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Nachgefragt

Herr Czaczkes, wie wollen Sie invasive Ameisen überlisten?

Sie fahren auf Schiffen oder im LKW quer über den Globus mit, versteckt in der Erde eines Blumentopfes oder einer Kiste voll Obst. Die Ausbreitung invasiver Ameisenarten lässt sich kaum verhindern. In fremden Ökosystemen können sie aber großen Schaden anrichten, weil heimische Tierarten nicht gelernt haben, sich zu schützen.

  • vom 
  • Text: Marlene Halser
Tomer Czaczkes mit Ameisen auf der Stirn
Saturn-ähnliches Dekortationsbild

TOMER CZACZKES

Doktor Tomer Czaczkes kam 2013 als Humboldt-Forschungsstipendiat an die Universität Regensburg, wo er heute als Gewinner eines ERC Starting Grants 2020 eine Nachwuchsforschungsgruppe leitet.

Humboldt-Forschungsstipendium

Der Verhaltensbiologe Tomer Czaczkes erforscht, wie Argentinische Ameisen Entscheidungen treffen. Er möchte herausfinden, ob und wie man invasive Ameisen durch Erwartungsmanagement überlisten kann. Dazu bezieht er erstmals deren kognitive Fähigkeiten ein. „Beim Menschen gelingt es uns, ihn mit psychologischen Tricks dazu zu bringen, etwas zu kaufen, was er eigentlich nicht braucht”, sagt er. Ähnliche Mechanismen sucht er bei invasiven Ameisen, um sie beispielsweise dazu zu bringen, mit Gift präpariertes Futter in den Bau zur Königin zu tragen, statt es liegen zu lassen.

Die einzige Abhilfe gegen invasive Ameisen sei letztlich, sie wieder loszuwerden, erklärt Czaczkes. Er stellte fest: Finden Ameisen Futter mit geringerem Zuckergehalt vor als erwartet, hören sie auf zu fressen und setzen weniger oder keine Pheromone ab, mit denen sie ihre Artgenossen anlocken können. Finden sie aber Futter mit unerwartet hohem Zuckergehalt, setzen sie ihren Duftstoff besonders stark ab. „Ameisen können offenbar ebenso wie Menschen Enthusiasmus und Frustration empfinden“, sagt Czaczkes. „Ich will herausfinden, ob man solche psychologischen Effekte bei der Bekämpfung invasiver Arten nutzen kann.“

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