische Chemie, Biophysik, optische Mikroskopie und Quantenoptik. Sandoghdar soll Direktor am Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts und Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg werden, um dort den strategischen Forschungsschwerpunkt Optik zu verstärken und in Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachbereichen neue Forschungsgebiete wie "Biophotonics" und "Nano Quantum Optics" aufzubauen. Darüber hinaus ist die Einrichtung eines Zentrums für Lichtmikroskopie unter seiner Federführung geplant.

Alec Michael Wodtke, Physikalische Chemie, Georg-August-Universität Göttingen und Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, Göttingen
Alec Michael Wodtke hat wesentliche Beiträge im Bereich der Photo- und Atmosphärenchemie geleistet und gehört zu den international führenden Wissenschaftlern im Bereich der molekularen Wechselwirkungen an Grenzflächen. Seine Arbeiten liefern grundlegende Beiträge zu Fragen der Katalyseforschung, der Speicherung und Umwandlung von chemischer in elektrische Energie und der Grenzflächenforschung. Dieses Thema soll als Schwerpunkt der Universität Göttingen sowie des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Göttingen ausgebaut werden. Wodtke ist als Gründungsdirektor des hierzu neu zu etablierenden Centre for Advanced Studies in Energy Conversion vorgesehen.

Die Alexander von Humboldt-Stiftung

Jährlich ermöglicht die Humboldt-Stiftung über 2.000 Forschern aus aller Welt einen wissenschaftlichen Aufenthalt in Deutschland. Die Stiftung pflegt ein Netzwerk von weltweit mehr als 24.000 Humboldtianern aller Fachgebiete in über 130 Ländern – unter ihnen 44 Nobelpreisträger.

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