Nachgefragt

Herr Müllensiefen, wie macht Musik Kinder klüger?

Wie förderlich sein jugendliches Gitarreklampfen für seine eigene geistige Entwicklung war, kann Daniel Müllensiefen rückblickend schwer beantworten. Aber er weiß: „Musik macht mich glücklicher und zufriedener.“ Bis heute spielt er Gitarre – wenn ihm Arbeit und die drei kleinen Kinder Zeit lassen. Über mangelnden Erfolg in seinem Beruf kann er sich auf alle Fälle nicht beklagen.

  • Von Kristin Hüttmann
Saturn-ähnliches Dekortationsbild

Dr. Daniel Müllensiefen vom Goldsmiths College, University of London, Vereinigtes Königreich, kooperiert als Anneliese Maier- Forschungspreisträger mit der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.

Daniel Müllensiefen

Der Musikpsychologe von der University of London ist ein gefragter Experte, wenn es um die Wirkung von Musik auf den Menschen geht. So entwickelte er einen Test zur Messung von Musikalität: den Goldsmiths Musical Sophistication Index (Gold-MSI), der sich als Standardwerkzeug in der Musikforschung durchgesetzt hat. Auch mit Computeranalysen zur Erkennung von Plagiaten und Ohrwürmern machte er von sich reden. Mit seinen Kollegen in Hannover will Müllensiefen nun herausfinden, wie der Umgang mit Musik Kinder und Teenager prägt – ihre Persönlichkeit, Intelligenz und sozialen Fähigkeiten: „Wir wollen über mindestens fünf Jahre die natürliche Entwicklung ab der 5. Klasse beobachten.“ In einer Art musikalischer PISA-Studie.

Nachrichten aus der Stiftung 

„Musizieren trainiert Gedächtnis, Konzentration und Wahrnehmung. Das hilft Kindern in ihrer gesamten Entwicklung“, sagt der Musikforscher. Dabei soll Musik vor allem Spaß machen und um ihrer selbst willen betrieben werden. Denn, so Müllensiefen: „Musik ist kein Leistungssport.“

 

aus Humboldt Kosmos 106/2016

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