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Humboldtianer*innen persönlich

In den USA fragt mich niemand, wo ich herkomme

Ich bin in Kamerun geboren und aufgewachsen. In Deutschland lebe ich seit 2011. Wenn mich hier jemand fragt, woher ich komme, kann das ehrliches Interesse signalisieren. Wenn diese unschuldige Frage aber auf Stereotypen basiert oder dadurch ausgelöst wird, dass ich anders aussehe, kann die Botschaft mitschwingen, dass ich nicht hierher gehöre. Und das verletzt vor allem mein Gefühl der Zugehörigkeit.

  • vom 
  • Aus dem Englischen von Mareike Ilsemann
DIVERSITÄT ALS SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT: Serge Fobofou inmitten seiner Kolleg*innen an der Harvard Medical School auf einem Bootsausflug in Boston
Saturn-ähnliches Dekortationsbild

DOKTOR SERGE ALAIN FOBOFOU TANEMOSSU promovierte in Chemie am Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie in Halle und an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Serge Fobofou war Feodor Lynen-Forschungsstipendiat an der Harvard Medical School, USA. Heute ist er Leiter einer Forschungsgruppe am Institut für Pharmazeutische Biologie der TU Braunschweig.

Ich bin 2018 als Feodor Lynen-Stipendiat nach Harvard in die USA gegangen. Spitzenforschung und innovative Start-ups arbeiten dort eng zusammen. Hautfarbe und Herkunft spielen überhaupt keine Rolle. Diversität und Internationalisierung sind eine absolute Selbstverständlichkeit. In Deutschland fällt mir auf, dass wenige Professor*innen aus dem Ausland stammen. An der Basis, unter den Studierenden, ist durchaus Diversität vorhanden, an der Spitze aber sitzen zumeist Einheimische. Als Bewerber an einer amerikanischen Uni muss ich sogar darlegen, wie ich zur Kultur der Vielfalt und Inklusion beitragen werde. In den USA fragt mich auch niemand, woher ich komme, es sei denn, ich habe vorher betont, dass ich kein Amerikaner bin. Die Menschen haben verinnerlicht, dass Amerikaner*innen jede Hautfarbe haben können. Aber auch in den USA ist natürlich nicht alles perfekt. Man denke nur an den strukturellen Rassismus, gegen den sich die Bewegung Black Lives Matter richtet.

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Meiner Meinung nach ist es grundsätzlich ein Problem, Menschen nach ihrer Hautfarbe zu kategorisieren. Auch als Merkmal für Diversität. Es fängt schon damit an, dass die Begriffe „schwarz“ und „weiß“ unzutreffend sind. Es gibt schlicht keine Menschen, die so kalkweiß wie ein Blatt Papier oder so schwarz wie Tinte sind. Nur die Pigmentierung unserer Haut ist unterschiedlich. Aber die sollte keine Rolle spielen.

Leider muss ich sagen, dass vielen Menschen gar nicht bewusst ist, dass „schwarz“ mit negativen kulturellen Zuschreibungen verknüpft ist. Zum Beispiel werden in Filmen Engel weiß dargestellt und der Teufel gewöhnlich schwarz. Solche Zuschreibungen wirken sich auch auf die Realität aus. Wir sollten nach Alternativen suchen, die die Realität angemessener beschreiben. So wird in den USA auch von „kaukasischer“ oder „europäischer“ Abstammung gesprochen oder es werden Zuschreibungen wie „afro-amerikanisch“, „afrikanisch“, „asiatisch“ oder „Latino“ benutzt.

Unsere multikulturelle und diverse Welt ist ein Segen. Diese Diversität in allen Bereichen der Gesellschaft zu verankern, endlich Rassismus und Diskriminierung hinter uns zu lassen – das wird nicht nur die Wissenschaft voranbringen, sondern die Welt insgesamt friedlicher machen.

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