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Nachgefragt

Frau Mekonnen, wie wurden Sie die erste Professorin Äthiopiens?

Als ich 1988 für meine Dissertation nach Deutschland ging, war das für eine Frau aus Äthiopien absolut ungewöhnlich. Mädchen durften in die Schule gehen, das ja; aber Frauen in die Forschung? „Eine verheiratete Frau mit Familie gehört ins Haus“, war die traditionelle Vorstellung. Und ich ließ sogar meine halbwüchsigen Kinder bei meinem Mann zurück. Zum Glück haben er und meine Familie mich immer unterstützt.

  • vom 
  • Text: Mareike Ilsemann
Saturn-ähnliches Dekortationsbild

PROFESSORIN DR. YALEMTSEHAY MEKONNEN lehrt Zell- und Humanphysiologie am College of Natural Sciences der Addis Ababa University, Äthiopien. Von 2001 bis 2002 war sie als Georg Forster-Forschungsstipendiatin an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Die Illustration zeigt Professorin Dr. Yalemtsehay Mekonnen
Yalemtsehay Mekonnen

Inzwischen ist einige Zeit vergangen und seitdem hat sich in Äthiopien, was Bildung und Karriere für Frauen betrifft, viel getan. Mittlerweile sind 30 Prozent der Studienanfänger*innen Frauen. Leider brechen viele ihr Studium mit der Eheschließung ab. Da geht so viel Potenzial verloren! Deshalb finde ich es richtig, zumindest vorübergehend Maßnahmen zur Frauenförderung anzuwenden. So haben wir bei uns an der Universität zum Beispiel die erforderliche Zugangsnote etwas gesenkt, um mehr Frauen an die Uni zu bringen. Das soll etwaige Nachteile während ihrer Schulzeit ausgleichen. Genderparität ist ein hehres, aber fernes Ziel.

Saturn-ähnliches Dekortationsbild

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Ich bin immer gern in die Schule gegangen. Meine Eltern haben nie zwischen Jungen und Mädchen unterschieden. Neues zu lernen, ist für mich ein inneres Bedürfnis. Meine Maxime lautet, dass frau zumindest alles versuchen muss um weiterzukommen. Mir ist immer meine Zielstrebigkeit zugutegekommen, und dass ich mich von nichts abschrecken lasse. Ich bin stolz, als erste Frau in Äthiopien 2009 den Professorinnentitel erhalten zu haben. Frauenförderung ist für mich als Role Model mehr als eine Herzensangelegenheit. Deshalb habe ich als Lehrstuhlinhaberin die Verantwortung für das Gender Office der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Addis Abeba übernommen. Meine Tür ist bei dem Thema immer offen. „Bleibt dran! Versucht alles! Seid flexibel, hartnäckig und, wenn es nicht anders geht, auch diplomatisch! Gebt nicht auf!“, lautet meine Botschaft an die Frauen.

Wenn es in meiner Macht liegt, mache ich ihnen den Weg frei. Bei Stellenbesetzungen würde ich eine exzellente Frau einem exzellenten Mann durchaus vorziehen. Dabei ist wichtig zu wissen, dass in Äthiopien und anderen Ländern Afrikas Frauenförderung nicht nur etwas mit ideellen Werten wie Vielfalt, Geschlechtergerechtigkeit und individueller Selbstbestimmung zu tun hat. Teilhabe an höherer Bildung ist schlichtweg eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Wir brauchen gut ausgebildete Frauen in qualifizierten Berufen, um unser Land technologisch und gesellschaftlich weiterzuentwickeln. Frauen sind unsere Zukunft!

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