20. März 2018, Nr. 09/2018

Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen begrüßt die Unterstützung einer europaweiten Infrastruktur für datenintensive Forschung durch eine EOSC

Gemeinsame Stellungnahme der Allianz der Wissenschaftsorganisationen zu einer European Open Science Cloud (EOSC)

Die in der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen zusammengeschlossenen Einrichtungen begrüßen grundsätzlich die Initiative der Europäischen Kommission, mit einer European Open Science Cloud1 (EOSC) den Aufbau einer europaweiten Infrastruktur für datenintensive Forschung zu unterstützen.

Aus Sicht der deutschen Wissenschaftsorganisationen kann eine EOSC das Potenzial haben,

  • selbstbestimmtes wissenschaftliches Arbeiten zu unterstützen, d.h. den Umgang mit Daten zu erleichtern, um damit Erkenntnisprozesse voranzutreiben und Innovation zu stimulieren;
  • die Sicherung und Aufbereitung von Forschungsdaten zu unterstützen, indem Auffindbarkeit, Zugänglichkeit, Interoperabilität und Nachnutzbarkeit verbessert werden (FAIR-Prinzipien: Findable, Accessible, Interoperable, Re-Usable);
  • fachspezifische und fachübergreifende Dienste, Standards und Schnittstellen, wo sie fehlen zu etablieren bzw. zu optimieren, und dadurch die interdisziplinäre und internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit zu erleichtern.
  • Forschungsdatenmanagement als elementaren und karrierefördernden Bestandteil des Forschungszyklus fester zu verankern;
  • bestehende Strukturen – nationale wie internationale – zu ergänzen, B. die in Deutschland geplante Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI).

Eine EOSC, die diese Ziele verfolgt, findet grundsätzlich die Unterstützung der deutschen Wissenschaftsorganisationen.

Der frühen Entwicklungsstufe und dem Stand der vorliegenden Informationen entsprechend wird weiterreichende Unterstützung einer EOSC durch die deutschen Wissenschaftsorganisationen dann erfolgen können, wenn die Pläne für folgende Felder im nachfolgend skizzierten Sinne besser konturiert werden:

  • Wissenschaftsgeleitete Erfolgskriterien: Eine genaue Definition von Zielen, die darauf ausgelegt sind, spezifische Angebote einer EOSC für Forschungseinrichtungen und einzelne Forschende im Alltag der wissenschaftlichen Praxis nachfrageorientiert zu realisieren, und die Kosten-Nutzen-Analysen zulassen.
  • Partizipative Steuerung: Eine Darstellung von konkreten Entscheidungsverfahren, die den aus der Vielfalt wissenschaftlicher Anforderungen resultierenden Steuerungsbedarf effizient abdecken (Governance).
  • Selbstbestimmte Nutzung: Eine Verdeutlichung, dass die Angebote einer EOSC auf Freiwilligkeit basieren, die Wissenschaftsfreiheit respektieren, und Steuerungsprozesse etablieren, die auf den Prinzipien der Selbstorganisation der Wissenschaft basieren.
  • Subsidiäre Verzahnung: Erarbeitung eines Konzepts, wie bestehende Angebote in den Mitgliedstaaten und in von Hochschulen und Forschungseinrichtungen getragenen (internationalen) Netzwerken der Forschung, die einen Bezug zur EOSC haben, durch diese einerseits ergänzt und andererseits organisatorisch sowie finanziell abgegrenzt werden sollen.
  • Nachhaltige Finanzierung: Überlegungen dazu, was im Rahmen einer EOSC durch wen finanziert werden soll, sollten zu zuverlässigen Lösungen für das schon lange bestehende Desiderat führen, im Rahmen von Projekten aufgebaute Community-Dienste finanziell verlässlich abzusichern.

Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen in Deutschland ist bereit, sich an der weiteren Ausgestaltung der Pläne zur Entwicklung einer EOSC aktiv zu beteiligen und zu konkreten Lösungen beizutragen.

Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen ist ein Zusammenschluss der bedeutendsten Wissenschaftsorganisationen in Deutschland. Sie nimmt regelmäßig Stellung zu wichtigen Fragen der Wissenschaftspolitik. Fraunhofer ist Mitglied der Allianz und hat für 2018 die Federführung übernommen. Weitere Mitglieder sind die Alexander von Humboldt-Stiftung, der Deutsche Akademische Austauschdienst, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft, die Hochschulrektorenkonferenz, die Leibniz-Gemeinschaft, die Max-Planck-Gesellschaft, die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Wissenschaftsrat.

Kontakt:
Dr. Anke Soemer
Fraunhofer-Gesellschaft
Abteilung Wissenschaftspolitik
Hansastraße 27c
80686 München
Tel.: +49 89 1205 1604
anke.soemer(at)zv.fraunhofer.de
 


1 Die Ziele einer EOSC werden von der Europäischen Kommission in einer Implementation Roadmap (Referentenentwurf) vom 14. März 2018 (1) Declaration vom 26. Oktober 2017 (2) basierend auf den Beratungen des Europäischen Parlaments am 16. Februar 2017 (3)) sowie des Europäischen Rats am 27. Mai 2016 (4) dargestellt.

(1) https://ec.europa.eu/research/openscience/index.cfm

(2) https://ec.europa.eu/research/openscience/pdf/eosc_declaration.pdf

(3) http://www.europarl.europa.eu/oeil/popups/ficheprocedure.do?lang=en&reference=2016/2145(INI)

(4) http://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-9526-2016-INIT/en/pdf

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