15. Dezember 2015, Nr. 25/2015

Förderprogramm für verfolgte Wissenschaftler gestartet

Mit Unterstützung der Philipp Schwartz-Initiative sollen ab Sommer 2016 bis zu 20 gefährdete Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen forschen können

Die Alexander von Humboldt-Stiftung startet heute (15.12.) mit Unterstützung des Auswärtigen Amts die Philipp Schwartz-Initiative. Mit dem Programm unterstützt sie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Schutz in Deutschland suchen, weil ihnen in ihren Heimatländern Krieg oder Verfolgung drohen.

Die Philipp Schwartz-Initiative soll deutsche Universitäten und Forschungseinrichtungen in die Lage versetzen, gefährdete ausländische Forscher für zwei Jahre bei sich aufzunehmen. Ab Sommer 2016 sollen bis zu 20 solcher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mittels Stipendien an Hochschulen und Forschungseinrichtungen gefördert werden, damit sie ihre Arbeit dort fortsetzen können.

Daneben wird im Zuge des Programms eine Plattform für den Austausch zwischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen zur spezifischen Situation gefährdeter Forscher entstehen. Dafür soll mit Informationsveranstaltungen, Konferenzen und Beratungsangeboten – unter anderem in Kooperation mit erfahrenen internationalen Partnerorganisationen wie dem Scholars at Risk Network und dem Scholar Rescue Fund des Institute of International Education – sensibilisiert werden.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte dazu heute in Berlin: „Wir setzen uns dafür ein, dass Menschen in Not bei uns eine Perspektive erhalten. Dabei wollen wir auch ein wenig von dem einlösen, was andere Länder vor Jahrzehnten für deutsche Wissenschaftler im Exil möglich gemacht haben. In Konfliktgebieten wie zum Beispiel in Syrien geht es darum, wertvolles Forscherwissen zu erhalten, damit nach Ende des Konflikts der Wiederaufbau gelingen kann. Mit der Philipp Schwartz-Initiative investieren wir deshalb auch in die Zukunft dieser Länder.“

Die Ausschreibung für das Programm beginnt heute. Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die gefährdete Wissenschaftler bei sich aufnehmen möchten, können sich bis 31. März 2016 bei der Humboldt-Stiftung bewerben. Nähere Informationen zum Programm finden Sie hier.

„Forschende spielen als kritische Denker oft eine besondere Rolle bei der Bewältigung von Krisen. Sie können gleichzeitig aber wegen ihrer freien Meinungsäußerung in Gefahr geraten“, sagt der Generalsekretär der Humboldt-Stiftung, Enno Aufderheide. „Wir sind froh, dass wir unsere Philipp Schwartz-Initiative nun starten und ein sichtbares Zeichen der Rückendeckung für gefährdete Forscher setzen können“, so Aufderheide weiter. „Dies machen uns die Unterstützung des Auswärtigen Amts und ein Schulterschluss mit privaten Stiftungen möglich, die uns schnell und flexibel ihre Unterstützung zugesagt haben.“

Die Zuwendungen des Auswärtigen Amts zur Finanzierung der Philipp Schwartz-Initiative werden durch private Zuwendungen ergänzt. Aktuell haben die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, die Fritz Thyssen Stiftung, die Gerda Henkel Stiftung, die Klaus Tschira Stiftung und die Robert Bosch Stiftung Mittel in Höhe von insgesamt gut einer Million Euro zugesagt.

Die Initiative ist nach dem Pathologen jüdischen Glaubens Philipp Schwartz benannt, der 1933 vor den Nationalsozialisten aus Deutschland fliehen musste und die „Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland“ gründete. Die Alexander von Humboldt-Stiftung beabsichtigt, das Programm auch über die erste Förderrunde hinaus fortzusetzen und bemüht sich derzeit, zusätzliche Mittel dafür einzuwerben.

Die Alexander von Humboldt-Stiftung

Jährlich ermöglicht die Humboldt-Stiftung über 2.000 Forschern aus aller Welt einen wissenschaftlichen Aufenthalt in Deutschland. Die Stiftung pflegt ein Netzwerk von weltweit mehr als 27.000 Humboldtianern aller Fachgebiete in über 140 Ländern – unter ihnen 52 Nobelpreisträger.

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