29. Juni 2017, Nr. 15/2017

Bundespräsident Steinmeier: „Wir brauchen die Frischluftzufuhr aus den Universitäten“

Frank-Walter Steinmeier betont bei der Jahrestagung der Alexander von Humboldt-Stiftung die Rolle der Wissenschaft in der öffentlichen Debatte

Zur Jahrestagung der Humboldt-Stiftung empfing Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier heute Vormittag zum ersten Mal in seiner Amtszeit mehr als 570 Geförderte der Stiftung aus aller Welt und deren Familien im Park von Schloss Bellevue. „Wir treffen uns heute in Zeiten voller Widersprüche, gerade auch, was den Stand der Wissenschaft betrifft“, begrüßte er seine Gäste aus 79 Ländern.

Auf der einen Seite wachse der Bedarf an Wissen in einer komplizierter werdenden Welt. Auf der anderen Seite werde „die Ablehnung von Wissen und Vernunft, das Schlechtreden von Expertenrat immer lauter und gröber“, so Steinmeier weiter. Man dürfe „nicht zulassen, dass der politische Diskurs verroht, dass die Bereitschaft zum Kompromiss, zum Zuhören und zur sachlichen Diskussion, und am Ende die Geltung des besseren Arguments im öffentlichen und digitalen Raum verloren gehen“. Steinmeier ermutigte die Humboldtianer aus aller Welt wie auch die deutsche Forschungslandschaft, darüber stärker in den gesellschaftlichen Dialog zu treten: „So wie Universitäten die Rückendeckung von Politik und Gesellschaft einfordern, so erwartet auch die Gesellschaft von den Universitäten eine starke Stimme“, erklärte er. „Wo immer das gesellschaftliche Klima stickig wird, da brauchen wir die Frischluftzufuhr aus den Universitäten.“ Mit Blick auf die Entwicklungen weltweit betonte Steinmeier beim Empfang in Berlin: „Wo auch immer Wissenschaft und Wissenschaftler unter Druck stehen, sollen Sie wissen: Hier sind Sie willkommen – als exzellente Forscher, als kritische Denker und als Menschen.“

Auch der Präsident der Humboldt-Stiftung Helmut Schwarz ermutigte die Humboldtianer, jede Möglichkeit zu ergreifen, öffentlich über das zu sprechen, was sie als Wissenschaftler tun und sich so wissenschaftsfeindlichen Tendenzen entgegen zu stellen. „Es sollte selbstredend sein, dass in einer komplexen und weltweit vernetzten Welt neben einer gründlichen, sachkundigen Analyse kritisches Denken und Unabhängigkeit unerlässlich sind, und hierzu bedarf es einer weltoffenen, einer pluralistischen Gesellschaft“, sagte er bereits gestern bei der Eröffnung der Jahrestagung an der Technischen Universität Berlin. „Je besser die Freiheit der Wissenschaft wie auch Meinungs- und Pressefreiheit geschützt sind, desto besser sind auch die Bedingungen für das Gedeihen der Wissenschaft“, betonte Schwarz.

Die Jahrestagung bringt internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen, die derzeit mit Förderung der Humboldt-Stiftung an deutschen Hochschulen zu Gast sind. Der Besuch der Humboldtianer beim Bundespräsidenten ist seit 1955 Tradition und zugleich der Höhepunkt der Tagung.

Die Alexander von Humboldt-Stiftung

Jährlich ermöglicht die Humboldt-Stiftung über 2.000 Forschern aus aller Welt einen wissenschaftlichen Aufenthalt in Deutschland. Die Stiftung pflegt ein Netzwerk von weltweit mehr als 28.000 Humboldtianern aller Fachgebiete in über 140 Ländern – unter ihnen 54 Nobelpreisträger.

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