Henriette Herz-Scouting-Programm

Für
herausragende (Junior-)Professor*innen und (Nachwuchs-)Gruppenleitungen
Aus
Deutschland
Was
bis zu drei Vorschlagsberechtigungen für ein Humboldt-Forschungsstipendium
Henriette Herz, porträtiert von Anton Graff

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Ein neuer Zugang zum Humboldt-Forschungsstipendium

Mit dem Henriette Herz-Scouting-Programm eröffnet die Stiftung parallel zum regulären Bewerbungsverfahren einen neuen Zugang zum Humboldt-Forschungsstipendium, der es ausgewählten Gastgeber*innen erlaubt, geeignete Wissenschaftstalente aus dem Ausland in einem Direktverleihungsverfahren als Humboldt-Forschungsstipendiat*innen zu gewinnen. Jährlich vergeben wir auf diesem Weg bis zu 100 zusätzliche Forschungsstipendien.

Unser Ziel ist es, Wissenschaftler*innen für eine Kooperation mit einer Forschungseinrichtung in Deutschland und das Humboldt-Netzwerk zu gewinnen, die sich aus unterschiedlichen Gründen nicht selbst um ein Stipendium der Stiftung bewerben. Auf diese Weise wollen wir insbesondere neue fachliche und regionale Zielgruppen erreichen und zugleich den Frauenanteil in unserem Forschungsstipendienprogramm erhöhen.

Das Henriette Herz-Scouting-Programm gliedert sich in drei unterschiedliche Phasen:

Saturn-ähnliches Dekortationsbild

Individuelle Beratung

1. Auswahl der Scouts

Egal, ob Sie ein*e international renommierte*r Wissenschaftler*in mit entsprechendem Netzwerk sind oder erst kürzlich eine Professur oder die Leitung einer Arbeitsgruppe übernommen haben – bewerben Sie sich als Scout im Henriette Herz-Scouting-Programm. Mit Ihrem Wissen, Ihren Verbindungen und Ihrem Engagement können Sie besonders begabte Wissenschaftstalente für Deutschland und Ihr Institut gewinnen. Die Humboldt-Stiftung wählt jedes Jahr bis zu 40 Scouts in einem kompetitiven Peer-Review-Verfahren aus.

Das Henriette Herz-Scouting-Programm richtet sich an Forschende verschiedener Karrierestufen und aller Fachrichtungen in Deutschland. Die Voraussetzung für die Funktion als Scout ist eine Professur oder eine vergleichbare Leitungsposition in Deutschland.

Die Auswahl der Scouts erfolgt anhand folgender Kriterien:

  • Sichtbare wissenschaftliche Erfolge: Ihre international anerkannte wissenschaftliche Qualifikation entsprechend des Karrierestands können Sie etwa durch erste Auszeichnungen, herausragende Publikationen, besonders innovative Forschung oder durch bewilligte Forschungsvorhaben belegen;
  • Erfolgreiche Karriereförderung von Nachwuchswissenschaftler*innen;
  • Internationale Vernetzung: Ihr breites internationales Kooperationsnetzwerk eröffnet Möglichkeiten zur Gewinnung internationaler Wissenschaftstalente;
  • Überzeugendes Konzept zur Identifizierung, Auswahl und Betreuung internationaler Wissenschaftler*innen.

Den Antrag, um sich als Scout zu bewerben, können Sie jederzeit online über diese Website einreichen.

Bitte reichen Sie zudem folgende Unterlagen mit ein:

  • Eine Liste mit drei ausgewählten Schlüsselpublikationen, die Ihre besonders innovative und herausragende Forschung belegen;
  • Ein Konzept zur Identifikation, Auswahl und Betreuung internationaler Nachwuchsforschender (ca. 1-2 Seiten);
  • Zwei Referenzen: Eine Referenz von einem*einer internationalen Kooperationspartner*in sowie eine weitere von einem*einer betreuten Nachwuchsforscher*in.

Nach Prüfung des Antrags werden Ihre Unterlagen in der Regel an zwei unabhängige Fachgutachter*innen geleitet, die schriftliche Gutachten anhand der dargestellten Auswahlkriterien erstellen. Ein unabhängiges Auswahlgremium aus Forschenden aller Fachrichtungen wählt auf der Basis der vorliegenden Fachgutachten die besten Anträge der jeweiligen Bewerbungsrunde aus. Das Auswahlgremium tagt zweimal jährlich, Ende Mai und Ende November. Die erste Auswahlsitzung wird voraussichtlich im Dezember 2020 stattfinden.

2. Vergabe von Humboldt-Forschungsstipendien auf Vorschlag der Scouts

Als ausgewählter Scout haben Sie die Möglichkeit, bis zu drei herausragende internationale Nachwuchsforschende, mit denen Sie gerne kooperieren möchten, für ein Humboldt-Forschungsstipendium vorzuschlagen, wobei das erste Stipendium an eine Wissenschaftlerin vergeben werden soll. Nach positiver Prüfung durch die Geschäftsstelle verleihen wir die Stipendien im Rahmen des Humboldt-Forschungsstipendienprogramms.

Als Scout im Henriette Herz-Scouting-Programm identifizieren Sie exzellente Nachwuchswissenschaftler*innen im Ausland. Im Fokus stehen Forschende, deren wissenschaftliche Qualifikation für die Verleihung  eines Humboldt-Forschungsstipendiums ausreicht, die sich aber bislang noch nicht am Bewerbungsverfahren beteiligt haben. Denn viele Forschungstalente haben bereits im frühen Stadium ihrer Karriere eine Festanstellung, lukrative Angebote aus Wirtschaft und Wissenschaft oder schlicht keine Kontakte nach Deutschland.

Über diesen neuen Zugangsweg wollen wir die fachliche und regionale Diversität im Humboldt-Forschungsstipendienprogramm erhöhen und insbesondere den Anteil von Frauen unter den Geförderten steigern. Dies ist eines der Hauptziele des Programms, daher sollte Ihr erster Vorschlag einer Wissenschaftlerin gelten. Die von Ihnen vorgeschlagenen Forschungsstipendiat*innen müssen folgende Voraussetzungen erfüllen (detaillierte Informationen finden Sie im Leitfaden zum Vorschlagsverfahren):

  • Abgeschlossene Promotion vor nicht mehr als 12 Jahren;
  • Überdurchschnittliche Publikationsleistung entsprechend dem Karrierestand;
  • Keine Forschungsaufenthalte nach Abschluss der Promotion sowie kein Studienabschluss und/oder Promotion in Deutschland;
  • Keine deutsche Staatsbürgerschaft;
  • Sprachkenntnisse: gute deutsche oder englische Sprachkenntnisse je nach Forschungsvorhaben;
  • Zeitliche Verfügbarkeit: Das Forschungsstipendium soll grundsätzlich innerhalb von 12 Monaten nach Verleihung angetreten werden.
  • Bislang keine Bewerbung der vorgeschlagenen Stipendiat*innen bei der Stiftung sowie keine zurückliegende Förderung in einem der Stipendienprogramme der Stiftung.

Die von Ihnen identifizierten Interessent*innen müssen für die Verleihung eines Forschungsstipendiums folgende Unterlagen online einreichen:

  • Vollständig ausgefülltes Formular mit Angaben zur geplanten Förderdauer;
  • Kopie der Promotionsurkunde bzw. Nachweis über die abgeschlossene Promotion;
  • Vollständige Publikationsliste;
  • Tabellarischer Lebenslauf (max. 2 Seiten).

Von Ihnen als Scout – bzw. von weiteren, in die geplante Kooperation eingebundenen Personen – benötigen wir zudem ein Vorschlagsschreiben, in dem Sie Ihre Auswahl überzeugend begründen, sowie eine kurze Skizze der geplanten Forschungsarbeiten. Überdies brauchen wir eine Forschungsplatz- und Betreuungszusage für den geplanten Förderzeitraum von Ihnen.

Zunächst prüft unsere Geschäftsstelle nach Eingang der Unterlagen, ob die vorgeschlagene Person die formalen Voraussetzungen erfüllt. Ist dies nicht der Fall, können wir kein Forschungsstipendium verleihen. Sie als Scout haben dann die Möglichkeit, eine andere Person vorzuschlagen. Das wissenschaftliche Qualitätsniveau muss zweifelsfrei dem Niveau erfolgreicher Bewerber*innen im Humboldt-Forschungsstipendienprogramm entsprechen.

Die Prüfung der Unterlagen erfolgt in der Regel innerhalb von zwei Wochen, die Ausstellung der Verleihungsdokumente in weiteren zwei Wochen.

Die Stipendiat*innen erhalten die regulären Leistungen aus dem Humboldt-Forschungsstipendienprogramm. Nähere Informationen finden Sie im Leitfaden zum Vorschlagsverfahren.

Wir gehen davon aus, dass die Scouts ihre Vorschlagsberechtigungen jeweils einmal pro Jahr wahrnehmen. Abweichungen davon sind  in Absprache mit der Stiftung möglich werden. Weitere Informationen finden Sie im Leitfaden zum Vorschlagsverfahren, zudem werden wir Sie nach Ihrer Auswahl als Scout zu einer Informationsveranstaltung einladen.

3. Ex-Post-Begutachtung der geförderten Forschungsstipendiat*innen

War die von Ihnen initiierte Förderung ein Erfolg? Rund ein Jahr nach Beendigung des jeweiligen Stipendiums werden wir auf Basis der Berichte Ihrer Stipendiat*innen und Ihrer Beurteilung unabhängige Fachgutachter*innen bitten, die Ergebnisse der Förderung zu begutachten und dies anschließend dem Auswahlausschuss vorlegen. Bei einem positiven Resultat können Sie sich erneut um weitere Vorschlagsberechtigungen als Scout bewerben.

Mit der Teilnahme am Henriette Herz-Scouting-Programm wird erwartet, dass Sie und die Forschungsstipendiat*innen an der Ex-Post-Begutachtung mitwirken. Ziel dieses Verfahrens ist es, die Leistungen und Ergebnisse der geförderten Nachwuchswissenschaftler*innen im Peer-Review-Verfahren begutachten zu lassen und vergleichbar zu machen.

Entsprechend dem regulären Verfahren im Humboldt-Forschungsstipendienprogramm verfassen sowohl die Forschungsstipendiat*innen als auch Sie als Scout direkt im Anschluss an die Förderung zunächst einen Abschlussbericht anhand eines standardisierten Online-Fragebogens. Diese Dokumente bilden eine erste Grundlage für die Ex-Post-Begutachtung.

Zwölf Monate nach Abschluss des Stipendiums erwarten wir von den Forschungsstipendiat*innen einen Bericht zu ihrem wissenschaftlichen Werdegang nach Ende der Förderung sowie zu den Ergebnissen des Forschungsaufenthalts. Die Geförderten dokumentieren hierin zum Beispiel veröffentlichte Publikationen, erteilte Patente, den Auf- und Ausbau (internationaler) Kooperationen oder bewilligte Forschungsvorhaben. Von Ihnen als Scout erbitten wir eine schriftliche Bewertung der Forschungsergebnisse und des Forschungsaufenthalts. Diese Dokumente bilden eine zweite Grundlage für die Ex-Post-Begutachtung.

Alle vorliegenden Unterlagen leiten wir anschließend an unabhängige Fachgutachter*innen weiter, die schriftliche Gutachten erstellen. Auf der Grundlage dieser Bewertungen werden das Auswahlgremium und im Anschluss Sie als Scout und Ihre Stipendiat*innen über das Ergebnis der Begutachtung informiert.

Die Ex-Post-Begutachtung ist zudem die Basis Ihrer Wiederbewerbung als Scout. Einen diesbezüglichen Antrag können Sie frühestens 12 Monate nach Abschluss der Ex-post-Begutachtung der*s zuletzt Geförderten stellen.

Die Vergabe von neuen Vorschlagsberechtigungen geschieht dann wieder in einem wettbewerblichen Verfahren. Die Humboldt-Stiftung verfolgt das Ziel, im Verlauf des Programms maximal 50 Prozent der neuen Vorschlagsberechtigungen an bereits aktive Scouts zu vergeben, sodass dauerhaft gewährleistet ist, dass immer wieder neue Talentsucher in das Programm einsteigen können.

Ablauf des Programms

Piktogramm Bewerber*in
Bewerber*in
Piktogramm Stiftung
Stiftung
Piktogramm Benachrichtigung
Benachrichtigung
Auswahlverfahren Scout Aktive Scoutingphase Abschluss der Scoutingphase Wiederbewerbung als Scout optional
  • Antrag stellen
  • Formale Prüfung durch die Geschäftsstelle
    • Externe Begutachtung
    • Auswahl durch interdisziplinären Auswahlausschuss
  • Entscheidung: Scout werden
  • Stipendiat*innen scouten und gewinnen
  • Unterlagen einreichen bis zu drei Vorschlagsberechtigungen
  • Formale Prüfung durch die Geschäftsstelle
  • Beginn der Förderung der Stipendiat*innen
  • Unterlagen zu Ergebnissen der Förderung der Stipendiat*innen einreichen
  • Externe Begutachtung der Ergebnisse
  • Erneuter Antrag möglich
  • Auswahl auf Basis der externen Begutachtung der Ergebnisse der gescouteten Stipendiat*innen

Fragen & Antworten

Nein, Antragsberechtigte müssen zum Zeitpunkt der Antragsstellung eine wissenschaftliche Leitungsposition an einer deutschen Hochschule bzw. Forschungseinrichtung innehaben.

Ja, Antragsberechtigte, die zum Zeitpunkt der Antragsstellung eine wissenschaftliche Leitungsposition an einer deutschen Hochschule bzw. Forschungseinrichtung inne haben, können einen Antrag einreichen. Die Staatsbürgerschaft des Antragsstellers ist dafür unerheblich.

Nein, eine gleichzeitige Bewerbung in mehreren Programmen der Humboldt-Stiftung ist nicht möglich.

Ja, wenn Sie zum Zeitpunkt der Antragsstellung eine wissenschaftliche Leitungsposition an einer deutschen Hochschule bzw. Forschungseinrichtung innehaben und die weiteren Voraussetzungen erfüllen.

Es gibt keine Stichtage für die Einreichung von Anträgen. Alle Anträge werden in einem kontinuierlichen Verfahren bearbeitet. Sobald uns Ihr Antrag vollständig vorliegt, wird er an unabhängige Fachgutachter weitergeleitet und nach Vorlage der schriftlichen Fachgutachten in der nächstmöglichen Auswahlsitzung dem Auswahlgremium zur Entscheidung vorgelegt. Bitte beachten Sie, dass der Antrag erst abgeschickt werden kann, wenn auch Ihre Referenzgeber alle erforderlichen Dokumente hochgeladen haben. Als Stichtag für die Erfüllung bestimmter formaler Voraussetzungen wie z.B. der dauerhafte Aufenthalt in Deutschland gilt der Antragseingang bei der Humboldt-Stiftung. Auswahlsitzungen finden zweimal im Jahr statt, jeweils im Mai und November. Anträge sollten mindestens vier bis sieben Monate vor der gewünschten Auswahlsitzung eingereicht werden.

Informationen zur Erstellung des Konzepts finden Sie in den Hinweisen im Antragsformular.

In erster Linie richtet sich dies an in der Vergangenheit betreute Nachwuchswissenschaftler*innen, dies kann sowohl ein*e Doktorand*in sein als auch ein*e Postdoktorand*in. Der*Die Referenzgeber*in sollte in der Lage sein, auf den Fragebogen einzugehen.

Wir werden Sie in den Tagen nach der Auswahlsitzung per E-Mail über die Entscheidung des Auswahlausschusses informieren.

Die Dauer der Tätigkeit als Scout ist individuell und hängt davon ab, wie viele Vorschlagsberechtigungen beantragt wurden und wann diese genutzt werden. Die Scouts können bis zu drei potenzielle Forschungsstipendiat*innen im Ausland identifizieren und für ein Humboldt-Forschungsstipendium vorschlagen. Im Idealfall nehmen die Scouts ihre Vorschlagsberechtigungen jeweils einmal pro Jahr wahr; flexible Anpassungen in Abstimmung mit der Stiftung sind möglich. Die Stiftung bittet nach der Auswahl als Scout um eine frühzeitige Darlegung der entsprechenden Planungen, um die Haushaltsmittel bedarfsgerecht bereitstellen zu können. Die Tätigkeit als Scout endet mit dem Abschluss des Stipendiums des/der letzten Forschungsstipendiat*in und der entsprechenden Ex-post-Begutachtung. Anschließend ist eine erneute Antragstellung für weitere Vorschlagsberechtigungen möglich.

Die Prüfung der Unterlagen erfolgt in der Regel innerhalb von zwei Wochen, die Ausstellung der Verleihungsdokumente in weiteren zwei Wochen. Bei der Planung des Forschungsaufenthaltes in Deutschland bzw. des Förderbeginns ist für Forschende aus visumpflichtigen Ländern die Dauer des Visumverfahrens entsprechend zu berücksichtigen.

Wer war Henriette Herz?

Henriette Julie Herz (* 5. September 1764 in Berlin; † 22. Oktober 1847 in Berlin), Schriftstellerin und Veranstalterin des ersten literarischen Salons in Berlin.

Henriette Herz richtete gemeinsam mit ihrem Mann Gesprächskreise zu wissenschaftlichen und philosophischen Themen aus.

Die Teilnehmer, darunter auch die Brüder von Humboldt, kamen aus unterschiedlichen Gesellschafts­schichten. Henriette Herz steht für die Themen Emanzipation, Vernetzung und Austausch sowie die Förderung von Talenten. Mit Alexander von Humboldt verband sie eine lebenslange Freundschaft.

Henriette Herz wurde als Henriette de Lemos am 5. September 1764 in großbürgerlichen Verhältnissen geboren. Ihr Vater war Arzt und Leiter des Jüdischen Krankenhauses in Berlin. Völlig untypisch für seine Zeit, gewährte er der wissbegierigen Tochter eine umfassende Bildung. Ab 1785 führte sie den ersten literarischen Salon Preußens.Sie inspirierte zahlreiche Nachahmerinnen zu eigenen Salongründungen.

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