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Urban Humanities
Für den Historiker Daniel Jütte haben Alltagsobjekte soziale Funktionen, die ein neues Verständnis bekannter historischer Phänomene ermöglichen. Er hat beispielsweise untersucht, wie Türen und Schwellenräume das westliche Denken über Sicherheit und Privatheit geprägt haben. Wer darf eintreten, wer bleibt ausgeschlossen, wer kontrolliert den Zugang? So macht Jütte Objekte und Praktiken zum Ausgangspunkt großer historischer Fragen: Wie entsteht Macht? Wer darf Wissen besitzen?
Daniel Jütte forscht vor allem zur Frühen Neuzeit in Europa, zur Kultur- und Wissensgeschichte sowie zur jüdischen Geschichte. Seine zahlreichen Veröffentlichungen haben neue Perspektiven auf Stadtgeschichte, die Geschichte der jüdisch-christlichen Beziehungen sowie an der Schnittstelle von Begriffsgeschichte und Materialität eröffnet. An der New York University hat er den Aufbau der Urban Humanities Initiative mitgestaltet, die Lehrende, Studierende, politische Entscheidungsträger*innen und die engagierte Öffentlichkeit zusammenbringt. Sie soll den gemeinsamen Dialog fördern und die interdisziplinäre Forschung zu städtischem Leben, Gesellschaft, Politik und Kultur auf lokaler, nationaler und globaler Ebene unterstützen.
Die Herausforderungen zukünftiger Stadtentwicklung werden am KIT bereits unter verschiedenen Aspekten erforscht. Unter der Leitung von Daniel Jütte als Humboldt-Professor soll das Urban Humanities Lab (UHL) gegründet werden, in dem geistes- und sozialwissenschaftliche sowie naturwissenschaftliche Ideen, Methoden und Ansätze produktiv zusammengebracht werden. Geplant ist, dass das UHL auch eine Schnittstelle der Fakultäten für Geistes- und Sozialwissenschaften, Architektur, Bauingenieurwissenschaften und Maschinenbau bildet, in der Jüttes Expertise in der Geschichte der materiellen Kultur, insbesondere von Baumaterialien und Transportmitteln, eine wesentliche Rolle spielen soll.
Zur Person
Nach seiner Promotion in Heidelberg wechselte Daniel Jütte 2011 an die Harvard University in Cambridge, USA, und 2016 an die New York University, wo er seit 2023 Full Professor ist. Er war Stipendiat der Harvard Society of Fellows, der Universität Cambridge, Vereinigtes Königreich, der American Academy in Berlin und am Wissenschaftskolleg Berlin. 2024 erhielt er den Dan-David-Preis, den höchstdotierten Preis in den historischen Wissenschaften.
Daniel Jütte wurde für die Humboldt-Professur ausgewählt und ist derzeit in Berufungsverhandlungen mit der deutschen Universität, die ihn für den Preis nominiert hat. Werden diese erfolgreich abgeschlossen, wird der Preis 2027 verliehen.