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Henriette Herz-Scouting-Programm: Wie Humboldt-Scouts das Netzwerk diverser machen wollen

Erstmalig machen sich 33 Humboldt-Scouts auf die Suche nach Forschungsstipendiat*innen für ihr Team und das Exzellenz-Netzwerk der Humboldt-Stiftung. Hier berichten zwei Scouts, wie sie bei der Talentsuche vorgehen.

  • vom

aktualisiert am 9. April 2021

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Professor Markus Antonietti, Direktor der Abteilung "Kolloidchemie" am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, Potsdam, hat schon viele Humboldt-Geförderte als Gastgeber betreut. Für Professorin Almut Arneth vom Institut für Geographie und Geoökologie und Abteilungsleiterin am Institut Atmosphärische Umweltforschung, beides Karlsruher Institut für Technologie (KIT), ist es eine Premiere: Sie war selbst Humboldt-Forschungsstipendiatin, aber noch keine Gastgeberin. Beide haben sich als Scouts für Henriette Herz-Scouting-Programm beworben und konnten den Auswahlausschuss überzeugen. Das Programm ermöglicht ihnen nun, bis zu drei Wissenschaftler*innen auszusuchen, die dann direkt ein Stipendium erhalten. Das erste soll an eine Forscherin gehen. Es gelten die gleichen Exzellenzkriterien wie beim Humboldt-Forschungsstipendium, aber eine Evaluation findet erst im Nachhinein statt. Wir haben mit den beiden Scouts über den neuen Ansatz gesprochen.

Humboldt-Stiftung: Welche Chance sehen Sie im Scouting-Programm?
Almut Arneth: Ich habe mich aus mehreren Gründen als Scout beworben, vor allem aber, weil ich einfach konstant die Erfahrung mache, dass Diversität (egal ob Gender, Land oder Fach)  in der Wissenschaft unglaublichen Mehrwert generiert. Das liegt sicher daran, dass ich in einem Feld forsche, wo es ohne Austausch zwischen Fachdisziplinen einfach nicht funktioniert. Außerdem war die Möglichkeit, weitere Wissenschaftler*innen für eine Zeit als Gastforschende in meiner Arbeitsgruppe willkommen heißen zu können, sehr verlockend. Zum einen, um hoffentlich ein Sprungbrett für weitere Karrieren zu generieren, zum anderen, weil  auch wir viel von den Humboldtianer*innen lernen können. Und dann hoffe ich natürlich, dass sich aus den Forschungsaufenthalten auch langfristige Kooperationen entwickeln.

Markus Antonietti: Ich finde es sehr reizvoll, dass das  Henriette Herz- Programm die Möglichkeit bietet, interessante Forschungspersönlichkeiten zu gewinnen, die ansonsten durch das Raster fallen würden. Ich rede hier auch über Wissenschaftler*innen auf dem sogenannten zweiten Bildungsweg, die oft früh eine Familie gegründet haben, deren wissenschaftliche Laufbahn also nicht gradlinig verlaufen ist. Aber auch über Kandidat*innen, die eben nicht aus einer bürgerlichen Familie kommen und „sozial kompliziertere“ Hintergründe vorweisen. Diese Kombination von erst einmal vielleicht durchschnittlichen Zeugnissen, aber hoher Überlebensintelligenz und tiefer Passion für die Wissenschaft ist für mich sehr wertvoll.

Henriette Herz-Scouting-Programm 

Welche Rolle spielt Diversität für Sie bei der Auswahl der Stipendiat*innen?
Markus Antonietti: Diversität heißt für mich auch kulturelle und soziale Diversität, die Wissenschaft sollte wirklich aus dem ganzen Humanpotenzial schöpfen können. Bitte nicht falsch verstehen: Gender-Diversität ist sehr wichtig, führt aber oft zu einer „Linearisierung der Karriere“, die dann sozial diskriminierend wirkt, gerade in der zweiten Welt mit ihren recht undurchlässigen Sozialsystemen. Damit ist gemeint, dass man dann zwar mehr Frauen im System hat, aber sie haben denselben Bildungsweg hinter sich, wie er bisher von Männern in der Wissenschaft verlangt wird. Zwei meiner kreativsten Fachkolleg*innen haben zuerst einen technischen Beruf gelernt und haben ihr Abitur nachholen müssen, bevor sie zum „Weltstar“ in der Forschung wurden. Solche Talente kann ich durch das Henriette Herz- Programm erreichen, weil es mir als Scout einen Vertrauensvorschuss schenkt. Ich kann die potenziellen Stipendiat*innen ins Programm bringen, der Erfolg wird erst später evaluiert.

Professorin Arneth, was halten Sie davon, dass Sie als erstes eine Wissenschaftlerin vorschlagen sollen?
Almut Arneth: Sehr viel. Ich stehe zwar „Quotenregelungen“ immer auch etwas kritisch gegenüber, aber ohne scheint es nicht zu funktionieren. Ich würde eigentlich gerne alle drei Plätze an Frauen vergeben. Mal sehen, ob das klappt.

Wie werden Sie denn das unter Postdocs bekannt machen, denen die Humboldt-Stiftung noch kein Begriff ist?
Almut Arneth: Ich werde unterschiedliche Wege einschlagen. Zum einen natürlich mein eigenes Netzwerk anschmeißen. Aber ich habe das Angebot durch das Henriette Herz-Programm auch selbst noch mal ausgeschrieben und über verschiedene Kanäle verbreitet, in Kombination mit der Aufforderung, mich mit einer kurzen „Bewerbung“ zu kontaktieren. Ich bin schon gespannt, was in meiner Mailbox eintrifft.

Professor Antonietti, was versprechen Sie sich von dem Programm für Ihre Forschungsgruppe? Welche Vorteile bietet das Programm umgekehrt für die Stipendiat*innen?
Markus Antonietti: Die Geförderten der Alexander von Humboldt-Stiftung waren schon immer Highlights meines Gästeprogrammes und haben zum Erfolg des Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung beigetragen. Umgekehrt konnten wir aber immer auch die Karrieren der Gäste durch Top-Publikationen und wissenschaftliche Profilbildung unterstützen. Über zwei Drittel unserer Gastforschenden der letzten 25 Jahre haben jetzt Professuren und leitende Positionen inne, weltweit. Noch immer bereichern sie den wissenschaftlichen Austausch und die „Humboldt-Familie“. Wenn die Henriette Herz-Fellows jetzt die Humboldt-Familie  und die wissenschaftliche Gemeinschaft in ihren Heimatländern noch bunter machen: Was wäre das für ein Erfolg!

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