Alexander von Humboldt-Professur 2027

Jonathan Kimmelman

Jonathan Kimmelman ist eine international führende Autorität im Bereich der Bioethik. Seine Berufung soll die globale Sichtbarkeit des Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) als Standort für transparente, ethisch fundierte und wissenschaftlich exzellente biomedizinische Forschung weiter ausbauen.

  • Nominierende Universität: Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin Institute of Health in der Charité
Portrait von Jonathan Kimmelman
Saturn-ähnliches Dekortationsbild

Kontakt

Presse, Kommunikation und Marketing
Tel.: +49 228 833-144
Fax: +49 228 833-441
presse[at]avh.de

Bioethik

Wenn ein neues Medikament entwickelt wird, kommt nach präklinischen Tests und Tierversuchen der Punkt, an dem der Wirkstoff in einer „First-in-Human“-Studie zum ersten Mal an gesunden Menschen getestet wird. Dieser gesamte Prozess wirft ethische Fragen auf: Ist die potenzielle Gefahr für gesunde Probanden gerechtfertigt, wenn sie selbst keinen therapeutischen Nutzen haben? Sind die Daten aus Tierversuchen oder Zellkulturen verlässlich genug? Wie lassen sich Tierversuche minimieren? Welche Risiken sind akzeptabel? 

Jonathan Kimmelman verbindet philosophische Analyse mit empirischer Forschung. Er beschäftigt sich mit ethischen Problemen translationaler Forschung, insbesondere mit dem Übergang von Experimenten im Labor zu ersten Studien am Menschen. Er verlangt nach einer „moral efficiency“: Unter diesem Konzept versteht er, dass medizinische Forschung dann ethisch gerechtfertigt ist, wenn sie mit möglichst geringem Risiko und Aufwand für Versuchspersonen möglichst verlässliches und nützliches Wissen hervorbringt. Eine Studie kann formal ethisch genehmigt und trotzdem moralisch ineffizient sein, etwa wenn sie schlecht geplant und zu klein angelegt ist oder bekannte Fehler wiederholt. Während der COVID-Pandemie warnte Kimmelman in einem viel beachteten Beitrag davor, wissenschaftliche Standards aus Zeitdruck aufzuweichen. Er argumentierte, dass in Krisenzeiten moralische Effizienz noch wichtiger werde, da eine große Menge an schlecht koordinierten Studien Ressourcen verschwenden und Unsicherheiten verstärken würde.

Kimmelmans visionäre Forschung soll die Ethik und Effizienzsteigerung biomedizinischer Forschung in Deutschland und Europa nachhaltig stärken und ihre konzeptionelle und methodische Weiterentwicklung vorantreiben. Geplant ist, dass er eine Humboldt-Professur für Ethics, Policy, and Meta-Research am BIH QUEST Center for Responsible Research innerhalb des Berlin Institute of Health in der Charité antritt.

Zur Person

Jonathan Kimmelman ist Professor an der McGill University in Montreal, Kanada. Bevor er sich der Bioethik zuwandte, wurde er an der Yale University, USA, in Biophysik und Biochemie promoviert. Er ist Fellow der Royal Society of Canada und bekleidet seit 2018 eine James McGill-Professur, die herausragende, originelle Forschende als internationale Vorreiter auf ihrem Gebiet würdigt. 2014 wurde er mit einem Bessel-Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung ausgezeichnet.

Jonathan Kimmelman wurde für die Humboldt-Professur ausgewählt und ist derzeit in Berufungsverhandlungen mit der deutschen Universität, die ihn für den Preis nominiert hat. Werden diese erfolgreich abgeschlossen, wird der Preis 2027 verliehen.