Internet Explorer wird nicht unterstützt

Bitte verwenden Sie einen alternativen Browser, um unsere Website vollständig nutzen zu können.

Nachgefragt

Frau Ombaka, wie ist es als alleinerziehende Forscherin?

Meine Geschichte begann vor vier Jahren. In meinem Leben geschahen drei Dinge gleichzeitig: An der Uni in Kenia bot man mir einen neuen Job an, ich erhielt ein Stipendium der Humboldt-Stiftung und stellte fest, dass ich schwanger war. Was sollte ich tun? In Absprache mit der Stiftung beschloss ich, erst den Job anzunehmen, das Kind zu bekommen und das Stipendium mit Baby später anzutreten.

  • vom 
  • Text: Mareike Ilsemann
Saturn-ähnliches Dekortationsbild

Die Kenianerin DOKTORIN LUCY OMBAKA ist Chemikerin an der Technical University of Kenya in Nairobi, Kenia. 2016 erhielt sie das Georg Forster-Forschungsstipendium zugesprochen, das sie 2018 am Institut für Technische Chemie der Leibniz Universität Hannover antreten konnte.

Die Illustration zeigt Doktorin Lucy Ombaka
Lucy Ombaka

Es waren Zwillinge, die ich 2017 zur Welt brachte. Leider verstarb das Mädchen nach einem Monat auf der Intensivstation. Aber ich wollte an meinem Plan festhalten. „Bist Du verrückt? Du hast gerade ein Kind verloren und willst nach Deutschland?“, hörte ich aus meinem Umfeld. Ich wusste aber, dass das Stipendium die Chance meines Lebens war. In Kenia unterrichtete ich zwar an einer Hochschule, konnte aber keine eigene Forschung betreiben.

Was ich mir da vorgenommen hatte, wurde mir klar, als ich spätabends am Flughafen Frankfurt strandete. Ich, mutterseelenallein, mit einem fünfzehnmonatigen Kleinkind auf den Rücken gebunden. Der Flug war sechs Stunden verspätet, der letzte Zug nach Hannover längst weg. Ich wusste nicht, wo ich die Nacht über bleiben sollte. Mein Sohn war übermüdet und weinte.

Ich würde mich so gerne noch mal bei jenem guten Mann bedanken, der mich damals ansprach, mir zuhörte und half, ein Hotel zu finden und mich in ein Taxi setzte.

Saturn-ähnliches Dekortationsbild

Machen Sie mit!

Wir wollen das Thema Diversität über das Magazin Humboldt Kosmos hinaustragen. Lassen Sie uns diskutieren! Wir freuen uns, wenn Sie Ihre Meinung oder eigene Geschichte teilen unter #ProgressDiversity.

#ProgressDiversity auf Twitter

Keine 48 Stunden später trat ich mein Stipendium in Hannover an. In der Kita der Uni versprach man mir sofort anzurufen, falls mein Sohn weinte. Ich starrte den ganzen Tag aufs Handy. Es wurde immer später. Niemand meldete sich. Beim Abholen nahm ich ein gut gelauntes Kind entgegen, das sich den ganzen Tag an den lustigen weißen Gesichtern erfreut hatte.

Einen Kindergartenplatz zu bekommen war dann schon schwieriger. Aber wir haben es geschafft. Als Alleinerziehende hat man nicht viel Zeit zum Arbeiten. Ich habe gelernt, sehr effizient zu arbeiten, wenn mein Sohn betreut wird. Natürlich haben es meine männlichen Kollegen leichter. Sie widmen sich ihrer Forschung und die Frauen kümmern sich um die Kinder. Und auch in Kenia hätte ich es leichter gehabt, weil uns meine Familie unterstützt hätte.

Aber es war definitiv richtig, nach Deutschland zu gehen. Mein Sohn spricht fließend Deutsch und ist der zufriedenste kleine Junge, den man sich vorstellen kann. Und ich habe so viel gelernt. Das wird sich für mich auszahlen, davon bin ich überzeugt.

vorheriger Artikel Herr Mole, wie ergeht es queeren Menschen im Exil?
nächster Artikel Die versteckten Kosten der Gewalt