Alexander von Humboldt-Professur 2023

Heike Vallery

Der menschliche Gang – was meist intuitiv und selbstverständlich aussieht, ist eine äußerst komplexe Art der Fortbewegung. Wer geht, kämpft permanent gegen die Schwerkraft und muss fein austariert die Balance halten. Gerade deshalb ist der aufrechte Gang technisch noch immer schwer nachzubilden. Die Maschinenbauingenieurin Heike Vallery erforscht Gang und Gleichgewicht und entwickelt Anwendungen im Bereich Hardware und Regelungstechnik für die Rehabilitation mobilitätseingeschränkter Menschen.

  • Nominierende Universität: Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Porträt von Heike Vallery
Saturn-ähnliches Dekortationsbild

Kontakt

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Medizinrobotik

International genießt Heike Vallery den Ruf, Innovatorin mit besonders feinem Gespür für die Probleme in der medizinischen Rehabilitation zu sein. Ihr Ansatz ist, Anwendungen stets möglichst simpel und minimalistisch zu halten. So entwickelte Vallery beispielsweise eine Knieprothese, die die Energie aus der Sitzbewegung in einer Feder speichert und die Patient*innen darüber beim Aufstehen unterstützt. Ganz ohne Motoren und Batterien ist diese Prothese um bis zu zwei Drittel leichter als vergleichbare Alternativen – wodurch sie sich nicht nur für junge, aktive Patient*innen eignet, sondern auch für ältere Menschen.
Ein weiterer Schwerpunkt von Vallerys Forschung sind Anwendungen zur Unterstützung des Gleichgewichts, wie sie beispielsweise in der Rehabilitation von Schlaganfallpatient*innen gebraucht werden. Herkömmliche Hilfsmittel wie Gehhilfen, Krücken oder Gehstöcke sind im Alltag zwar nützlich, schränken den Bewegungsablauf aber massiv ein, da sie die Hände erfordern. Mit GyBAR hat Vallery mit ihrem Team eine Art Rucksack entwickelt, der einen gyroskopischen Aktuator enthält, eine rotierende Scheibe, die mit Elektromotoren neu positioniert werden kann. Darüber unterstützt und stabilisiert GyBAR Balance und Gleichgewicht beim Gehen und verhindert Stürze. Zugleich bleiben bei diesem Hilfsmittel die Hände frei und es lässt natürliche Bewegungsabläufe zu.
Heike Vallery ist in der Grundlagen- wie der angewandten Forschung gleichermaßen versiert. Zudem zeichnet sie sich durch ihre Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Mediziner*innen im Klinikalltag als auch in der Kooperation mit der Industrie aus. Als Alexander von Humboldt-Professorin soll sie an der RWTH Aachen eine Brückenfunktion zwischen Maschinenbau und Medizin einnehmen. Vorgesehen ist, dass sie am dortigen Institut für Regelungstechnik einen Schwerpunkt in Medizinrobotik etabliert.

 

Zur Person

Heike Vallery ist seit 2017 Professorin für Human Motor Augmentation an der Technischen Universität Delft in den Niederlanden sowie seit 2019 Honorarprofessorin am Department for Rehabilitation Medicine des Medical Center der Erasmus Universität Rotterdam. Vallery studierte Maschinenbau an der RWTH Aachen, wurde an der TU München promoviert und forschte anschließend von 2008 bis 2011 an der ETH Zürich, Schweiz, als Postdoktorandin. Von dort wechselte sie als Assistant Professor an die Khalifa University in Abu Dhabi und 2012 an die TU Delft. Heike Vallery erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Förderungen, darunter den euRobotics Technology Transfer Award 2014 oder eine Vidi-Förderung aus dem Exzellenzprogramm der nationalen niederländischen Wissenschaftsorganisation NWO.

Heike Vallery wurde für die Humboldt-Professur ausgewählt und ist derzeit in Berufungsverhandlungen mit der deutschen Universität, die sie für den Preis nominiert hat. Werden diese erfolgreich abgeschlossen, wird der Preis 2023 verliehen.