Alexander von Humboldt-Professur für Künstliche Intelligenz 2023

Ingmar Weber

Ingmar Weber forscht an der Schnittstelle von Sozialwissenschaften und Künstlicher Intelligenz. Mithilfe statistischer Methoden analysiert er durch soziale Plattformen generierte Daten, um daraus etwa Aussagen über politische Polarisierung zu treffen oder Migrationsbewegungen zu modellieren.

  • Nominierende Universität: Universität des Saarlandes
Porträt von Ingmar Weber
Saturn-ähnliches Dekortationsbild

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Computational Social Science

Plattformen wie Facebook, Twitter oder LinkedIn bieten einen großen Fundus an Daten, der zum Teil öffentlich zugänglich ist – beispielsweise über Schnittstellen für Werbetreibende. Ingmar Weber nutzt diese Schnittstellen und führt Daten aus verschiedenen Sozialen Netzwerken, von Yahoo oder von Google Trends sowie aus traditionellen Quellen, wie offiziellen Statistiken, zusammen. Um daraus Modelle zu erstellen, aus denen sich verlässliche Aussagen ableiten lassen, sucht er gezielt nach Schwächen der verschiedenen Datenquellen, etwa Unsicherheiten oder Fehler in den Stichproben. Diese lässt er dann beispielsweise in bayessche Modelle einfließen – ein statistisches Werkzeug, das besonders geeignet ist, um trotz Ungenauigkeiten in den Daten zu plausiblen Ergebnissen zu kommen.

Ingmar Weber hat mit seinen „Big Social Data“-Auswertungen wegweisende Arbeiten unter anderem zu Migration vorgelegt, anhand derer sich sowohl bereits stattgefundene Migrationsbewegungen beziffern als auch zukünftige Ein- und Auswanderung vorhersagen lassen. Seine Ergebnisse gelten als verlässlicher als die oft lückenhaften und teils widersprüchlichen offiziellen Statistiken. Viel Anerkennung bekommt Ingmar Weber für die Methoden, die er zur Untersuchung von Hassrede und politischer Polarisierung insbesondere in den USA entwickelt hat – ein Thema, das ihn schon seit 2012 beschäftigt. Seine Algorithmen können die wichtige Unterscheidung zwischen lediglich provokativen Äußerungen und gefährlichem Hass treffen. Sie ermöglichen so eine genauere Analyse eines Phänomens, das für die Forschung oft schwer greifbar ist.
Weber betreibt „AI for Social Good“ oder „KI für Gemeinwohl“ und ist einer der Pionier*innen dieses Forschungsfelds. Er hat der Sozialwissenschaft entscheidende neue Methodiken an die Hand gegeben, um neue Datenquellen nutzbar zu machen.

An der Universität des Saarlandes in Saarbrücken wird Ingmar Weber den Aufbau eines Interdisciplinary Institute of Societal Computing leiten und als Brückenkopf zwischen Disziplinen fungieren sowie unter anderem die datengetriebene KI-Forschung zu sozialen Themen vorantreiben.

Zur Person

Ingmar Weber wurde 2007 an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken promoviert. Er absolvierte Postdoc-Stationen an der EPFL (École polytechnique fédérale de Lausanne) in der Schweiz und bei Yahoo Research in Barcelona, Spanien, bevor er 2012 an das Qatar Computing Research Institute wechselte. Dort ist er seit 2017 Forschungsdirektor der Social Computing Group. Ferner war der deutsche Mathematiker Visiting Researcher bei Microsoft (2016) sowie an der Singapore Management University, Singapur (2015). Weber ist „Distinguished Member“ der Association for Computing Machinery (ACM).