13. Dezember 2016, Nr. 33/2016

Gefährdete Wissenschaftler erhalten Schutz in Deutschland: Philipp Schwartz-Initiative fördert 46 weitere Stipendiaten

Humboldt-Stiftung vergibt Mittel, mit denen Hochschulen verfolgte Forscher aufnehmen. Die meisten Stipendiaten kommen aus der Türkei.

Die Alexander von Humboldt-Stiftung hat die Forschungseinrichtungen der zweiten Runde der Philipp Schwartz-Initiative ausgewählt: 39 Einrichtungen aus ganz Deutschland können mit Hilfe der Initiative gefährdete ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei sich aufnehmen. Vergeben werden Fördermittel für insgesamt 46 Forscher, die Schutz in Deutschland suchen, weil ihnen in ihren Heimatländern Krieg oder Verfolgung drohen. Die Wissenschaftler forschen ab Januar 2017 für zwei Jahre als Philipp Schwartz-Stipendiaten an den ausgezeichneten Einrichtungen.

Die 39 Gasteinrichtungen wurden aus 59 Hochschulen und Forschungseinrichtungen ausgewählt, die einen oder mehrere gefährdete Wissenschaftler aufnehmen wollen und sich hierfür mit Konzepten zur persönlichen und wissenschaftlichen Einbindung der Forscher beworben hatten. Ausschlaggebend für die Entscheidung war neben der Qualität der Einbindung die wissenschaftliche Passung und Qualifikation der Forscher.

Außenminister Steinmeier erklärte: „Mit unserer Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik wollen wir insbesondere Menschen in Not den Zugang zu Kultur und Bildung ermöglichen. Kultur- und Bildungsarbeit ist Hilfe zur Humanität. Gerade deshalb ist die Philipp Schwartz-Initiative ein unverzichtbarer Baustein, wenn es darum geht, gefährdeten Wissenschaftlern einen sicheren Platz des Lebens und Forschens zu ermöglichen. Mein Dank gilt insbesondere den Abgeordneten des Deutschen Bundestags, mit deren Unterstützung wir die Philipp Schwartz-Initiative weiter ausbauen konnten.“

Die Forscher, die nun an den ausgezeichneten Hochschulen aufgenommen werden, stammen aus der Türkei (21 Stipendiaten), Syrien (18), Irak (3), Burundi, Jemen, Sudan und Tadschikistan (jeweils 1).

Gegenüber der ersten Ausschreibung im März 2016 hatten sich 21 Einrichtungen mehr beworben. Die meisten der 23 Stipendien der vergangenen Runde wurden an Forscher aus Syrien (14) und der Türkei (6) vergeben. Interviewmöglichkeiten mit ausgewählten Forschern vermitteln wir gerne auf Nachfrage.

Der Generalsekretär der Humboldt-Stiftung Enno Aufderheide sagte anlässlich der Auswahl: „Der Anstieg der Bewerbungen in diesem Jahr zeigt, dass die Not von Forschern in Bürgerkriegsländern wie Syrien weiterhin groß ist und dass Forscher besonders bedroht sind, wenn Andersdenkende in einem Staat wie der Türkei massiv unter Druck geraten. Das Mehr an Bewerbungen zeigt aber auch, wie viele Institutionen in Deutschland helfen wollen und sich engagieren. Wir danken dem Bundestag und dem Auswärtigen Amt dafür, dass wir dank zusätzlicher Mittel doppelt so viele Stipendien vergeben konnten wie in der letzten Runde. Ebenso danken wir den uns unterstützenden Stiftungen für ihre großzügige Hilfe.“ Doch auch wenn Unterstützung weiterhin dringend notwendig sei, die ersten Erfolge der Arbeit für gefährdete Wissenschaftler seien inzwischen ebenfalls deutlich, betonte Aufderheide: „Inzwischen haben viele Hochschulen Beauftragte, die sich speziell um gefährdete Forscher kümmern und die Stipendiaten der ersten Runde der Philipp Schwartz-Initiative arbeiten bereits erfolgreich an ihren Instituten.“

Die Philipp Schwartz-Initiative wurde von der Alexander von Humboldt-Stiftung mit Unterstützung des Auswärtigen Amts ins Leben gerufen. Sie wird finanziell unterstützt vom Auswärtigen Amt und von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, der Fritz Thyssen Stiftung, der Gerda Henkel Stiftung, der Klaus Tschira Stiftung, der Robert Bosch Stiftung und der Stiftung Mercator. Die Initiative ist nach dem Pathologen jüdischer Abstammung Philipp Schwartz benannt, der 1933 vor den Nationalsozialisten aus Deutschland fliehen musste und die „Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland“ gründete.

Teil der Initiative sind neben den Stipendien Mittel für die Schaffung von Strukturen an den Gasteinrichtungen sowie Tagungen zum Austausch und zur Vernetzung zwischen den Gasteinrichtungen. Dabei arbeitet die Alexander von Humboldt-Stiftung eng mit internationalen Partnern wie dem Scholars at Risk Network, dem Scholar Rescue Fund und dem Council for At-Risk Academics zusammen.

In der zweiten Runde der Philipp Schwartz-Initiative wurden folgende Hochschulen ausgezeichnet:

  • RWTH Aachen
  • Universität Bamberg
  • Universität Bayreuth
  • International Psychoanalytic University Berlin
  • Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin
  • Technische Universität Berlin
  • Zentrum Moderner Orient Berlin
  • Universität Bielefeld
  • EBZ Business School Bochum
  • Ruhr-Universität Bochum
  • BICC Bonn International Centre for Conversion
  • Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
  • Technische Universität Braunschweig
  • Universität Bremen
  • Technische Universität Darmstadt
  • Technische Universität Dresden
  • Universität Duisburg-Essen
  • Hochschule Düsseldorf
  • Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung Erkner
  • Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • Arnold-Bergstraesser-Institut Freiburg
  • Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit Garching
  • Justus-Liebig-Universität Gießen
  • Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg
  • Universität Heidelberg
  • Universität Hohenheim
  • Karlsruher Institut für Technologie – KIT
  • Institut für Weltwirtschaft Kiel
  • Universität zu Köln
  • HHL Leipzig Graduate School of Management
  • Frankenförder Forschungsgesellschaft Luckenwalde
  • Philipps-Universität Marburg
  • Technische Universität München
  • Westfälische Wilhelms-Universität Münster
  • Universität Osnabrück
  • Universität Potsdam
  • Universität Siegen
  • Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
  • Bauhaus-Universität Weimar

Die Alexander von Humboldt-Stiftung

Jährlich ermöglicht die Humboldt-Stiftung über 2.000 Forschern aus aller Welt einen wissenschaftlichen Aufenthalt in Deutschland. Die Stiftung pflegt ein Netzwerk von weltweit mehr als 27.000 Humboldtianern aller Fachgebiete in über 140 Ländern – unter ihnen 54 Nobelpreisträger.

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