Alexander von Humboldt-Professur 2024

Michaela Mahlberg

Michaela Mahlberg nutzt computergestützte, quantitativ-linguistische Methoden, um riesige Textkorpora zu untersuchen. Die FAU will sich mit der führenden Spezialistin als internationales Exzellenz-Zentrum für die Digital Humanities etablieren.

  • Nominierende Universität: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Portrait Michaela Mahlberg
Saturn-ähnliches Dekortationsbild

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Angewandte Linguistik

Sprache ist der Schlüssel zur Welt. Michaela Mahlberg nutzt computergestützte, quantitativ-linguistische Methoden, um riesige Textkorpora auch im Hinblick auf die soziale Funktion von Sprache zu untersuchen. Bekannt wurde sie für ihre Arbeit zum Werk Charles Dickens' an der Schnittstelle zwischen Korpuslinguistik und Literaturwissenschaft.
Häufigkeit und Kontext, in dem einzelne Wörter oder Phrasen auftauchen, lassen Rückschlüsse auf Kultur und Gesellschaft zu. Wie oft und in welchem thematischen Umfeld beispielsweise das Wort „Management“ im Textkorpus NOW (News on the Web, Onlinemedien seit 2010) erscheint, kann für weitergehende Analysen genutzt werden. So helfen Mahlbergs Beiträge im Rahmen der Digital Humanities, unsere digitalisierte Welt des 21. Jahrhunderts besser zu verstehen.

Mahlbergs computergestützte Analysemethoden gehen über die reine Deskription hinaus. Ihre Forschung bildet die Basis, um gesellschaftsrelevante Veränderungen voranzubringen. Ein Beispiel dafür ist das transdisziplinäre Pilotprojekt zur Wasserkrise, das Michaela Mahlberg in Birmingham gemeinsam mit dem Kollegen des UNESCO Lehrstuhls für Wasserwissenschaften durchführt. Trinkwasser ist in vielen Regionen der Welt knapp. Wie aber sensibilisiert man breite Bevölkerungsschichten für dieses Problem? Es gilt zunächst zu verstehen, welche unterschiedlichen Bedeutungen wir Wasser zuschreiben, in welchen Zusammenhängen wir wie über Wasser sprechen. Mahlberg analysiert riesige Textmengen aus Zeitungen, UN-Berichten, politischen Empfehlungen und literarischen Werken. Daraus können die unterschiedlichsten Wasser-Diskurse identifiziert werden und Kommunikationsexperten im nächsten Schritt feststellen, welche Verbindungen zwischen diesen in Zukunft herausgestellt werden müssen, damit die Bedeutung von Wasser für jeden einzelnen klar wird.

Mit der Digitalisierung der Welt hat sich auch die Sprache selbst verändert. Das will Michaela Mahlberg für die Methoden und Theoriebildung der Korpuslinguistik mitdenken. Als Humboldt-Professorin an der FAU in Erlangen soll sie Direktorin des 2021 gegründeten Departments Digital Humanities and Social Studies (DHSS) werden und die Aktivitäten im Bereich der Digital Humanities bündeln und erweitern. Das Zentrum soll dazu beitragen die Datafizierung und Algorithmisierung von Kultur und Gesellschaft auch in ihrer sozialen Dimension erforschen und verstehen zu können.

Corpus Linguistics in Context Zur CLiC web app 

Zur Person

Michaela Mahlberg studierte Englisch und Mathematik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und der University of Exeter, Vereinigtes Königreich. 2004 wurde sie in Englischer Sprachwissenschaft an der Universität des Saarlands, Saarbrücken, promoviert. Sie lehrte Englische Sprachwissenschaft an der Università degli Studi di Bari Aldo Moro, Italien, an der Liverpool Hope University, an der University of Liverpool und der University of Nottingham, Vereinigtes Königreich, bevor sie 2015 Professorin für Corpus Linguistics an der University of Birmingham, Vereinigtes Königreich, wurde. Sie ist Vizepräsidenten der International Dickens Society. Michaela Mahlberg ist Herausgeberin des International Journal of Corpus Linguistics. Unter ihrer Leitung entstand die Internetanwendung CLiC (Corpus Linguistics in Context), die nun in über 100 Ländern für Forschung und Lehre genutzt wird.

Michaela Mahlberg wurde für die Humboldt-Professur ausgewählt und ist derzeit in Berufungsverhandlungen mit der deutschen Universität, die sie für den Preis nominiert hat. Werden diese erfolgreich abgeschlossen, wird der Preis 2024 verliehen.