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Lehrstuhlinhaber im Porträt

Abebe Geletu ist Inhaber eines „Deutschen Forschungslehrstuhls für Mathematik und ihre Anwendung“ am AIMS Ruanda

Abebe Geletu

Abebe Geletu

„Die Optimierung von Systemen wird einen entscheidenden Beitrag zur Modernisierung und Technologisierung Afrikas leisten.“


„Ich habe es mit eigenen Augen zum Beispiel in meinem Geburtsland Äthiopien gesehen. Immer wieder verkommen auf dem afrikanischen Kontinent Lebensmittel aus der Landwirtschaft noch auf dem Markt. Gleichzeitig herrscht woanders Mangel. Es fehlt an Produktionssteuerung, zentralen Lagern und Lieferketten. Vor allem die ländliche Bevölkerung ist davon betroffen; das ist gerade angesichts von Dürre und Klimawandel eine Katastrophe. Die Verteilung von landwirtschaftlichen Produkten kann durch angewandte Mathematik optimiert werden. Das ist aber nur ein Teilbereich, den ich durch meine Arbeit modernisieren möchte“, sagt Abebe Geletu.

Seit Beginn seiner Promotion auf dem Gebiet der Optimierung an der Technischen Universität Ilmenau, Deutschland, 1999, hat Abebe Geletu seine Expertise in diesem Teilgebiet der angewandten Mathematik immer weiter ausgebaut und hat an diversen Projekten der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Optimierung und dem Betrieb komplexer Systeme mithilfestochastischer Programmierung federführend mitgewirkt.  2018 hat sich der Experte am Institut für Automatisierungs- und Systemtechnik an der TU Ilmenau habilitiert.

Am AIMS Ruanda möchte er den mathematischen Nachwuchs mit den Anwendungsmöglichkeiten der Mathematik zur Lösung von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Problemen vertraut machen. Dabei wird er neben Lehre und Forschung auch in interdisziplinären Teams von Ingenieuren, Informatikern und Hydrologen oder Energieexperten seine Expertise in die praktische Anwendung bringen. „Zu den Bereichen, in denen Optimierung zur Modernisierung und zum Kampf gegen Armut und Hunger beitragen wird, gehören auch das Wassermanagement sowie die Energieversorgung, gerade in Inselnetzen in ländlichen Räumen“, so Geletu.

Abebe Geletu ist Gastprofessor an der Haramaya Universität, Äthiopien, sowie an der Addis Abeba Universität, Äthiopien. Verbindungen, die er für Forschungskooperationen nutzen will. Eine besondere Rolle werden in der Forschungskooperation Partner an der TU einnehmen. Insbesondere in Bezug auf das Themenfeld Wassermanagement wird Geletu mit dem Technion Israel Institute of Technology kooperieren.

Jan Hązła ist Inhaber eines „Deutschen Forschungslehrstuhls“ am AIMS RUANDA

Jan Hązła

Jan Hązła

„Für mich geht es darum, junge afrikanische Mathematiker*innen auf dem Teilgebiet der Diskreten Mathematik international sichtbarer zu machen.“


Der Informatiker Jan Hązła hat bereits nach Abschluss seiner Promotion an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich 2016 am AIMS Ruanda Programmieren unterrichtet. Aus dieser Zeit weiß er, wie groß das Potential und Interesse vieler afrikanischer Studierender an Theoretischer Informatik und Diskreter Mathematik ist. Teilgebiete, die bisher in der Ausbildung von Mathematiker*innen auf dem afrikanischen Kontinent keine so große Rolle gespielt haben.

„Es ist meine Traumvorstellung, exzellente Doktoranden und Studierende so zu betreuen und zu fördern, dass die Ergebnisse der Zusammenarbeit in renommierten internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht werden können“, sagt Hązła über seine Pläne als Lehrstuhlinhaber mit dem Fokus auf  Theoretische Informatik. Für Hązła liegt der Schwerpunkt seiner Arbeit in der persönlichen Betreuung talentierter Nachwuchsmathematiker*innen am AIMS Ruanda. „Ich habe gute Verbindungen zu florierenden Arbeitsgruppen  in Deutschland, den  USA und der Schweiz und werde alles daran legen, Verbindungen zwischen meinen Studierenden am AIMS und internationalen Kolleg*innen zu knüpfen“, erklärt Hązła.  Ein Fokus seiner Arbeit liegt auf der Zusammenarbeit mit der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main, Deutschland.
Das eigene Forschungsinteresse des aus Polen stammenden Informatikers gilt u.a. der Wahrscheinlichkeits- und Kodierungstheorie. In der Anwendung forscht er an der Schnittstelle zu wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Problemstellungen, etwa an der Frage, ob Meinungsbildung durch Computermodelle effizient simuliert werden kann.  
Jan Hązła hat in Krakau, Polen, Informatik studiert. Nach seiner Promotion an der ETH Zürich und den Lehrerfahrungen am AIMS Ruanda in Kigali war er Postdoc am Institute for Data, Systems und Society am Massachusetts Institute of Technology, Cambridge, USA. Zuletzt forschte und lehrte er als Postdoc an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL), Schweiz.

Bubacarr Bah ist Inhaber eines „Deutschen Forschungslehrstuhls“ am AIMS Südafrika

Bubacarr Bah

Bubacarr Bah

„Künstliche Intelligenz wird für den Afrikanischen Kontinent von großer Bedeutung sein.“


Seine Arbeitsgebiete befassen sich mit den wichtigsten Themen unserer Zeit: Big Data, maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz. „Diese Themen werden auch auf dem afrikanischen Kontinent immer bedeutender“, prognostiziert Bubacarr Bah. Mit seiner Arbeit will er dazu beitragen, dass Afrika den künftigen Herausforderungen in diesen Bereichen besser gewachsen ist. Seit 2016 hat der aus Gambia stammende Mathematiker den Deutschen Forschungslehrstuhl „Mathematik mit Spezialisierung Datenwissenschaften“ am African Institute for Mathematical Sciences (AIMS) in Südafrika inne.

Wie konkret seine Arbeit schon heute Anwendung findet, zeigen zwei Beispiele: Er kooperiert mit einem Landwirtschaftsbetrieb, der Tausende Luftaufnahmen einer Orangenplantage gemacht hat, um daraus den Ernteertrag vorhersagen zu können. Bah und sein Team entwickeln die passenden Algorithmen, um die Aufnahmen auswerten zu können. Daneben kooperiert er mit medizinischen Forschungsinstituten und unterstützt diese dabei, Gesundheitsdaten, die auch in Afrika immer mehr gesammelt werden, auszuwerten und zu interpretieren. Dies kann bei der Bekämpfung von Krankheiten helfen.

Bah promovierte in Angewandter und rechnergestützter Mathematik an der Universität Edinburgh, Vereinigtes Königreich. Anschließend forschte er an renommierten Instituten der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL), Schweiz, und der Universität Texas in Austin, USA. Nach Afrika zurückzukehren, sieht er als große Chance. „Am AIMS kann ich nicht nur meine eigene Forschung weiterentwickeln. Hier kann ich auch mathematischen Nachwuchs fördern und nationale und internationale Netzwerke aufbauen.“ Er ist sich sicher, dass talentierte Mathematikerinnen und Mathematiker gute Perspektiven auf dem afrikanischen Kontinent haben.

Mouhamed Moustapha Fall ist Inhaber des „Deutschen Forschungslehrstuhls“ am AIMS Senegal

Moustapha Fall

Mouhamed Moustapha Fall

„Die Mathematik birgt ein großes Optimierungspotential für die Menschen Afrikas.“


Seine Lehrer hätten ihn schon früh in der Kindheit für die Mathematik begeistert, sagt Moustapha Fall.  Nachdem er 2009 an der renommierten International School for Advanced Studies in Trieste, Italien, promoviert wurde, forschte Fall unter anderem als Humboldt-Forschungsstipendiat an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt. „Er hat überhaupt keine Angst vor komplizierten und technisch aufwändigen Fragestellungen“ und sehe methodische Verbindungslinien selbst zwischen sehr disparaten mathematischen Gebieten, lobt sein damaliger Gastgeber Professor Tobias Weth.

Seit 2013 hat Moustapha Fall den AIMS-Lehrstuhl in M’bour, Senegal, inne.  Seine Arbeiten sind an der Schnittstelle von Analysis und Geometrie angesiedelt. Falls übergeordnetes Ziel ist es immer, die Menschen aus allen Bildungsschichten Afrikas, ob Hochschulabgänger oder Analphabeten, anhand  praktischer Anwendungsbeispiele vom Optimierungspotenzial der Mathematik  zu überzeugen. So versuchte er auch, das Problem der Fischer von M’bour zu lösen. Er stellte sich die Frage, woran es lag, dass sie mal sehr viel und mal kaum Fisch an Land brachten. Gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam machte sich Fall daran,  ein mathematisches Modell zu entwickeln. Dieses sollte präzise vorhersagen, wie viele Tiere die Fischer an welchen Orten fangen können, ohne den Beständen zu schaden. Mittlerweile gibt es eine App, die über die besten Fischplätze für nachhaltigen Fang informiert.

Olivier Menoukeu Pamen ist Inhaber des „Deutschen Forschungslehrstuhls“ am AIMS Ghana

Olivier Menoukeu Pamen

Olivier Menoukeu Pamen

„Es war die unschätzbare Gelegenheit, meinem Kontinent etwas zurückzugeben.“


„Die Möglichkeit, meinem Kontinent etwas zurückgeben zu können, ist von unschätzbarem Wert“, sagte Olivier Menoukeu Pamen, als er im Oktober 2016 den AIMS-Forschungslehrstuhl „Mathematik und seine Anwendungen“ in Ghana übernahm. Wie konkret Pamens Expertise in seinen Spezialgebieten Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik dem Kontinent zugutekommen kann, zeigt ein aktuelles Projekt des Mathematikers. Wie in vielen afrikanischen Ländern sind Mikrokredite auch in Ghana sehr populär. Pamens Recherche hat gezeigt, dass den Kreditgebern allerdings häufig die Erfahrung fehlt, Refinanzierungskosten, Ausfallwahrscheinlichkeiten und äußere Einflussfaktoren realistisch zu berechnen. Dadurch basieren Kreditvergaben und die veranschlagten Zinsen oft auf falschen Annahmen. Um  die Geldgeber dabei zu unterstützen, ihre Berechnungen auf ein valides Fundament zu stellen, kooperiert Pamen seit 2019 mit einem Institut, das Mikrokredite in Ghana vergibt.

Bereits in seiner Doktorarbeit an der Universität Witwatersrand, Südafrika, hat sich Pamen mit Finanzmathematik beschäftigt. Anschließend verbrachte er mehrere Jahre in Europa. Nach einem Postdoc-Aufenthalt in Oslo übernahm er eine Festanstellung am Institut für Finanz- und Versicherungsmathematik an der Universität Liverpool, Vereinigtes Königreich. Am AIMS Ghana will er seine Erfahrung an Studentinnen und Studenten weitergeben und sein Wissen auf aktuelle und zukünftige Herausforderungen in Afrika anwenden.

Gisèle Mophou ist Inhaberin des „Deutschen Forschungslehrstuhls“ am AIMS Kamerun

Gisèle Mophou

Gisèle Mophou

„Mathematik kann helfen, einige der größten Probleme unserer Zeit zu lösen.“


„Mathematik kann helfen, einige der größten Probleme unserer Zeit zu lösen“, beschreibt Gisèle Mophou ihre Begeisterung für ihr Fach. Ein Beispiel dafür liefert sie mit ihrer eigenen Arbeitsgruppe am AIMS Kamerun, wo sie von 2017 bis Ende 2019 den Lehrstuhl „Angewandte Mathematik mit Spezialisierung optimale Steuerung“ innehat. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beschreiben Umweltverschmutzungen und Gesundheitsprobleme mit mathematischen Instrumenten. So entwickeln sie Modelle, die die Probleme greifbar machen und die Suche nach Lösungsansätzen ermöglichen.

Mophou promovierte in numerischer Mathematik und trat 2013 ihre Professur an der Université des Antilles et de la Guyane, Guadeloupe, an. „Ich habe nach neuen Herausforderungen gesucht“, sagt die aus Kamerun stammende Wissenschaftlerin zu ihrer Motivation,  den Lehrstuhl am AIMS zu übernehmen. „Es war die Gelegenheit, meinem Heimatland etwas zurückzugeben.“ Besonders den weiblichen Forschungsnachwuchs förderte sie.  „Ich habe Vorträge an Universitäten und in Schulen gehalten und meine eigene Geschichte erzählt, wie ich als Frau Professorin wurde.“ Sie wolle ein Umdenken anschieben und Vorbild sein. Damit in Zukunft mehr Mädchen und Frauen in Afrika den Mut haben und auch die Chance bekommen, in die Wissenschaft zu gehen.

Marc Sedjro ist Inhaber eines „Deutschen Forschungslehrstuhls“ am AIMS Südafrika

Marc Sedjro

Marc Sedjro

„An meinem Gastinstitut hatte ich Zugang zur aktuellsten Fachliteratur und zu anerkannten Spezialisten auf meinem Gebiet – das hat meine Forschung enorm bereichert.“


Jedes Jahr kosten tropische Wirbelstürme Menschenleben und zerstören ganze Landstriche. In Afrika war es zuletzt Zyklon Idai, der vor allem in Mosambik, Simbabwe und Malawi verheerende Schäden anrichtete. Will man die Folgen zukünftiger Stürme verringern, können bessere Vorhersagen über den exakten Weg eines Sturms ein Mittel sein. „Mit meiner Forschung möchte ich einen Beitrag leisten, vorhandene Methoden zu verfeinern und alternative Ansätze zu entwickeln“, beschreibt Marc Sedjro eine mögliche Anwendung seiner Arbeit. Der aus Togo stammende Mathematiker hat 2019 den Deutschen Forschungslehrstuhl „Angewandte Mathematik mit Spezialisierung Partielle Differentialgleichung und Variationsrechnung“  am AIMS-Institut in Südafrika übernommen. Davor leitete er zwei Jahre den AIMS-Lehrstuhl für „Angewandte Mathematik“ in Tansania.

Neben der Strömungsmechanik forscht Sedjro mit seinem Team im Bereich der Spieltheorie. Sie untersuchen die Mathematik hinter großen, sich in Bewegung befindenden Gruppen, wie zum Beispiel Fischschwärmen. In diesem Bereich kooperiert Sedjro auch mit der Arbeitsgruppe „Informationstheorie“ an der Technischen Universität Berlin (TU Berlin), Deutschland. Die deutsche Forschungslandschaft kennt Sedjro gut. Nach seiner Promotion am Georgia Institute of Technology in den USA forschte er drei Jahre an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH Aachen).

Für Sedjro bringt die Beschäftigung mit Mathematik Vorteile, die auch über das Fach hinausgehen: „Mathematik stärkt das logische Denken insgesamt. Wir bearbeiten Fragestellungen, ohne uns von Emotionen und Meinungen beeinflussen zu lassen.“ Eine Fähigkeit, die in vielen Lebensbereichen nützlich sein kann.