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Humboldtianer persönlich

Über den Dingen

Das bin ich an der Kletterwand bei der Paraclimbing-Weltmeisterschaft 2018 in Innsbruck. Dort wurde ich zum zweiten Mal Weltmeisterin in der Kategorie „AL-2“, der Wettkampfklasse für Athleten mit Fehlbildung oder Amputation eines Beines.

  • Von Lucie Jarrige, aufgezeichnet von Mareike Ilsemann
Saturn-ähnliches Dekortationsbild

Die französische Chemikerin Dr. Lucie Jarrige ist Humboldt-Stipendiatin an der Philipps-Universität Marburg. Sie erforscht, wie mithilfe von Licht Moleküle umgewandelt werden können, ohne dass schädliche Nebenprodukte entstehen. „Grüne Chemie“ liegt Lucie Jarrige am Herzen.

Lucie Jarrige

Erst vor wenigen Wochen konnte ich den Titel in Briançon verteidigen. Das war absolut überwältigend! Ich kämpfe gegen die Wand, wie ich gegen den Krebs gekämpft habe. Und ich besiege die Wand, wie ich den Krebs besiegt habe. Durch das Klettern und meine Geschichte bin ich ein Mensch geworden, der niemals aufgibt, ganz nach oben will und jeden Moment des Lebens genießt.

Nachrichten aus der Stiftung 

Ich stamme aus der kleinen französischen Gemeinde Monflanquin in der Region Nouvelle-Aquitaine, rund 160 Kilometer südöstlich von Bordeaux. Bevor ich mit 15 an Knochenkrebs erkrankt bin und mein linkes Bein oberhalb des Knies amputiert werden musste, bin ich geschwommen. Mit dem Klettern habe ich erst vor gut sechs Jahren angefangen. Als ich für meinen Master nach Paris gezogen bin, habe ich viele neue Leute kennengelernt, unter anderem auch den Vorsitzenden eines Klettervereins. Er hat mich ermuntert, in die Kletterhalle zu gehen und es einfach mal auszuprobieren. Auch mit nur einem Bein. Ich habe es ausprobiert. Und es hat mir auf Anhieb gefallen. Nur drei Jahre später, 2016, wurde ich in Paris zum ersten Mal Weltmeisterin im Paraclimbing.

Wenn man Krebs überlebt, reift man viel schneller. Vor der Krankheit wollte ich Pharmazeutin werden und den Menschen helfen, indem ich ihnen Medikamente verkaufe. Dann habe ich viel Zeit im Krankenhaus verbringen müssen und dort mit vielen Menschen, Medizinern, Krankenschwestern und Pflegern über meinen Berufswunsch gesprochen. Das waren für mich sehr aufschlussreiche und wichtige Gespräche. Denn durch sie habe ich gemerkt, dass ich mich eigentlich mehr für die Forschung interessiere, dass ich Medikamente entwickeln möchte, um die Gesundheit von Menschen zu verbessern. In dem Moment habe ich beschlossen, Chemikerin zu werden.

Auf die Weltmeisterschaften habe ich mich akribisch vorbereitet. Nach zehn bis zwölf Stunden im Labor habe ich noch vier Stunden in der Kletterhalle verbracht. In der heißen Vorbereitungsphase sogar fast jeden Tag. Das waren schon ziemlich lange Tage, aber das macht mir nichts. Ich liebe die Wissenschaft und ich liebe meinen Sport. Sie sind mein Leben!

Ich träume davon, 2024, wenn möglich, an den Olympischen Spielen in Paris teilzunehmen. Und auch eine Medaille zu gewinnen.

aus Humboldt Kosmos 110/2019

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